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Das Herz von Münster: Der wiederaufgebaute Prinzipalmarkt.

Wer Münster zum ersten Mal besucht, staunt wahrscheinlich am meisten über die architektonischen Gegensätze. Hier das Herz von Münster, der wiederaufgebaute Prinzipalmarkt. - Foto © picture-alliance / dpa

Im TV-Programm: Tatort, 13.03, 20:15, Das Erste

Axel Prahl über Münster

Fahrräder so weit das Auge reicht. Biergärten so zahlreich wie in Bayern. Und mitten in der Stadt ein See! Das sind nur drei von vielen Gründen, warum sich "Tatort“-Kommissar Axel Prahl (51) in Münster fast wie daheim fühlt. Seit zehn Jahren geht er dort schon als TV-Fahnder Frank Thiel auf Mörderjagd. Exklusiv in HÖRZU verrät er, welche Vorzüge seines Einsatzortes er sonst noch ermitteln konnte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag sie am Boden, diese Stadt. Zählte zu jenen, denen die größte Zerstörung widerfahren war. Heute ist sie wieder obenauf:
Münster gehört zu den deutschen Städten mit der höchsten Lebensqualität – und der höchsten Lebenserwartung. Zwar hat die Westfalen-Metropole lediglich 288.000 Einwohner – aber mehr als 1000 Klubs, Cafés, Biergärten und Restaurants. Nirgendwo sonst wird in Deutschland so viel Fahrrad gefahren wie hier.

Der Aasee-Park mitten im Zentrum wurde 2009 zum "schönsten Park Europas" gekürt. Und im Jahr 2004 holte sich Münster sogar den Titel der "kinderfreundlichsten Stadt Deutschlands". Dank seiner unzähligen katholischen Kirchen nennen es manche sogar das "Rom des Nordens". Da könnte man glatt denken, es sei eine richtige Großstadt – mit Hochhäusern, wichtigen Institutionen und viel Verkehr. Nein, nein, ganz im Gegenteil: Mich erinnert die Stadt weniger an Rom als an Amsterdam – mit einem einzigen Unterschied: Die holländische Metropole hat mehr Brücken und Wasserstraßen.

Münster, der "Schreibtisch Westfalens"

Wer Münster zum ersten Mal besucht, staunt wahrscheinlich am meisten über die architektonischen Gegensätze. Da sind zum einen der Prinzipalmarkt mit seinen Arkadengängen und Giebelhäusern, die teils noch aus der Renaissance stammen, und Wahrzeichen wie das sogenannte Krameramtshaus, ein Gildehaus aus dem Jahr 1589. Und gleich nebenan: beeindruckende Glas-Beton-Bauwerke wie die hochmoderne Stadtbibliothek, die das ortsansässige Architekturbüro Bolles+Wilson entwarf. Ein wegweisendes Projekt, wird Münster doch auch der "Schreibtisch Westfalens" genannt.

Mehr als ein Viertel seiner Einwohner gehen zur Schule oder zur Westfälischen Wilhelms-Universität! Überall sieht man Studenten auf ihrer "Leeze" – so der ortsübliche Ausdruck für Fahrrad – über das Kopfsteinpflaster ins Zentrum oder durch das wunderschöne Kreuzviertel radeln.

Die vielen Kirchen habe ich bereits erwähnt: 55 Prozent der Münsteraner sind katholisch, 23 Prozent evangelisch. Die berühmtesten Gotteshäuser sind der St.-Paulus-Dom und die Lambertikirche. An deren Turm sind noch immer jene drei eisernen Körbe angebracht, in denen 1536, begafft vom Volk, einige Wiedertäufer qualvoll sterben mussten. Gern würde ich dort mal am Anfang einer "Tatort"-Folge liegen – und dann in einer Rückblende erzählen, wie es zu dieser Skurrilität kam. Doch das haben uns die Stadtoberen bisher noch nicht genehmigt – obwohl sie sonst viel zuvorkommender sind, als man es aus anderen Metropolen wie etwa Berlin kennt.

Angesichts der katholischen Übermacht in Münster gab es früher drei sogenannte Todsünden in der Stadt: evangelisch zu sein, kein Fahrrad zu fahren und als Zugezogener zu gelten. Doch dieser Spruch trifft inzwischen ebenso wenig zu wie das folgende Vorurteil: Entweder es regnet, oder es läuten die Glocken – und wenn beides zusammenfällt, dann ist Sonntag in Münster. Wahr hingegen ist, dass die Wahrzeichen der Stadt wirklich bezaubernd sind, besonders das Historische Rathaus. Oder der prächtige Erbdrostenhof am Ende der Salzstraße im Zentrum, erbaut von Johann Conrad Schlaun. Oder das Fürstbischöfliche Schloss am Rand der viereinhalb Kilometer langen Promenade, der "Fahrrad-Autobahn" Münsters.

Auch die Umgebung hat einiges zu bieten: Münster liegt an der 100-Schlösser-Route. Einige von ihnen kann man besichtigen. Ich empfehle das idyllische Schloss Hohenfeld, in dem wir während der Dreharbeiten oft wohnen. Genauso lohnenswert ist eine Radtour im Vogelschutzgebiet Rieselfelder. Zurück in der Stadt sollte man abends zum Hafen schauen, der immer lebendiger wird. Mein Tipp dort: der "Hot Jazz Club"!

Auch gut: das Kuhviertel mit seinen bunten Studentenkneipen oder die Brauerei Pinkus Müller am Rosenplatz, wo man das süffige Westfalenbier genießen kann. Ach, es gäbe noch so viel. Ans Herz legen möchte ich allen Münster-Besuchern das Mühlenhof-Freilichtmuseum, das Picasso-Museum, den Allwetterzoo und natürlich den Aasee, wo sich ein Trauerschwan namens Petra mal in ein schwanenförmiges Tretboot verliebte. Zwei Jahre lang! Obwohl Drehtage ja eigentlich Arbeitstage sind, hat jeder Aufenthalt in Münster für mich hohen Erholungswert – vergleichbar nur mit einem Ostseeurlaub zu Hause bei meinen Eltern. Und das heißt einiges.

Autor: Axel Prahl