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Lissabon: mit der berühmten Straßenbahnlinie 28 durch schmale Sträßchen.

Lissabon: mit der berühmten Straßenbahnlinie 28 durch schmale Sträßchen. Sie fährt durch die meisten sehenswerten Viertel vom Friedhof Prazeres im Westen bis zum Stadtteil Graça nahe der Burg östlich des Zentrums. - Foto © picture alliance / ZB

Kommissar Stolberg

TV-Star Rudolf Kowalski über Lissabon

Er ist einer der markantesten Schauspieler des deutschen Fernsehens: Rudolf Kowalski, bekannt als Sketchpartner von Loriot ebenso wie als Lebensgefährte von "Bella Block".

Er bereicherte große Filme wie "Deutschlandspiel" oder "Der Campus", vor allem aber verkörpert er seit bald sechs Jahren "Kommissar Stolberg" in der gleichnamigen ZDF-Serie – eine ruhige, außergewöhnliche Fernsehfigur. Fragt man Rudolf Kowalski nach seinem Lieblingsziel, kommt wie aus der Pistole geschossen die Antwort "Lissabon". In HÖRZU berichtet er vom Zauber der außergewöhnlichen Metropole am Rande Westeuropas.

Lissabon: "Diese Stadt macht jung"

Ein wundervolles Flair erfüllt diese Stadt. Das habe ich sofort gespürt, als ich sie im Jahr 2000 zum ersten Mal besuchte. Zu Dreharbeiten bin ich hingereist – und habe dann jede freie Minute ausgekostet, bin gelaufen, gelaufen, gelaufen. Immer der Nase und der Laune nach. Erst am Ende meiner Lissabon-Wanderungen habe ich in einen Stadtplan geschaut, um herauszubekommen, wo ich eigentlich gelandet war – und welcher Weg mich zurück zum Hotel führen würde. Die Stadt ist perfekt für Spaziergänge, denn sie hat wenig Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinn, dafür aber ganze Stadtviertel mit einer faszinierenden Atmosphäre.

Eines ihrer schönsten Viertel heißt Alfama. Es wurde vor weit über tausend Jahren von Mauren gegründet und ist heute noch von engen Gassen durchzogen, an denen uralte Häuser stehen mit vielen kleinen Cafés. Manche Gassen sind sehr steil, sie führen hinauf zur Burg Castelo de São Jorge – ein etwas anstrengender, aber sehr lohnender Weg. Von oben hat man einen fantastischen Ausblick über die vielen Hügel der Stadt, die roten Dächer, die Kirchen und Paläste, den Hafen und die Brücken bis zur Jesus-Statue am anderen Ufer des Flusses Tejo. Wenn dann noch die Sonne scheint, ist es wie im Paradies. Na ja, fast. Mir fehlen schlichtweg die Worte, so beeindruckend finde ich dieses Bild.

Auch bei Regen gefällt mir Lissabon. Das erste Mal war ich im Herbst dort, es hat öfter geregnet, doch das tut der Stadt überhaupt keinen Abbruch. Allerdings wird die Avenida da Liberdade, ein Boulevard, den ich besonders gern entlangschlendere, sehr rutschig, wenn sie nass ist. Wer auf Ledersohlen herumspaziert, muss ganz schön aufpassen. Das ist aber nicht schlimm, denn es macht Freude, auf den Boden zu schauen. Die Fußwege sind nämlich mit wunderbaren Mosaiken verziert, nicht nur an der Avenida, sondern an den meisten Straßen und auf allen Plätzen im Stadtzentrum. Als Souvenir habe ich von einer Baustelle drei Mosaiksteine stibitzt, jetzt liegen sie daheim in Sankt Augustin im Gartenweg. Ich gehe quasi täglich auf einem Stück Avenida da Liberdade.


Reisetipps fur Lissabon

Organisation: Der Reiseveranstalter Olimar ist auf Portugal spezialisiert und vermittelt nicht nur Hotels und Sightseeing-Touren, sondern auch Fahrten auf dem Tejo, Gourmetmenus und Ausfluge. Buchung im Reisebüro. Weitere Infos unter www.olimar.de
Lektüre: Pascal Merciers Roman "Nachtzug nach Lissabon" (Bestellmöglichkeit siehe rechts) erklart die Stadt besser als viele Reiseführer.
Film: "Lisbon Story" von Wim Wenders wurde zwar vor fast 20 Jahren gedreht, ist aber immer noch ideal zur Einstimmung auf Portugals Hauptstadt.


Lissabon: mit der berühmten Straßenbahnlinie 28 durch schmale Sträßchen

Wenn man genug vom Laufen hat, kann man in Lissabon auch sehr schön fahren – aber besser nicht mit dem Auto! Das wäre ziemlich anstrengend, denn der Verkehr ist recht chaotisch. Was die Fortbewegung hingegen sehr bequem macht, sind die Aufzüge, die von der Unter- in die Oberstadt führen. Und natürlich die berühmte Straßenbahnlinie 28. Sie fährt durch die meisten sehenswerten Viertel vom Friedhof Prazeres im Westen bis zum Stadtteil Graça nahe der Burg östlich des Zentrums. Die Waggons der Linie 28 winden sich durch schmale Sträßchen, über weite Plätze, extreme Steigungen hinauf und hinunter, um gewagte Kurven herum – ein unvergleichliches Erlebnis. Da sitzt man dann als Tourist zwischen lauter Portugiesen, die zur Arbeit fahren, und kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Die Menschen in Lissabon sind mir sympathisch. Sie wirken auf mich sehr bodenständig. Noch nie ist mir ein Lissabonner unfreundlich begegnet. Ich höre auch sehr Reise gern ihre Sprache: Sie ist so melodiös und zischt so schön. Und obwohl ich außer "Uma bica, faz favor!" (was "Einen Espresso, bitte!" heißt) und "Obrigado!" ("Danke!") kein Wort Portugiesisch kann, habe ich merkwürdigerweise keine Sprachprobleme. Die Lissabonner nehmen viel Rücksicht, man kann sich gut auf Englisch verständigen und vor allem auf "Gestisch". Vielleicht mag ich die Portugiesen auch so gern, weil ich mich mit meinen 1,72 Meter wohlfühle unter anderen 1,72-Meter-Menschen.

Portugiesen sind in der Regel nicht sehr groß – genauer: nicht sehr hoch. Und wo wir gerade bei den Gefühlen sind: Ich fühle mich jünger in Städten wie Lissabon. Genauso wie in Budapest oder in Wien. Man bewegt sich dort auf Wegen und zwischen Gemäuern, die von uralter Historie zeugen. Es sind Jahrhunderte zum Anfassen. Welche Bedeutung haben da sechzig Jahre Menschenleben? Sie schrumpfen zusammen auf einen lächerlichen Zeitraum. Die Relationen verschieben sich. Auch wenn es natürlich ein kleiner Selbstbetrug ist – ich finde dieses junge Gefühl sehr schön.

Autor: Rudolf Kowalski