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Das Angebot in den Markthallen des Nobelkaufhauses "Harrods" ist gigantisch.

Schlemmermeile: Das Angebot in den Markthallen des Nobelkaufhauses "Harrods" ist gigantisch. - Foto © picture-alliance/ dpa

Plus: London-Tipps

James Last über London

Musiklegende James Last schreibt exklusiv für HÖRZU über London, die faszinierendste Stadt Europas. Hier verrät er seine ganz privaten Reisetipps.

Sein "Happy Sound" war über viele Jahre nicht mehr wegzudenken – aus keinem deutschen Partykeller, von keiner Familienfeier. Legendäre Hits wie "Biscaya" und TV-Melodien wie die fürs "Traumschiff" schuf er gleich in Serie. Mit seiner zweiten Frau Christine lebt der als Hans Last in Bremen geborene Musiker heute in Florida und Hamburg.

The LAST Tour

James Last auf Abschiedstournee. - Foto © picture alliance / Karl Schöndor

Noch bis zum 18. Mai ist der 84-Jährige mit seinem 40-köpfigen Orchester auf Abschiedstournee. "The LAST Tour" steht unter dem Motto "Einmal noch". Unter den unzähligen Städten, die der Bandleader während seiner 60-jährigen Karriere besuchte, ist ihm London besonders ans Herz gewachsen. In HÖRZU verrät er exklusiv seine Lieblingsorte und seine Geheimtipps.

Die Melodie der Metropole

Mein erster Besuch in London ist mittlerweile 60 Jahre her. Schon damals war es eine unglaublich quirlige Stadt. Mit ihrem Temperament zieht sie mich sofort in ihren Bann – heute genauso wie damals. Menschenmassen muss man mögen, sonst ist man hier fehl am Platz. Obwohl in der Acht-Millionen-Metropole so viel im Fluss ist, gibt es durchaus Dinge, die sich einfach nie ändern. Etwa die legendäre Wachablösung vor dem Buckingham Palace. Ich weiß gar nicht, wie oft ich da schon zugeschaut habe. Jeden, der meine Frau und mich in London besucht, schleppe ich dorthin.

London Wachablösung

Die legendäre Wachablösung vor dem Buckingham Palace in London. - Foto © picture-alliance / Frank May

Eine andere Konstante im Leben der Londoner – wie auch in meinem – ist das Kaufhaus "Harrods". Uns zieht es bei jedem Londonbesuch in die Lebensmittelabteilung im Erdgeschoss mit ihren Jugendstil-Markthallen. Entgegen unserer üblichen Gewohnheit essen wir hier Austern, weil sie so sensationell gut sind.

London Harrods

Schlemmermeile: Das Angebot in den Markthallen des Nobelkaufhauses "Harrods" ist gigantisch. - Foto © picture-alliance/ dpa

Andere Dinge ändern sich durchaus – und glücklicherweise. Der schlechte Ruf der englischen Küche etwa ist nicht mehr gerechtfertigt, so viele sehr gute Restaurants gibt es heute. Bei meinem ersten Aufenthalt in Großbritanniens Hauptstadt waren wir noch auf das Management von Liza Minnelli und Frank Sinatra angewiesen, mit dem wir gut konnten. Die hatten natürlich immer Karten und Reservierungen für die tollen Restaurants und Discos und nahmen uns netterweise mit.

Ich erinnere mich an einen Besuch in "Ronnie Scott’s Jazz Club", eine Institution unter Jazzfans gestern wie heute. Damals trat der legendäre Schlagzeuger und Bandleader Buddy Rich auf. Offiziell war der Laden voll, aber wir kamen noch rein – mit 40 Leuten. Dann war es aber auch wirklich eng. An dem Abend lernte ich dort einen Jazztrompeter kennen, der heute noch in meiner Band spielt. Der Club "White Elephant", wo wir nach den Konzerten feierten, existiert inzwischen leider nicht mehr.

