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Madrid

Madrid schläft nie: Das Nachtleben gehört zur Mentalität der Madrileños wie die Liebe zum Fußball, Flamenco und Stierkampf. - Foto © picture alliance / Lonely Planet

Das stolze Herz von Spanien

Madrid, Hauptstadt der Lebensfreude

Der Kellner am Tresen des Cafés "La Mallorquina" ist freundlich und fordernd zugleich. "Para llevar?", schleudert er dem Gast forsch entgegen. Wer nicht sofort antwortet, wird übergangen. Es herrscht großes Gedränge: In dem winzigen Raum haben sich morgens um halb zehn schon 50 Menschen versammelt, rufen, schieben, recken die Hälse. Alles ganz normal. In diesem Tumult nehmen die Madrileños ihr 5-Minuten-Frühstück ein mit dem typischen Milchkaffee "Cafè con leche" und den köstlichen "Pasteles", den Gebäckstücken aus Schmalz-, Hefe- oder Mürbeteig.

Wer in Eile ist, antwortet: "Sí, para llevar." ("Ja, zum Mitnehmen.") Dieses allmorgendliche Ritual ist viel älter als der Siegeszug der weltweiten Kaffeehausketten. Hier atmet der Geist der wirklichen Großstädte: Alle sind voll, laut und schnell. Doch überall gibt es kleine Fluchten. So auch hier. Im ersten Stock des Traditionscafés "La Mallorquina" nimmt man am Tisch Platz und genießt den Blick auf die wuselige Plaza de la Puerta del Sol.

Wer Madrid bei Tag erlebt, landet unweigerlich auf dem verkehrsumtosten Prachtboulevard Gran Vía. Im Sog eines endlosen Menschenstroms zieht man vorbei an unzähligen Läden, Kinos und Musicaltheatern. Etwas ruhiger geht es in der angrenzenden Straße Calle de Fuencarral zu, die mit ihren schrägen Schaufenstern und modernen Galerien für das junge, trendige Madrid steht. Doch irgendwann, wenn die Einkaufstaschen voll und die Geldbörsen leer sind, zieht es jeden zum Paseo del Prado, dem Kunstboulevard östlich des Zentrums. Dort liegt ein kulturelles Dreigestirn von Weltrang: die Museen Prado, Thyssen-Bornemisza und Reina Sofía.

Paris hat den Louvre, Madrid das Museo del Prado. Hier hängen mehr als 8000 Gemälde aus den königlichen Sammlungen, neben Goya, Velázquez und El Greco auch herausragende Werke von Tizian und Rätselbildnisse von Hieronymus Bosch. Das Museum Thyssen-Bornemisza beherbergt neben alten Meistern eine großartige Schau europäischer Impressionisten, Expressionisten und Surrealisten. Pablo Picassos berühmtes Gemälde "Guernica", ein Aufschrei gegen die Gräuel des Krieges, befindet sich im modernen Nationalmuseum Reina Sofía, das die größte Werkschau Picassos und spanischer Gegenwartskunst bietet. Der Bau ist an den gläsernen Fahrstuhlschächten der Frontseite gut erkennbar.

Neben der Museumsmeile liegt die grüne Lunge der Stadt, der Retiro-Park, wo sich neben dem großen Reiterdenkmal am See Liebespaare, Spaziergänger und Familien zum Picknick treffen. Auf der anderen Seite der Stadt entfaltet Madrid seine herrschaftliche Pracht: Dort steht der Palacio Real, der Königspalast, ein imposantes Barockschloss aus Granit und Kalkstein. Allerdings leben König Juan Carlos und seine Familie bescheidener in einem Jagdschloss vor den Toren der Metropole. Der Trost für Monarchiebegeisterte und "Reales" (Königstreue): Einige der über 2000 Räume des Palastes sind für Besucher geöffnet. Wenn über dem Schloss die blaue Fahne weht, ist der Hausherr anwesend. Dann schließen die Tore für Besucher. Vielleicht lassen sich Juan Carlos oder Kronprinz Felipe aber auch in einem der Altstadtrestaurants blicken, etwa im "Casa Lucio" mit seiner schiefen Holzbalkenarchitektur. Oder in einem der vielen Gourmettempel wie dem "Chantarella".

Madrid, die stolze Metropole, ist bei aller Kunstbeflissenheit mit knapp 100 Museen eine Königin der Nacht: Über 2000 Restaurants und 13.000 Bars buhlen um Vergnügungswillige und Genießer. Viele Restaurants gehören zur Weltspitze. Selbst die Fischküche ist ausgezeichnet. Die Kapitale gilt als "beste Hafenstadt Spaniens" – ohne Hafen. Täglich werden tonnenweise Fisch, Muscheln und Krustentiere angekarrt, um die Nachfrage der 3,2 Millionen Einwohner zu stillen. "Madrid ist eine Stadt, die das Leben feiert", schrieb der spanische Philosoph José Ortega y Gasset. Heute, mehr als 50 Jahre nach seinem Tod, gelten seine Worte umso mehr. Madrid schläft nie: Das Nachtleben gehört zur Mentalität der Madrileños wie die Liebe zum Fußball, Flamenco und Stierkampf.

Um drei Uhr nachts staut sich der Verkehr in den "barrios", den angesagten Vierteln Chueca, Malasaña und dem Zentrum, weil Menschentrauben vor den Szenebars und Clubs auf die Straße quellen: Lebenskünstler, Studenten, Normalos, Touristen. Die Ausgelassenheit gehört zur "Movida", dem kulturellen Aufschwung, der nach der Franco-Ära Ende der 70er-Jahre einsetzte. Auch Livemusik tönt aus vielen Häusern: Im beliebten "Café la Palma" treten Flamenco-Künstler und spanische Liedermacher auf. Die Einheimischen gehen nach durchzechter Nacht oft gleich wieder zur Arbeit. Vorher stärken sie sich mit einer "Chocolate con Churros", einer Schokolade mit Gebäck, oder einem "Cafè". Dann heißt es wieder: Auf ins Getümmel am Tresen!

Reise-Tipps: Unterwegs in Madrid

Flüge: Direktflüge mit Lufthansa, Air Berlin, Iberia, Spanair, Ryanair, Tuifly und Easyjet, meist ab 100 Euro hin und zurück.
Eintritt: Viele Museen sind sonntags oder abends kostenlos zu besichtigen und an katholischen Feiertagen geschlossen.
Im Restaurant: Ein Spanier nimmt nicht an einem fremden Tisch Platz, auch wenn dieser nicht voll besetzt ist.
Tischzeiten: Die Spanier essen spät: mittags ("Almuerzo") ab 14 Uhr, abends ("Cena") ab 21 Uhr. Vorher sitzt man oft allein oder bekommt kein warmes Essen. Alternative: Tapas (Snacks etwa mit Oliven, Chorizo-Wurst, Tintenfisch oder Krabben).
Infos über Hotels, Termine, Rundgänge unter: www.turismomadrid.es

Autor: Dagmar Weychardt