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Experte der Medizin und des Humors: Dr. Eckart von Hirschhausen.

Dr. Eckart von Hirschhausen ist studierter Arzt, Bestsellerautor, Starkomiker und beliebter TV-Moderator. Er plädiert für Heiterkeit auf Rezept und Clowns in Kliniken. - Foto © picture-alliance / dpa

Hirschhausens Sprechstunde

Die Kraft des Lachens

Eckart von Hirschhausen exklusiv in HÖRZU

Lachen ist die beste Medizin, sagt der Volksmund. Stimmt das? Ja, meint einer, der es wissen muss. Einer, der Experte der Medizin und des Humors ist: Dr. Eckart von Hirschhausen, studierter Arzt, Bestsellerautor, Starkomiker und beliebter TV-Moderator. Von Hirschhausen plädiert schon lange für Heiterkeit auf Rezept und Clowns in Kliniken. Exklusiv in HÖRZU schreibt er über die Kraft des Lachens.


Zehn Wege zu mehr Witz im Leben
Witze bringen uns zum Lachen. Sie richtig gut zu erzählen, kann jeder lernen. Zehn Tipps von Eckart von Hirschhausen: fünf Ratschläge und fünf Warnungen.

So machen Sie es besser:

1. Machen Sie sich über sich selbst lustig und nicht über andere. Stellen Sie bei Witzen möglichst oft einen persönlichen Bezug her, sagen Sie beispielsweise "meine kleine Patentochter" statt Klein-Erna.
2. Lassen Sie alle überflüssigen Worte weg. Beim Witz gilt besonders: In der Kürze liegt die Würze! Vor allem bei der Pointe.
3. Lernen Sie die Pointe auswendig, so wie bei einem Gedicht. Sie muss sitzen!
4. Warten Sie auf die passende Gelegenheit. Achten Sie darauf, ob das Publikum gerade einen Witz hören möchte.
5. Üben Sie regelmäßig. Schauen Sie sich Profis an, ihr Timing, ihre Pausen. Lernen Sie dabei
auch, mit Freude zu scheitern.

So machen Sie es besser nicht:

1. Fangen Sie keinen Witz an, von dem Sie nicht absolut sicher wissen, wie er zu Ende geht.
2. Erzählen Sie keine Witze, die Ihnen peinlich sind oder die Sie selbst nicht ganz verstanden haben. Beides merkt das Publikum sofort!
3. Verwenden Sie keine Wörter, die Sie im Nachhinein erläutern müssen. Nichts ist schlimmer als "der erklärte Witz".
4. Erzählen Sie keine Witze, die das Publikum in zwei Lager spalten würden – außer es sind wirklich sehr gute Witze.
5. Erzählen Sie bitte niemals mehr als drei Witze in Folge – außer Sie sind ein professioneller Komiker.


Lachen kann heilen – und wie! In den letzten Jahren gibt es eine Revolution in den Gesundheitswissenschaften und der Psychologie . Endlich wird nicht nur geschaut, was die Menschen krank macht, sondern auch, was sie gesund hält und vor seelischen Belastungen schützt. Humor ist einer der ganz zentralen Schutzfaktoren für die Seele. Doch was passiert überhaupt in unserem Körper, wenn wir richtig herzhaft lachen?

Die alten Griechen dachten noch, die Seele des Menschen sitze im Zwerchfell, also bildlich gesprochen: zwischen Lunge und Bauch, Atmen und Verdauen, Luft und Erde. Das Zwerchfell ist der zentrale Lachmuskel und erschüttert aus der Körpermitte alle Organe und Muskeln. Lachen ist der direkteste Anti-Stress-Mechanismus: Stress spannt die Muskulatur an – beim Lachen lassen wir los.

Heilkraft des Lachens: kichern, gackern, prusten

Am besten sieht man das bei Kindern. Die können nicht mehr gerade stehen, sie rollen sich auf dem Boden vor Lachen. Und der Ausdruck "sich kranklachen" kommt sprachlich von "krummlachen", weil wir uns dann nicht mehr halten können. Nach dem Lachen sinkt der Blutdruck, das Immunsystem verbessert sich. Gut belegt ist auch die schmerzhemmende Wirkung. Das kann jeder eigenhändig überprüfen: Hauen Sie sich mit einem Hammer auf den Daumen. Einmal alleine und dann noch einmal in Gesellschaft. Sie spüren den Unterschied. Alleine tut es lange weh, in Gesellschaft muss man über sein Missgeschick lachen – der Schmerz lässt nach.

Dieser Effekt ist nicht nur durch die Ablenkung erklärbar, denn er hält über mehrere Stunden nach dem Lachen noch an. Komikerlegende Groucho Marx sagte sehr treffend: "Ein Clown wirkt wie Aspirin, nur doppelt so schnell." Darüber gibt es sogar jede Menge wissenschaftliche Studien. In einer aktuellen Untersuchung der Universität Oxford führten Wissenschaftler Experimente mit Freiwilligen durch: Eine Gruppe der Teilnehmer durfte Comedy-Sendungen wie "Mr. Bean" anschauen, die andere nur Dokumentationen und Sport.

