HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Stargeiger André Rieu.

Der Geiger André Rieu, hier in der "Krone der Volksmusik", lebt seit seiner Geburt in Maastricht und bewohnt mit seiner Frau ein altes Schloss. - Foto © picture-alliance / ZB

Stargeiger

André Rieu über Maastricht

Wie spiegelglattes Eis liegt die Maas da, das Licht der Straßenlaternen glitzert auf der blanken Oberfläche. Der Fluss hat der Metropole im Südosten der Niederlande ihren Namen gegeben: Maastricht – für Stargeiger André Rieu (62) die schönste Stadt der Welt. Vor einigen Jahren hat er sich dort ein Schloss gekauft, in dem er mit seiner Ehefrau lebt. Für HÖRZU öffnete er seine Türen und zeigte die Lieblingsecken seiner Heimat.

"Maastricht ist die Melodie meiner Heimat," sagt André Rieu

Seit meiner Geburt lebe ich in Maastricht. In all den Jahren habe ich noch nie daran gedacht, diese Stadt zu verlassen. Dafür ist sie viel zu besonders. Wer durch ihre kleinen Gassen spaziert, wer die alten Häuser genau betrachtet, in die erleuchteten Schaufenster blickt, die erlesenen Antiquitäten bewundert, der wird mich verstehen. Maastricht ist nicht nur meine Heimat, es ist ein Lebensgefühl. Hier kann man sich wunderbar treiben lassen. Gerade in der Adventszeit ist es zauberhaft. Gemütlich und international zugleich. Wo sonst hat man diese Mischung?


Reisetipps für Maastricht

Anreise: Von Köln aus ist Maastricht in gut zwei Stunden mit dem Zug zu erreichen (ca. 30 Euro, 2. Kl. ohne Bahncard), von Aachen aus in nur 72 Minuten.
Ubernachtung: "Hip Hotel St. Martenslane", sehr zentral und modern, DZ im Dez. ab 74 Euro. Weitere Infos: www.st-martenslane.com/ oder uber www.hotel.de.
Sehenswurdigkeit: Die Grotten im nahen Hochplateau St. Pietersberg: Labyrinth aus mehr als 20.000 Gangen.


Zwischen den schmuckvollen Gebäuden und in den verwinkelten Gassen kann man sich eigentlich nicht verlieren. Und während man dort bummelt, hört man ständig andere Sprachen. Englische, italienische, japanische, deutsche und französische Wörter fliegen durch die Luft. Vielleicht liegt es an der außergewöhnlichen Lage: Maastricht hängt am Südostzipfel der Niederlande, eingeklemmt zwischen Belgien und Deutschland. Immer wieder wird die Stadt zum internationalen Zentrum. Der Maastricht-Vertrag, der die europäische Einigung voranbrachte, ist nur ein Beispiel dafür.

André Rieu in seinem fürstlichen Zuhause

Ich bin viel in der Welt unterwegs, habe etwa 150 Auftritte im Jahr – aber ich freue mich jedesmal, wenn ich wieder zurückkehre. Genau deswegen habe ich mir vor 16 Jahren hier auch ein Schloss gekauft, habe es nach und nach renoviert und bezogen. In einem Schloss zu wohnen war schon immer mein Traum. Das ist so romantisch! Ich stelle mir oft vor, wie die Menschen hier vor 300 Jahren gelebt haben. Damals gab es schon die alten Deckenbalken, das Eichenparkett und die großen weißen Flügeltüren mit der Goldverzierung. Mein Lieblingsraum ist unsere Steinküche mit dem großen Marmortisch. Sie ist das Zentrum des ganzen Hauses – und der älteste erhaltene der insgesamt 25 Räume. Schon im 13. Jahrhundert soll hier gekocht worden sein.

Unser Schloss liegt nur ein paar Autominuten vom Zentrum entfernt. Wenn ich das echte Maastricht-Flair erleben will, fahre ich einfach zum Vrijthof, meinem Lieblingsplatz. Zurzeit findet dort der Weihnachtsmarkt statt, mit allem Drum und Dran, Eisbahn und Karussells. Im August kann man dort das Gourmetfestival "Preuvenemint" besuchen. Dann verwandelt sich der Platz in ein großes Freiluftrestaurant. Ich habe hier auch schon Konzerte gegeben. Die Atmosphäre auf dem Vrijthof ist fantastisch – an normalen Wochentagen genauso wie bei großen Events. Man kann sich dort jederzeit in eines der Cafés setzen und das Treiben beobachten.

Nachmittags gehe ich gern ins "Ouden Vogelstruys", unser ältestes Café. Am liebsten bestelle ich Vlaai, einen limburgischen Kuchen mit Äpfeln. Exzellent! Ein weiterer Grund dafür, dass ich mich in Maastricht so wohl fühle, sind die Menschen hier. Sie sind freundlich und aufgeschlossen, lassen mir aber meinen Freiraum. Ich kann mit meiner Frau Marjorie durch die Straßen flanieren, ohne angesprochen zu werden. Wer gern neue Läden entdeckt, sollte bei einem Maastricht-Bummel unbedingt die Buchhandlung Selexyz Dominicanen in der Nähe des Vrijthof besuchen. Sie ist in den Gewölben einer Dominikanerkirche aus dem 13. Jahrhundert untergebracht.

André Rieu als Pizzabäcker

In unserer Stadt probiert man gern Ungewöhnliches aus. Es gibt wohl nicht so viele Stadtväter, die sich trauen, ungenutzten Kirchen eine neue Bestimmung zu geben. Auch das Naturhistorische Museum oder das Theatercafé "La Bonbonniere" sind in ehemalige Klöster gezogen. Ebenso Teile der Universität samt Bibliothek und Vorlesungssälen. Maastricht hat nur 120.000 Einwohner, aber 53 Kirchen. Eine liegt ganz in unserer Nähe. Ich mag die Stille dort, diese Momente der Einkehr. Am Abend bin ich dann gern wieder unter Menschen. Etwa bei meinem Lieblingsitaliener "Il Giardino della Mamma" am Onze Lieve Vrouweplein in der Altstadt.

Vor 27 Jahren hatte ich selbst mal die Idee, eine Pizzeria in Maastricht zu eröffnen. Ich wollte meine Geige für immer wegschließen. Drei Wochen lang habe ich an dem Projekt gearbeitet – und dann wieder meine Geige aus dem Schrank geholt. Von heute aus betrachtet: die richtige Entscheidung! Es gibt hier ja genug Restaurantbesitzer, die sehr gute Pizza machen. Nach dem Abendessen empfehle ich einen Gang zur Maas. Von der Sankt-Servatius-Brücke hat man einen tollen Blick auf die Stadt. Und unten murmelt der Fluss. Er spielt die Melodie meines Lebens.

Autor: André Rieu