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Burgund

Der Uhrturm in der Altstadt von Auxerre - Foto © dpa Picture-Alliance GmbH

“Meine Wiege des Glücks”

Katrin Müller-Hohenstein über das Burgund

Mitten im Herzen Frankreichs liegt für Katrin Müller-Hohenstein ein ganz besonderes Stück Erde: das Burgund. Vor 25 Jahren kauften die Eltern der Münchnerin dort ein Haus. Von den Hügeln rundum stammen einige der besten Weine der Welt, im Garten wachsen Feigen, Birnen und Mirabellen für die eigene Marmeladenproduktion. Diese idyllische Oase ist wie eine "Wiege des Glücks", ein privates Paradies, das zum Entspannen ein­lädt. Etwa wenn der große Trubel in Südafrika vorbei ist, wo die Sport-Moderatorin für das ZDF gerade von der Fußballweltmeisterschaft berichtet. In HÖRZU schreibt sie exklusiv über ihre liebsten Reisen ins Burgund.

Kennen Sie den Moment, wenn man im Urlaub am ersten Tag aufwacht und nicht sofort weiß, wo man ist? Im Burgund dauert er bei mir nur den Bruchteil einer Sekunde. Wenn ich durchs geöffnete Fenster die Kühe draußen auf der Weide höre, überfällt mich ein uner­messliches Glücksgefühl – und ich rufe mir selbst zu: "Bienvenue en France!" – willkom­men in Frankreich! Genauer: in einem klei­nen Weiler nahe Beaune, wo meine Eltern ein Haus haben. Die sanfte Hügellandschaft, die romantischen Weinberge, die verwun­schenen Schlösser – das alles ist ein Traum!
Ich habe erkannt, dass dies für mich der beste Ort der Welt ist, um abzuschalten. Liegt es an der Stille? Ist es die Luft? Oder das Savoir-vivre, also die Gelassenheit der Franzosen? Sind es die vielen sinnlichen Ein­drücke, die auf einen einströmen? Sicher eine Mischung aus allem.

Oft genügen mir zwei Tage, um mich wie neugeboren zu fühlen – etwa wenn ich meinen Sohn abhole, der die Ferien oft bei meinen Eltern verbringt. Wenn ich sehr erschöpft bin, dür­fen es gern auch drei Wochen sein. Irgend­wann nach der Fußball-WM in Südafrika wird es mich gewiss wieder hinziehen. Ich genieße es richtig, dass wir im Haus keinen Fernseher und kein Internet ha­ben. Wenn etwas Wichtiges passiert, können wir in ein nahe gelegenes Hotel gehen. Richtig glücklich bin ich, wenn der Tag noch vor mir liegt, ohne Programm, ohne Termine. Beim Frühstück im Garten unter der alten Linde schwirren mir Ideen durch den Kopf: Gehe ich mit meinem Vater und meinem Sohn angeln? Plaudere ich mit meiner Mutter, während sie Mirabellenmarmelade einkocht? Nehme ich die Forke in die Hand und helfe im Garten? Oder fahren wir alle in unserer alten roten Ente zu einem Flohmarkt?

Mein Haus in München ist voller einzigartiger Fundstücke: Lampen im Art-déco-Stil, alte Weingläser. Mein bes­ter Kauf war mein Esstisch: ein alter Holztisch aus einer französischen Kneipe. Ich liebe es, auf diesen Märkten zu stöbern. Es gibt – anders als in Deutschland – kaum professionelle Händler, sodass man wunderbar feilschen kann. Gute Flohmärkte finden in jedem Dorf statt. Achten Sie einfach auf die Aushänge! Machen Sie gern Radtouren? Dann empfehle ich das Dreieck Beaune–Autun–Chalon-sur-Saône. Eine bezaubernde Gegend: char­mante Häuser, historische Steinbrücken, kleine Gassen mit Patisserien – und viele Hotels, die spontan ein Bett frei haben. Etwa das "Saint-Georges" in Chalon-sur-Saône (ab 77 Euro/Nacht). Ins nahe Schloss Château de Couches soll sich, des Ehebruchs bezichtigt, Königin Marguerite de Bourgogne zurückgezogen haben, bevor ihr Gatte Ludwig X. sie erdrosseln ließ. Eine schöne Gruselgeschichte – leider ohne historischen Beleg.

Ab und zu mache ich einen Abstecher nach Paris: In Le Creusot-Montceau hält der Hochgeschwindigkeitszug TGV, mit dem man in einer guten Stunde in der Metropole ist. Wenn ich ein wenig in den Trubel einge­taucht bin, freue ich mich wieder auf den Abend im Garten. Vor dem Haus steht eine Steinbank, auf der wir immer die Sonne ver­abschieden – mit einem "Petit Blanc", einem Glas Weißwein, etwas pikantem Käse oder einem Baguette mit Riette, einer feinen Pastete. Wie ich das liebe! Was für ein Geschenk, dass es diesen Ort gibt!

Burgund entdecken: Tipps von Katrin Müller-Hohenstein

Anreise per Flugzeug bis Paris (z. b. ab Hamburg mit Lufthansa ab 99 Euro hin und zurück), dann weiter im Schnellzug TGV.
Reisezeit: Burgund ist das ganze Jahr über schön. mein Tipp: erkundigen sie sich, wo die strecke der Tour de France verläuft (2010: 3. bis 25. Juli). Ein Rennabschnitt führt immer durchs Burgund. Decke ausbreiten, Picknick auspacken, die Fahrer anfeuern – ein echtes Erlebnis!
Märkte: Die Wochenmärkte sind für Gourmets das Paradies! Ein Beispiel: in Beaune bieten Händler mittwochs und samstags rund um die Markthalle ihre Waren an. Beeindruckend ist auch der Viehmarkt in Saint-Christophe-en-Brionnais. Jeden Mittwoch werden die Rinder ab 10 Uhr zur Schau gestellt, der Handel beginnt um 13 Uhr. In einem der umliegenden Restaurants sollte man ein Entrecôte probieren.
Spezialitäten: Es gibt tolle Mitbringsel: etwa Senf aus Dijon. Und natürlich: Wein. Berühmt sind der Pinot Noir und der Chardonnay.
Bootstour: Empfehlenswert sind Touren auf Hausbooten. es gibt viele Anbieter im Internet, z. B. unter www.saone-bateaux.com

Autor: Katrin Müller-Hohenstein