Währenddessen fügten Wissenschaftler den Freiwilligen leichte Schmerzreize zu – indem sie etwa ein Blutdruckmessgerät bis zur höchsten Stufe aufpumpten. Das erstaunliche Ergebnis, das im Fachmagazin des renommierten Gelehrtenzirkels "Royal Society" veröffentlicht wurde: Probanden, die "Mr. Bean" schauten, spürten weniger Schmerz als jene, die Dokus schauten. Der Grund: Beim herzhaften Lachen wird das menschliche Endorphin-System aktiviert.

Endorphine? Das sind körpereigene Botenstoffe, die unser Glücksgefühl ankurbeln und uns bei der Stressbewältigung helfen. Aber es ist schwer, diesen Prozess genau zu messen. Ins Gehirn kann man beim Lachen nicht schauen, dafür wackelt es dabei zu sehr. Und im Blut? Wenn Sie gut gelaunten Menschen in den Arm stechen, um ihre gute Laune zu beweisen, sind sie wahrscheinlich nicht mehr so gut gelaunt. Studien wie das Experiment von Oxford zeigen aber eindeutig, dass Lachen die Schmerzwahrnehmung verändert. Was spricht also gegen Witze auf Rezept?

Witze – so gut wie Pillen

Können Sie etwa über folgenden Witz lachen?
"Die Indianer wollen von ihrem Medizinmann das Wetter des kommenden Winters wissen. Um seinen Posten nicht zu verlieren, lügt er ihnen vor, dass es einen harten, eisigen Winter geben wird. In Panik rennen die Indianer los und sammeln Holz. Am nächsten Tag bekommt der Medizinmann ein schlechtes Gewissen. Er ruft in der Stadt beim Wetterdienst an: 'Wissen Sie, wie der nächste Winter wird?' – 'Ja, er wird sehr hart werden.' – 'Woher wissen Sie das so sicher?' – 'Wir haben untrügliche Zeichen dafür.' – 'Welche denn?' – 'Bitte sagen Sie es nicht weiter, aber die Indianer sammeln Holz!'"

Egal, ob Sie das lustig finden oder nicht – was ich mit diesem Witz zeigen will, ist, dass jeder über etwas anderes lacht. Und genau das macht die Lehre vom Lachen, die sogenannte Gelotologie, so schwierig. Während bei einem Medikament alle Patienten die gleiche Dosis bekommen, lässt sich beim Humor nicht sagen, ob ein Witz doppelt so stark ist wie ein anderer. Wer über Loriot lacht, ist meist ein anderer Typ Mensch als jemand, der über "Mister Bean" oder Mario Barth lacht. Und niemand kann zwei Wochen lang dreimal täglich über dasselbe lachen.

Um mehr über die Heilkraft des Lachens herauszufinden, habe ich deshalb meine Stiftung HUMOR HILFT HEILEN gegründet. Das geht weit über die Arbeit mit Clowns im Krankenhaus hinaus.

Positive Gefühle schützen das Herz

Auch die großen Volkskrankheiten wie Depression, Übergewicht und Rückenschmerzen hängen eng mit dem Thema Stimmung zusammen. In der Psychotherapie zeigt sich: Viel besser als das ewige Herumreiten auf den Defiziten der Kindheit sind humorvolle Geschichten, die es dem Patienten ermöglichen, einen neuen Blickwinkel auf sich und sein Leiden zu finden und sich damit ein Stück weit zu befreien. Doch welche Arten des Lachens sind gesund? Meiner Erkenntnis nach am ehesten das herzerfrischende Lachen. "Herzerfrischend" – was für ein schöner Begriff. Er trifft den Nagel auf den Kopf! Positive Gefühle schützen tatsächlich das Herz. Wer sich geliebt fühlt, hat nachweislich ein geringeres Herzinfarkt-Risiko.

Andererseits geht die Depression, also die krankhafte Gefühllosigkeit, einher mit höherem Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Glück kommt selten allein. Wir stecken uns ständig gegenseitig mit Gefühlen an: Es gibt ansteckendes Lachen und infektiöse schlechte Laune. Und Schadenfreude zu empfinden oder andere auszulachen ist wahrscheinlich weniger gesund als ein stilles Lächeln aus innerer Zufriedenheit. Ich selbst lache möglichst oft am Tag. Hilfreich ist für mich dabei, Zeit mit Menschen zu verbringen, die ich mag und die mich mögen. Dann lacht man automatisch. Ich möchte an dieser Stelle mal ein Geheimnis verraten: Berufskomiker sind per se nicht immer am Lachen. Mein großes Vorbild Loriot betonte stets: "Humor herzustellen ist eine sehr ernste Sache." Ich hatte das große Glück, ihn noch persönlich kennenlernen zu dürfen. Er war ein Meister, warmherzig, neugierig, mit dieser kindlichen Freude am Augenblick.

Autor: Eckart von Hirschhausen