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Venedig

Gondeln fahren auf der Lagune vor der Kirche Santa Maria della Salute (hinten) und der Alten Zollstation (davor) in Venedig. - Foto © picture alliance / ZB

Die Lagunenstadt

"Tatort"-Star Ulrike Folkerts über Venedig

Als Schauspielerin ist Ulrike Folkerts auf harte, realistische Rollen abonniert. Seit Jahren spielt sie die Kommissarin Lena Odenthal im "Tatort" aus Ludwigshafen. Für HÖRZU schreibt sie über ihre Traumstadt Venedig.

Diese Stadt ist ein Wunderland für Erwachsene – und genauso gehe ich sie an. Ich laufe los und staune. Manchmal stoppt ein Kanal meine Expedition, dann kehre ich um und nehme die nächste Gasse. Sollte ich mich doch verlaufen, mache ich erst einmal Pause in einem Café. Ein Café findet sich immer in Venedig. Und auch ein Spritz, dieses erfrischende Getränk aus Weißwein, Aperol und Mineralwasser. Seit die Künstlerin Katharina Schnitzler meine Freundin ist, machen wir alle zwei Jahre Station am Canal Grande, immer zur Kunst-Biennale. Wir mieten uns eine Ferienwohnung, das ist billiger und macht unabhängig von den Restaurants. Statt Touristen-Spaghetti kommen dann einfach Tomaten und Mozzarella auf den Tisch.

San Marco

Jedesmal mieten wir uns in einem anderen Stadtteil ein, um Venedig besser kennenzulernen. Die Viertel sind sehr unterschiedlich: San Marco ist das Herz der Stadt. Natürlich laufe auch ich hier über den Markusplatz, reihe mich ein in die Schlange vor dem Dogenpalast, recke den Hals, um den geflügelten Löwen zu sehen. In Cannaregio und auf der Insel Giudecca kann man das Alltagsleben studieren, in San Polo strömen Kunstfans zur großartigen Sammlung der Scuola Grande di San Rocco. In der benachbarten Frari-Kirche hängt Tizians berühmtes Werk "Mariä Himmelfahrt" – wegen des brandroten Kleides der Gottesmutter auch "Lady in Red" genannt.

Venezianischer Karneval

Der große Campo San Polo ist einer der wenigen Plätze, auf denen man unter Bäumen sitzen kann. Im Februar treffen sich hier die fantasievoll kostümierten Narren des venezianischen Karnevals. Im Quartier Dorsoduro (übersetzt: harter Rücken) habe ich nach diversen Umwegen meinen Lieblingsplatz gefunden. Der Campo San Margherita mag vielleicht nicht so prächtig sein wie viele andere, dafür pulsiert hier das Leben: Hunde laufen umher, unter den Platanen spielen Schulkinder Ball. Wenn ich hier sitze, vor mir gutes italienisches Brot, Schinken, Oliven und einen kühlen Spritz, dann bin ich einfach nur glücklich.

Venedig hat man selbst im Winter nie ganz für sich. Rund 20 Millionen Touristen fallen jährlich ein, viele Gemüseläden und Bäckereien haben sich zurückgezogen, um Läden mit Karnevalsmasken, Marmorpapier und Briefbeschwerern Platz zu machen. Und doch: Sobald man losläuft, entfaltet sich der Zauber dieser Stadt. Die Rialto-Brücke mit ihren Schmuckläden ist ein Trampelpfad. Aber knapp dahinter liegt der Fischmarkt, auf dem ich vom Schwertfisch bis zur Jakobsmuschel, von der Artischocke bis zur Pfefferschote alles finde. Ringsum kleine Bars, in denen die Italiener mittags im Stehen ihren Espresso schlürfen.

Kunst und Kultur in Venedig

Überhaupt die Italiener: Niemals werde ich müde, ihre Eleganz zu bewundern. Die Männer tragen gut geschnittene Anzüge, die Frauen Kostüme und schmale Kleider. Dabei ist es völlig egal, ob eine alte Dame mit Fuchsstola vorbeiflaniert oder ein junges Mädchen im dunkelblauen Cashmere-Mantel – der Schick zieht sich durch alle Generationen. Pelze tragen die Italienerinnen übrigens mit einer Lässigkeit wie unsereins ein Sweatshirt. Venedig ist eine Schatzkammer. Auch wenn ich mich eher für moderne Kunst interessiere, verharre ich gern vor einer der unzähligen Kirchen, verliere mich in Putten, Madonnen und Engelsdarstellungen. Manchmal gehe ich hinein in das Kirchenschiff, zünde dort eine Kerze an – und wünsch mir was.