Weniger Party, mehr Park

Mit den Partys und dem Ausgehen bin ich etwas zurückhaltender geworden – aber ein gutes Musical im West End lassen Christine und ich nicht aus. Die Auswahl ist gigantisch! Mittlerweile ertappe ich mich auch öfter mal bei einem Parkspaziergang. Der Hyde Park und die angrenzenden Kensington Gardens gehören zu den schönsten Grünanlagen auf der Welt und sind dafür perfekt. Von dort aus lohnt sich immer ein Abstecher in die Serpentine Gallery mit ihren wechselnden Kunstausstellungen.

London Hyde Park

Der Hyde Park in London gehört zu den schönsten Grünanlagen der Welt. - Foto © picture alliance / Adam Woolfitt

Der Stadtteil Kensington ist überhaupt mein Lieblingsviertel. Die "Villages", die "Dörfer", machen Londons besonderen Charme aus. Jedes ist anders. Selbst zwischen angrenzenden Vierteln liegen mitunter Welten. Darum gibt es auch nicht das eine London. Zugegeben: Kensington ist mitunter etwas "stylish", aber meine Frau und ich lieben es nun mal, durch seine Straßen zu bummeln, die wunderbaren Fassaden zu bewundern und in den Läden zu stöbern. Christine wird oft beneidet, weil ich auch in Modegeschäften ein geduldiger Begleiter bin. Dafür passt sie auf, dass ich immer die richtigen Klamotten anhabe, und sucht auch meine Bühnengarderobe aus.

London Royal Albert Hall

Bandleader und Komponist James Last tritt am 01.05.1978 mit seinem Orchester in der Royal Albert Hall in London auf. - Foto © picture-alliance/ dpa

Zufällig steht selbst die Royal Albert Hall in meinem Lieblingsstadtteil. Wir hatten im Lauf der Jahre 85 Auftritte in dieser traumhaft schönen Konzerthalle. In aller Bescheidenheit: Das ist Weltrekord! Auf ganz andere Weise beeindruckt mich ein ganz anderes Gebäude: das hundert Jahre alte Michelin House in der Fulham Road an der Grenze zu Chelsea. Die Reifenfirma hatte hier einst ihre Zentrale für Großbritannien – was man kaum übersehen kann, weil über dem Eingang auf großen Glasmosaiken das Michelin-Männchen prangt.

Und wenn Sie am Victoria and Albert Museum in der Cromwell Road vorbeikommen, gehen Sie unbedingt ins Museumscafé: das angeblich älteste der Welt. Die viktorianische Einrichtung aus den 1860er-Jahren mit ihren Glasmalereien und kunstvollen Kacheln wird Sie staunen lassen, da bin ich ganz sicher.

Mit Londons spektakulären Neubauten habe ich mich noch nicht angefreundet. In das überdimensionale Riesenrad, das London Eye, hat mich noch keiner reinbekommen. Restauriertes reizt mich mehr. Wie etwa das British Museum: Vor ein paar Jahren wurde seine Fassade per Sandstrahl gereinigt. Dem Innenhof hat der Stararchitekt Sir Norman Foster ein grandioses Glasdach verpasst – nun befindet sich hier der größte überdachte öffentliche Platz Europas.

London British Museum

Den Innenhof des British Museum hat Stararchitekt Norman Foster komplett überdacht. - Foto © picture-alliance / dpa

Den Engländern sagt man ja eine gewisse Unterkühltheit nach. Ich kann das überhaupt nicht bestätigen. Die Londoner jedenfalls sind sehr offen und sehr locker. Man darf sich nicht von der oftmals recht formalen Kleidung täuschen lassen – die ist einfach gelebte Tradition. Auch unsere Band ist im Mutterland der Popmusik sofort angenommen worden – zuerst in den Clubs, später dann in der Royal Albert Hall. Auch wenn ich auf keine Tournee mehr gehen werde: Nach London werde ich sicher noch oft zurückkehren – so lange, bis es dem da oben eines Tages zu viel wird.

Autor: James Last