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Star-Mediziner Prof. Dietrich Grönemeyer

Star-Mediziner Prof. Dietrich Grönemeyer wirft einen neuen Blick auf unser wichtigstes Organ. - Foto © picture-alliance / Sven Simon

Wechselspiel von Psyche und Herzgesundheit

Prof. Dietrich Grönemeyer im Interview

Prof. Dietrich Grönemeyer hat ein neues Buch geschrieben. Keinen Ratgeber zu seinem Spezialgebiet Rücken, auch kein Medizinbuch für Kinder. Diesmal ist sein Thema das Herz. Aus gutem Grund. Er selbst hat Grenzerfahrungen mit diesem zentralen Organ gemacht. Und dabei gelernt: Der kleine Hohlmuskel in unserer Brust reagiert viel komplexer als bislang angenommen. Grönemeyer: "Er verdient eine neue, ganzheitliche Betrachtung."

HÖRZU: Herr Professor Grönemeyer, Sie sind Radiologe und Rückenexperte. Warum schreiben Sie jetzt über das Herz?

Prof. Dietrich Grönemeyer: Vor 15 Jahren hat mich eine lebensbedrohliche Herzmuskelentzündung in große Angst versetzt. Seitdem befasse ich mich intensiv mit dem Herzen. Ich habe verstanden, dass es mehr ist als nur eine Pumpe. Mit meinem neuen Buch möchte ich meine Erfahrungen weitergeben und Basiswissen vermitteln. Trotzdem bin und bleibe ich natürlich ein Rückenfachmann.

HÖRZU: Etwa 42 Prozent aller Todesfälle in Deutschland gingen im letzten Jahr auf das Konto von Herz-Kreislauf-Leiden. Ist das Herz ein schwaches Organ?

Prof. Dietrich Grönemeyer: Im Gegenteil. Es leistet Enormes. Es schlägt etwa 100.000-mal am Tag. Da kann man nicht von schwach reden. Aber es ist sehr empfindsam. Es spürt sehr genau die psychischen Dispositionen des menschlichen Lebens, negative wie positive. Und es hat eine unglaubliche Kraft, Schweres zu überwinden – durch Herzensfreude. Dieses Eigenleben hat die Wissenschaft lange nicht beachtet.

HÖRZU: Wie reagiert das Herz auf Gefühle?

Prof. Dietrich Grönemeyer: Ein gutes Beispiel ist Stress und der Umgang mit ihm. Auf der einen Seite brauchen wir positiven Stress, um überhaupt zu überleben, um uns anzutreiben. Auf der anderen Seite wissen wir, dass negativer Stress dazu führen kann, dass das Herz stillsteht, etwa bei Erdbebenopfern oder in anderen Grenzsituationen. Selbst Stress im Beruf kann zu einer ernst zu nehmenden Belastung für das Herz werden, wenn er überhandnimmt. Damit umzugehen ist eine ganz wichtige Komponente in der Zukunft der Medizin.

HÖRZU: Muss der Arzt dazu nicht genau wissen, wie es in seinem Patienten aussieht?

HÖRZU: Richtig, da ist unsere Medizin zu einseitig. Da ist der Kardiologe zu wenig vernetzt mit dem Hausarzt, um mehr über die familiären Hintergründe oder die persönliche Situation des Einzelnen zu erfahren. Doch wenn man weiß, dass bis zu 30 Prozent aller Herzprobleme durch psychische Faktoren wie Stress, Trauer oder Depressionen ausgelöst oder verstärkt werden, dann muss die Medizin doch reagieren und sich anders aufstellen.

HÖRZU: Was heißt das konkret?

Prof. Dietrich Grönemeyer: Der technologische Fortschritt in der Kardiologie und anderen Fachgebieten ist rasant. Viele Defekte lassen sich beheben. Trotzdem stoßen wir an Grenzen, wenn wir den Menschen als Ganzes aus dem Auge verlieren. So werden wir immer mehr chronisch Kranke bekommen. Psychische Probleme führen immer häufiger zu organischen Krankheiten. Das wollen wir oft nicht wahrhaben.

HÖRZU: Was tun Sie heute für Ihr Herz?

Prof. Dietrich Grönemeyer: Seitdem ich weiß, dass man Schlaf nachholen kann, lege ich mich auch am Wochenende hin oder schlafe auch im Urlaub lange. Zudem versuche ich, mir bewusste Ruhepausen zu nehmen und mich gut auf den Tag vorzubereiten.

HÖRZU: Wie funktioniert das?

Prof. Dietrich Grönemeyer: Ich esse viel bewusster und starte jeden Morgen mit Müsli, Obst und Joghurt. Danach mache ich etwa zehn Minuten Gymnastik. Das gibt Kraft für den Tag.

HÖRZU: Warum ist Bewegung so wichtig?

Prof. Dietrich Grönemeyer: Sport trainiert das gesamte Herz-Kreislauf-System. Fette und Stresshormone werden abgebaut, die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung verbessert sich. Das macht das Kreislaufsystem weniger anfällig für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall.

HÖRZU: Viele sind Sportmuffel oder können den inneren Schweinehund nicht überwinden. Wie könnte man sie motivieren?

Prof. Dietrich Grönemeyer: Entscheidend ist und bleibt der Spaßfaktor. Der eine mag Joggen, der andere Schwimmen, der nächste Tennis. Wichtig ist, dass man möglichst früh Übungen an die Hand bekommt, die man regelmäßig und automatisch wiederholt. Daher fordere ich auch mindestens eine Stunde Schulsport am Tag.

HÖRZU: Wie lässt sich das Herz noch schützen?

Prof. Dietrich Grönemeyer: Körperlichkeit hat einen sehr heilsamen Effekt, vergleichbar mit einem Herzmedikament. Die Inder haben immer gesagt, es gibt drei Prinzipien, mit denen du 120 Jahre werden kannst: Zum einen ist das Bewegung. Zum Zweiten der Schritt, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen, herauszufinden, was einem guttut, und das zu kultivieren. Zum Dritten ist es die Ernährung, denn Nahrung ist mehr als ein Füllstoff, sie kann Medizin, aber manchmal auch Gift sein.

Autor: Nicole Simon