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Hamburg

Eine Möve im Hamburger Hafen - Foto © www.piqs.de / ChaccoBlue, CC

Jan Fedder über seine Heimatstadt

Hamburg, meine Perle

Der norddeutsche Slang, in dem Hamburg wie "Hambuach" klingt, gehört zu ihm wie die Polizeimütze. Aber Jan Fedder kann mehr, als im "Großstadtrevier" auf Streife zu gehen. In der Verfilmung eines Siegfried-Lenz-Romans spielt er jetzt einen Binnenfischer, der sich gegen Veränderungen sträubt. Er ist eben ein Treuer, dieser Hamburger Jung von 55 Jahren. Lebt noch in der elterlichen Wohnung auf St. Pauli, wirft nichts weg, sondern sammelt leidenschaftlich. Hier erzählt er, was er an seiner Heimatstadt so liebt.

Mein Hamburg erkenne ich mit geschlossenen Augen, nur am Geruch. Wenn ich früher nach Hause gefahren bin, dann immer über die Elbbrücken, mit runtergekurbelten Fenstern und geblähten Lungen. Ölig und brackig riecht die Elbe, ich mag das. Aufgewachsen bin ich an der Überseebrücke, wo meine Eltern eine Kneipe hatten. Dort ist der kleine Jan mit dem Fahrrad rumgetourt, entlang der Kais, die Ladungen der großen Schiffe im Visier. Man konnte ja nie wissen, vielleicht gab’s was zu "organisieren". Überall warteten Abenteuer in meiner Kinderzeit, sogar in den Bananenstauden versteckten sich damals noch Vogelspinnen. Das hatte ich jedenfalls gehört. Heute, mit 55, wohne ich immer noch in meiner elterlichen Wohnung mitten auf dem "Kiez".

Früher waren wir zu viert, plus Hund und Katze. Heute sind die 70 Quadratmeter für mich allein fast zu eng. Aber es hat sich ohnehin viel geändert im Viertel: Früher war St. Pauli für Erwachsene reserviert, heute schieben sich riesige Pulks junger Leute über die Reeperbahn und die Große Freiheit. Früher waren zu Silvester vielleicht 20 Leute im Hafen, heute strömen Tausende hierher, um zu Mitternacht das Tuten der Schiffssirenen zu hören.

Meine Lieblingsplätze? Im Sommer: der alte Elbtunnel mit seinen bemalten Kacheln. Da ist es immer kühl! Und das St. Pauli-Theater mit seinen roten Plüschsesseln – immer gut für Überraschungen. Dort gibt es eine Revue, benannt nach meinem Stammlokal, der "Ritze". Die Freie und Hansestadt hat schmuddelige und "schnieke" Ecken: Im feinen Eppendorf mit seinen stuckverzierten Bürgerhäusern tragen sie ihren Caffè Latte an den Boutiquen vorbei, im Schanzenviertel trinken sie Bier aus der Flasche und sitzen auf Holzbänken vor preiswerten Portugiesen.

Auf den Bootsstegen rund um die Alster gibt es "Alsterwasser" und ein Panorama aus weißen Segelschiffen. An der Elbe reihen sich feine Restaurants wie eine Perlenkette auf. Nur 500 Meter weiter liegt der KultImbiss "Strandperle", wo du die Zehen in den Sand stecken kannst. Der Blick auf die riesigen Containerschiffe ist gratis. Sie sollten unbedingt den Tierpark Hagenbeck besuchen, wo wir vom "Großstadtrevier" schon bei den Orang-Utans gedreht haben. An den Buden dort gibt’s übrigens super Würstchen. Eigentlich bin ich ja Vegetarier, aber Würstchen laufen bei mir nicht unter Fleisch.

Im Sommer ist Hamburg wirklich die schönste Stadt der Welt: Überall stehen Tische und Stühle vor den Restaurants: in der neuen Hafen-City ebenso wie im schicken Elbvorort Blankenese. Falls es frisch wird, gibt es Wolldecken. Da fackelt der Hamburger nicht lange. Er packt einfach an. Zum Beispiel auch beim Hansa Theater, einer alten Revuebühne auf dem Steindamm, die ich noch aus meiner Kindheit kenne. Nach langem Dornröschenschlaf wurde es jetzt jeweils für die Wintersaison wieder wachgeküsst. Damals wie heute wird dort der "Hanseaten-Teller" mit Schnittchen serviert – damit kein Besteck-Klappern die Kleinkünstler auf der Bühne stört. Der Hamburger denkt eben praktisch: "Nicht reden, machen!"

Noch mehr Hamburg-Tipps
Hafen-City: 155 Hektar groß wird der neue Stadtteil, 12.000 Menschen sollen hier wohnen. Kühne Vision oder Rentner-Dubai? Touristen aus aller Welt bestaunen schon die "Stadt am Wasser" und den Rohbau der Elbphilharmonie.
St. Pauli Fischmarkt: Sonntags von 5 bis 9.30 Uhr werden auch Fische verhökert. In der Fischauktionshalle nebenan gibt es Jazz zum Frühstück.
Star-Küche "Restauranttester" Christian Rach und sein "Tafelhaus", Neumühlen 17. Deftiger: Tim Mälzer und seine "Bullerei" im ehemaligen Schlachthofviertel, Lagerstraße 34 b.

Autor: Jan Feddder