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Für unser Glücksempfinden sind Liebe und Freundschaften unverzichtbar.

Für unser Glücksempfinden sind Liebe und Freundschaften unverzichtbar. / Fotos: © picture alliance/Beyond

10 Tipps für mehr Zufriedenheit

Meine persönliche Glücksformel

Mit dem Glück ist es so eine Sache. Wir jagen ihm nach, wollen es einfangen und behalten, am liebsten für immer. Getrieben von der Sehnsucht nach den magischen Momenten vollkommener Zufriedenheit, übersehen wir dabei, dass uns oft nicht klar ist, wonach genau wir suchen. Was ist das eigentlich, dieses Glück? Wie kann ich glücklich werden?

Diese Fragen beschäftigen auch viele Wissenschaftler, die den Glückssuchern durch Studien kleine Orientierungshilfen bieten.
Das Emnid-Institut etwa fand heraus, dass sich 46 Prozent der Deutschen bereits als glücklich bezeichnen würden.

Und Dr. Jan Delhey, Professor für Soziologie an der Jacobs Universität Bremen, hat für das Glück folgende Formel gefunden: "Lebenszufriedenheit ist eine gute Kombination aus Haben, Lieben und Sein." Dabei steht "Haben" für materielle Lebensbedingungen wie etwa das Einkommen, "Lieben" für soziale Beziehungen, vor allem in der Familie und im Freundeskreis, und "Sein" für unsere Lebensgestaltung – etwa einen angesehenen Beruf, eine Tätigkeit, in der man aufgeht, oder ein erfüllendes Hobby.

Wie man diese drei Säulen gewichtet, richtet sich nach persönlichen Werten und individuellen Charaktereigenschaften: Manche Menschen legen sehr großen Wert auf Besitz, andere auf Freundschaften. Während die einen dabei möglichst viele Menschen kennen möchten, sind die anderen mit wenigen, aber engen Freunden glücklicher.

Glück ist individuell

Viele Ratgeberbücher versuchen, mit simplen Tipps wie "Öfter mal lächeln!" jedem Menschen zu seinem Glück zu verhelfen. Doch so funktioniert das nicht, meint Prof. Delhey: "Ich glaube nicht, dass man Glück strategisch und bewusst herstellen kann", sagt er. "Ich vermute vielmehr, dass Glück immer ein Nebenprodukt von anderen Aktivitäten ist." Und zwar von Aktivitäten, denen wir aus Freude nachgehen und nicht, weil wir erwarten, davon glücklicher zu werden.

Obwohl sich eine aktive Lebensgestaltung mit neuen Herausforderungen laut Delhey immer gut auf das Glücksniveau auswirkt, sollten die Aufgaben zur Person passen.

Glück bedeutet, bei sich selbst anzukommen

Wer gern joggt, kann etwa anfangen, regelmäßig Langstrecken zu laufen oder für einen Marathon zu trainieren. Wer eher für andere da sein möchte, entdeckt vielleicht sein Herz für ehrenamtliches Engagement. "Dann stellt sich üblicherweise ein Gefühl der Zufriedenheit oder des Glücks ein", so Prof. Delhey.

Was passieren kann, wenn man sich im Leben zu viel mit Dingen beschäftigt, die einem gar nicht guttun, hat Ruth Frieling erlebt. Aus einer Kaufmannsfamilie stammend, machte sie eine Banklehre, wurde Anlageberaterin und bereits mit Mitte zwanzig Filialleiterin. "Dann hatte ich einen Zusammenbruch", sagt sie. "Ich bin von meinem Körper ausgebremst worden, weil mich die Themen in meinem Leben überlastet haben. Ich wollte den Druck nicht, meine Arbeit machte mich nicht glücklich."

Sie spürte, dass sich etwas ändern musste, und versuchte, sich neu zu orientieren. Leicht war das nicht: "Es war eine hilflose Phase. Ich konnte mein Leben nicht sofort komplett neu ausrichten, weil ich im Vertrauten auch Sicherheit fand.“ So arbeitete sie zunächst weiter als Kundenberaterin, aber für eine andere Bank und von zu Hause aus. "In dieser Zeit habe ich gelernt, faul zu sein, und auch mit Yoga begonnen. Das hat mich geradezu magisch erreicht, sodass ich eine berufsbegleitende Ausbildung zur Yogalehrerin gemacht habe. Dabei konnte ich erfahren, wie sehr ein Beruf auch erfüllen kann."

Trotz der Existenzängste gab sie 2004 ihren alten Job gänzlich auf, wagte den Schritt in die Selbstständigkeit und gibt seitdem Yogakurse. "Nun lebe ich, was mich glücklich macht – eine Arbeit, bei der ich mit Menschen zu tun habe, aber auch selbst zur Ruhe komme." In diesen schnelllebigen Zeiten eine kostbare Erfahrung.

"Die meisten Menschen sind erfüllt von Lebensgeschwindigkeit, immer unterwegs – und kommen doch nie bei sich selbst an", sagt Ruth Frieling. "Ich hingegen erlebe die größten Glücksmomente, wenn ich mich für eine halbe Stunde zurückziehe und beispielsweise mit meinem Hund am Deich sitze." Mit Gelassenheit entdeckt man das Glück eben oft am Rand eines Weges, nicht nur am Ziel.

Die größten Irrtümer über das Glück

Dass Arbeit nicht glücklich machen kann, ist übrigens nur einer von vielen Irrtümern, die uns die Suche nach dem Glück manchmal erschweren. Kinder gelten beispielsweise als großer Quell des Glücks – statistisch gesehen sinkt jedoch ab dem zweiten Kind das subjektive Wohlbefinden beider Elternteile.

Ähnlich ist es mit dem Optimismus: Sicher lebt man durch diese Grundhaltung unbeschwerter, doch zur heilsbringenden Doktrin für alle sollte man ihn deswegen nicht machen. Ein eher ängstlicher Mensch lebt nämlich glücklicher, wenn er seinen Blick für mögliche Probleme behalten kann.

"Der größte Irrtum über das Glück ist aber, dass Geld nicht glücklich macht", sagt Experte Prof. Delhey. "In der Untersuchung einzelner Gesellschaften erkennt man immer wieder, dass Menschen in höheren Einkommensschichten zufriedener sind als jene in unteren.“ Natürlich widerstrebt uns diese Einsicht: Wer Geld hat, darf doch nicht auch noch glücklicher sein! Aber so ist es eben, zumindest bis zu einer gewissen Grenze: einem Jahreseinkommen von etwa 40.000 Euro. Darüber flacht die Kurve des Glückszuwachses langsam ab.

Autor: Melanie Schirmann