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Marrakesch

Buntes Treiben auf dem Marktplatz Jemaa el Fna. - Foto © dpa Picture-Alliance GmbH

Marokkos Oasenstadt

Christine Kaufmann über Marrakesch

Eigentlich ist sie eine Nomadin. Als junge Frau lebte sie mit ihrem damaligen Mann Tony Curtis in den USA, später zog sie nach Frankreich, Spanien – und Marokko. Aus fünf Jahren Nordafrika blieb Christine Kaufmann die Liebe für die leuchtenden Farben und die Düfte des Orients. Und ein sinnliches Lebensgefühl, das auch ihr aktuelles Buch "In Schönheit altern" prägt.

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Marrakesch erleben

Anreise: Direktflug mit der Linie Royal Air Maroc ab Frankfurt/M. oder Düsseldorf und zurück (ca. 350 Euro). Billigflüge mit Ryan Air ab Hahn/Hunsrück (ab 100 Euro). Infos: visitmarokko.com
Unterkunft: Eine Hotellegende ist das "La Mamounia". Stars wie Gwyneth Paltrow und Salma Hayek steigen hier ab. Die Preise sind hoch: ab 525 Euro im Doppelzimmer (www.mamounia.com). Eine Alternative sind Stadthäuser. Zum Beispiel www.anayela.com. Das luxuriöse Stadthaus "Riad Noga" (www.riadnoga.com) bietet Sonderangebote zu ausgewählten Terminen. Zentral und im marokkanischen Stil gehalten ist der "Robinson Club Riad Zakaria" nahe dem Platz Jemaa el Fna.
Koutoubia-Moschee: Handwerker aus dem damals maurischen Andalusien bauten mit. Das Minarett ist eines der schönsten Zeugnisse des maurischen Stils.
Einkaufen: Einer der besten Antiquitätenläden der Stadt ist "Amazonite". Adresse: 94 Boulevard El Mansour Eddahbi.
Essen: Das "Dar Moha" bietet moderne marokkanische Küche im ehemaligen Haus des Modeschöpfers Pierre Balmain (81 Rue Dar el Bacha). Snacks am Rand der Souks serviert "Bougainvillea" (33 Rue el Mouassine).

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In HÖRZU beschreibt die Schauspielerin, Autorin und Kosmetik-Produzentin ihre Reisen nach Marrakesch, die ehemalige Karawanenstadt im Herzen Marokkos: Als ich das erste Mal hierher kam, mietete ich mit meinem Freund ein Zimmer im obersten Stock des "Hotel Sultan“, genau genommen ein Dachboden ohne Dach. Weiße Laken flatterten an der Wäscheleine, über meinem Bett wölbte sich der Himmel. Ich erinnere, wie mein Freund ins Zimmer stürzte: "Christine, da draußen ist ein Komet!" Darauf ich, kichernd: "Ich sehe nur Gespenster!" Die Wäschestücke, ich schwör’s, sahen in diesem Moment aus wie tanzende Geister. Das war mein erster Eindruck von Marrakesch, der Stadt der Wunder. Als wir zurückfuhren, sahen wir den Kometen noch einmal. Keine Sternschnuppe, sondern ein magisches Licht, das hierher zu passen schien wie Scheherazade und ihre Geschichten aus 1001 Nacht.

Damals, Ende der 60er-Jahre, erreichten wir Marrakesch auf dem Landweg. Fuhren zunächst mit der Bahn nach Barcelona, setzten nach Tanger über, ratterten mit dem Bus nach Essaouira, stiegen um in den "Marrakesch-Express" bis zur Endstation Wüstenstadt. Ob es das "Hotel Sultan" noch gibt? Zum zweiten Mal brach ich in den 90er-Jahren nach Marokko auf, besuchte Freunde in Casablanca, fuhr weiter nach Marrakesch. Aber die Stadt schien verschleiert zu sein an diesem Tag. Ein Sandsturm hüllte unser Auto ein, ich sah geduckte Menschen in ihre Häuser stürzen, Straßen und Plätze waren wie ausgestorben. Afrikanische Sandstürme sind Naturereignisse. Du kannst dich nur ducken, verstecken – oder weiterfahren.

Der dritte Besuch Anfang dieses Jahrtausends: Irrte ich mich, oder war der Ton rauer geworden, die Händler aufdringlicher? Auf den orientalischen Zauber hatte sich ein Schatten gelegt. Vielleicht auch deshalb, weil die muslimische Welt nach dem 11. September 2001 unter dem Generalverdacht des Terrorismus stand. Wer nach Marrakesch kommt, durch die Basarviertel, die Souks, streift, dort vielleicht eine silberne Dose oder ein Armband ersteht, landet unweigerlich auf dem Jemaa el Fna, dem "Platz der Toten". Von Ferne hört man schon das Trommeln, nachts flackert Feuerschein, aus den Garküchen steigt der Duft von Hähnchen und Lamm. Man sollte ungeniert eintauchen in diese fremde Welt. Ein Henna-Tattoo gefällig? Ein Foto, auf dem man eine Schlange um den Hals trägt? Oder ein antikes Teeservice, vielleicht sogar echt?

Für die Nomaden, die früher aus der Wüste hierher kamen, um ihre Waren zu tauschen, muss das Gewirr nach langer Einöde ein Labsal gewesen sein. Europäer suchen sich gern eines der Cafés im ersten Stock aus – wegen des guten Überblicks. Einfach märchenhaft! Das Marrakesch von heute hat sich sehr gewandelt. Mittlerweile gibt es hier Restaurants, die mich an New York erinnern. Geblieben ist das sinnliche Flair, das ich gelegentlich zu Hause beschwöre, wenn ich mir marokkanischen Obstsalat zubereite. Ganz klein geschnitten werden die Früchte, bis ihr Geschmack sich vermengt.

Seinerzeit liebte ich es, in den Hamam zu gehen. Schon kleine Mädchen besuchen mit ihren Müttern diese Dampfbäder und nehmen eine Erfahrung mit, die sie durch ihr ganzes Leben trägt: Jeder Körper ist anders, und so, wie er ist, ist er schön! Ich mag auch die Einteilung des Tages: die lange Mittagspause, in der man sich in den Schatten zurückzieht, etwas isst, ein wenig ruht, Tee trinkt und Kekse knabbert. Um fünf Uhr nachmittags beginnt der zweite Teil des Tages, den man erfrischt genießen kann. Von dieser mittäglichen Muße, finde ich, könnten wir uns gern etwas abgucken.

Autor: Christine Kaufmann