So viel Geschichte, so viele Geschichten nisten in den unzähligen Winkeln der Stadt. Wer hat hier nicht alles Station gemacht! Wenn ich durch das Peggy-Guggenheim-Museum streife, sehe ich nicht nur die Exponate von Max Ernst oder Marcel Duchamp, sondern auch die Geschichte dieser amerikanischen Mäzenin, die sich leidenschaftlich in ihre Sammlung verliebte – und oft auch in die Künstler selbst. Seit Kurzem haben Kunstfreunde ein weiteres Pilgerziel: An der Spitze von Dorsoduro, direkt neben der berühmten Kirche Santa Maria della Salute, wurde 2009 das Museum Punta della Dogana eröffnet. Der japanische Architekt Tadao Ando schuf aus dem früheren Hauptzollamt ein lichtes Haus mit wechselnden Exponaten. Die Skulptur an der Spitze, die einen Jungen mit einem Frosch in der Hand zeigt, könnte ein weiteres Wahrzeichen der Serenissima werden.

Mit dem Wassertaxi Venedig entdecken

Manchmal werde ich gefragt, ob ich gar keine Angst davor habe, mich in diesem Labyrinth zu verlaufen. Nein, habe ich nicht. Venedig ist zwar verwinkelt, aber klein. Als Berlinerin bin ich ganz andere Dimensionen gewohnt. Schwerkriminalität gibt es auch nicht. Kein Wunder: Hier kann kein Verbrecher in sein Fluchtauto springen und türmen. Längst habe ich mir auch einen neuen Blick auf die Stadt erobert: vom Meer aus. Unbedingt sollte man mit einem Wassertaxi oder einer der Schiffslinien die vielen kleinen Inseln in der Lagune abfahren. Seit 1807 werden die Toten auf San Michele beigesetzt.

Der Lido

Murano ist seit 700 Jahren Stammsitz der Glasbläser, Sant’Erasmo bis heute Venedigs Gemüsegarten. Der Fisch wiederum kommt aus den Valli, den Fischfarmen im Norden der Lagune. Ein Muss ist auch der Lido, diese zwölf Kilometer lange Insel mit Zugang zum Adriatischen Meer. Viele Italiener mieten hier Jahr für Jahr dasselbe Badehäuschen am Strand. Im berühmten "Hotel Des Bains" ließ Thomas Mann die Helden aus "Der Tod in Venedig" wohnen. Heute kann man seinen Charme leider nicht mehr genießen – es wird zur edlen Apartmentanlage umgebaut.

Jetzt bin ich schon wieder dabei, meinen Terminkalender nach ein paar freien Tagen durchzusehen. Anfang Juni eröffnet die 54. Kunst-Biennale, Ende November schließt sie ihre Pforten, irgendwann in dieser Zeit will ich mit meiner Freundin dabei sein. Zwischen den Pavillons in den Giardini, die von den Künstlern verschiedener Nationen gestaltet werden, tummeln sich dann Besucher aus aller Welt. Ein friedliches, buntes Miteinander ist das, eine ungezwungene Atmosphäre der Begegnung. Selbst die früheren Munitionslager, die Arsenale, haben sich der Kunst geöffnet. Es ist ganz gleich, ob man ein Experte ist oder lediglich ein interessierter Laie, so wie ich. Venedig öffnet den Blick und schenkt dir immer wieder neue Bilder.

Reisetipps für Venedig

Anreise: Lufthansa und Air Dolomiti fliegen täglich nach Venedig, hin und zurück ab 175 Euro.
Karneval: Seit 1979 wird der Carnevale wieder in historischen Kostümen gefeiert (2011: 26.2. bis 8.3.). Auskunft und Buchung der schönsten Feste: www.carnevale.venezia.it
Wohnen: Wer sich wie ein Venezianer fühlen will, mietet ein Apartment. Diverse Anbieter, etwa www.veniceapartment.com
Essen: Spezialitäten im "Alla Madonna", Sestiere San Polo 594. Stockfisch-Häppchen im "Do Mori", Stammkneipe von Commissario Brunetti, San Polo 429.

Autor: Ulrike Folkerts