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Zürich

Die Züricher entspannen am liebsten am, im und auf dem Wasser. - Foto © picture-alliance / KEYSTONE

Ganz nah am Wasser

Inka Friedrich über Zürich

Lust auf Veränderung. Noch mal raus aus Berlin, bevor ihre zwei kleinen Kinder zur Schule müssen. Für Inka Friedrich war klar, dass die ganze Familie mit nach Zürich zieht, als ihr Mann Frank Seppeler dort am Schauspielhaus ein Engagement bekam. Die bekannte TV- und Filmschauspielerin ("Sommer vorm Balkon"), die in der neuen Fernsehkomödie "Fasten à la carte“ (siehe TV-Tipp) die Hauptrolle spielt, erklärt in HÖRZU, warum sie ihr "Abenteuer Schweiz" so genießt.

Zürich hat mich überrascht. Klar, vieles in der Stadt ist teuer, erst recht, wenn man wie ich die moderaten Berliner Preise gewöhnt war. Doch was ich nicht wusste: Die Züricher sind "Wassermenschen". An nahezu jeder Ecke sprudelt aus Brunnen kühles, trinkbares Wasser. Morgens mit dem Bikini unterm Kostüm ins Büro und mittags schnell ins nächste Schwimmbad – macht hier jeder. Schönster Treffpunkt im Sommer ist das "Frauenbadi" direkt an der Limmat. Bis 18 Uhr dürfen hier nur Frauen rein, und sie nutzen die Pause in den Jugendstilpavillons auch für Massagen, zum Haareschneiden oder für ein Henna-Tattoo. Nach der Sommersaison wird es dann für besondere Veranstaltungen genutzt.

Die historische Altstadt mit ihren schmalen Gässchen und den restaurierten Fachwerkhäusern erstreckt sich beidseits der Limmat, die dem Zürichsee entströmt. Wer nach Edelboutiquen, teuren Uhrengeschäften oder Berühmtheiten wie der Confiserie Sprüngli sucht, geht in die Bahnhofstraße. Mich selbst zieht es öfter in den Stadtteil Niederdörfli: Hier gibt es viele kleine Läden, vom alteingesessenen Buchbinder bis zur unkonventionellen Designerin. Oder auch nach Seefeld in das kleine Taschengeschäft "Boule Rouge" in der Wildbachstraße 50 – da habe ich mir gerade erst ein sehr schönes Exemplar gekauft.

Eine unglaublich leckere Schweizer Spezialität sind Wähen, eine Art Quiche, die süß oder salzig belegt wird. Mir schmecken sie am besten in der Konditorei Berner in der Hottingerstraße 33. Nicht weit entfernt, im sanierten Altstadthaus Häringstraße 1/Niederdorfstraße 46, führt das Ehepaar Müller seit 29 Jahren den "Chäs-Chäller". Eine seiner Spezialitäten ist das "Altstadt-Fondue" – das beste der Stadt. Ein perfektes Mitbringsel, auch weil Sie zu Hause nichts mehr hinzufügen müssen, selbst die richtige Menge an Wein ist in dem Käsefondue schon enthalten. Eine weitere Perle ist der "Colonialwaren"-Laden in der Münstergasse 19. In tausend Schublädchen lagern exotische Gewürzmischungen oder getrocknete Früchte, dazu feine Öle und internationale Delikatessen. Direkt nebenan liegt das "Café Schwarzenbach". Hier kann man köstliche Kaffeespezialitäten und Dutzende Teesorten probieren.

Vorbehalte gegenüber uns Deutschen, wie es oft heißt, habe ich bisher nicht erlebt. Manches beruht wohl auf einem Missverständnis, denke ich. Hier wird Schwyzerdütsch gesprochen. Wenn man dann einen Hiesigen anspricht und der nicht gleich antwortet, liegt es eben meist daran, dass er nach einer Antwort auf Hochdeutsch sucht. Das Schöne an Zürich ist, dass alles so dicht beieinander ist. Es gibt große Theaterabende wie momentan im Schiffbau Arthur Millers "Tod eines Handlungsreisenden" in der Regie von Stefan Pucher, viele Galerien und Ausstellungen.

Schon die Picasso-Ausstellung ist eine Reise wert: Bis zum 30. Januar 2011 zeigt das Kunsthaus Zürich etwa 70 Werke. Ich liebe es aber auch, ins Kino zu gehen. Anders als in Deutschland werden alle Filme im Original mit Untertiteln gezeigt. Es ist ein Genuss, die Schauspieler mit ihren eigenen Stimmen zu hören. Im Herbst, wenn die klare Luft wie blank geputzt scheint, wirken auch die Berge zum Greifen nah. Wenn man mit der Trambahn von der einen Seite der Stadt auf die andere fährt, könnte man sich in ihrer Schönheit verlieren, so grandios ist der Blick auf die Alpen.

Selbst wer kein geübter Wanderer ist, sollte auf Zürichs Hausberg: den 871 Meter hohen Uetliberg. Er ist mit dem Nahverkehr erreichbar (Lassen Sie ihr Auto stehen, der Verkehr ist eine Strafe!) und selbst mit Kindern geländegängig. Vom Gipfel aus hat man eine prachtvolle Rundsicht über Stadt und See. Sowieso ist in der Schweiz nichts weit entfernt. In einer Stunde am Vierwaldstätter See oder im Vitra Design Museum in Weil, in drei Stunden im Tessin – es fasziniert mich, weil man mit jedem Ortswechsel immer auch in eine andere Welt eintaucht. Im nächsten Jahr, wenn mein Ältester zur Schule kommt, kehren wir wieder zurück nach Berlin. Doch bis dahin koste ich hier jede Minute richtig aus.

Tipps für Flüge, Hotels und Events

Flüge gibt es von vielen deutschen Flughäfen: mit Germanwings z. B. ab Köln-Bonn nach Zürich und zurück, ab 70 €. Mit Air Berlin z. B. ab Hamburg und retour ab 103 €.
Hotels: Alexander, 3 Sterne, DZ ab 104 €, Niederdorfstraße 40. Opera, 4 Sterne, nah am See, DZ ab 220 €, Dufourstraße 5. Am Wochenende häufig 25 Prozent Ermäßigung. www.hotel.de
Expovina:Zürcher Weinausstellung: An Bord von 12 Schiffen, die beim Bürkliplatz ankern, werden 4000 Weine aus 22 Ländern und 5 Kontinenten verkostet.
Picasso: Vom 15. Oktober 2010 bis 30. Januar 2011 präsentiert das Kunsthaus Zürich (Heimplatz 1) eine einmalige Retrospektive mit etwa 70 Originalen aus berühmten internationalen Picasso-Sammlungen.

Autor: Inka Friedrich