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Gartenarbeit ist Balsam für die Seele.

Gartenarbeit ist Balsam für die Seele. / Foto: © picture-alliance

Mit Gartenbau-Ingenieurin Angelika Sannmann

Die Heilkräfte des Gartens

Der kleine Tautropfen, ein glitzerndes Juwel auf unserer Lieblingsrose. Der süße Duft des Sommerflieders, in dem die Schmetterlinge Fangen spielen. Die blaue Hibiskusblüte, die wir mitten im dichten Grün heute zum ersten Mal entdecken. Der winzige Spross des Mittagsblümchens, der zart und verletzlich aus der Erde späht. Glücksmomente. Augenblicke voller Leben. In der kleinen Welt, die wir uns geschaffen haben – in unserem Garten.

Eine Fülle von Grün, eine Menge Arbeit. Und eine Seele, die zu unserer spricht. Psychologen und Mediziner wissen inzwischen: Unser Garten ist ein Wellness-Studio. Wenn wir ihn pflegen, umhegen wir auch unser Innerstes. Säen mit jedem Samenkorn Freude in uns. Zupfen welke Blätter weg und damit den Grauschleier und die Traurigkeit von unserer Seele. Graben um und wühlen uns dabei selbst ein bisschen auf. Rechen die Erde und glätten gleichzeitig unser in Unordnung geratenes Ich. Wir schnuppern an Holunder und Lavendel, schleusen dadurch beruhigende, wohltuende Duftimpulse in jenen Teil unseres Gehirns, an den unsere Emotionen geknüpft sind. Wir erleben das Wachstum im Grünen, und unsere Seele wächst ein bisschen mit. Selbst dem Regen gewinnen wir etwas Gutes ab, erleben ihn als Kraftspender.

"Der Garten ist die innere, nach draußen projizierte Landschaft", erklärt Paul Shepard, Professor für Humanökologie am Pitzer College in Claremont/USA. Deshalb fühlen wir uns ihm so nah. Harvard-Naturexperte Edward O. Wilson ist gar überzeugt: Wir lieben Pflanzen deshalb so sehr, weil auch wir Teil der Natur sind. Die alten Chinesen sagten: "Willst du ein Leben lang glücklich sein, so schaffe dir einen Garten." Wenn unsere Seele rotsieht, sollten wir ihr Grün eben. Allein die Farbe, so Forscher, lässt Glückshormone sprudeln.

Gartenarbeit – ein Kurzurlaub: Zwei Drittel der Deutschen lieben es, zu buddeln und zu pflanzen, auch Kanzlerin Angela Merkel entspannt dabei am besten. Früher galt gärteln als spießig, heute ist es schick: Kürzlich schwärmte sogar US-Sängerin Pink in einem Interview von ihren Beeten mit selbst gezogenen Spinat-, Tomaten- und Majoranpflänzchen.

"Die Menschen besinnen sich in Klimawandel und Wirtschaftskrise wieder auf die Natur und ein schönes Zuhause", glaubt die Hamburger Gartenbauingenieurin und Kräuterexpertin Angelika Sannmann. Da liegt der Garten natürlich im Trend. Als eigenes Naturschutzgebiet hinterm Haus, bunt und gesund. Ein Rückzugsort, an dem die Welt noch in Ordnung ist.

Autor: Silke Pfersdorf