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Wüstenfuchs

Foto © www.piqs.de / medeamegara , CC (Some rights are reserved.)

Ihre Ohren dienen als Klimaanlage

Wüstenfüchse: Überlebenskünstler der Sahara

Abenddämmerung senkt sich über die Sahara. Noch flimmert der Sand vor Hitze. Der reglos lauernde Jäger verschmilzt fast mit dem Gelb der Dünen. Nur seine riesigen Ohren sind in Bewegung. Wie Radarschirme schwenken sie in alle Richtungen, spüren das leiseste Knistern auf. Plötzlich erstarren sie mitten in der Bewegung - und mit einem eleganten Sprung stürzt sich der Wüstenfuchs auf seine Beute. Die kleine Eidechse, die sich, tief im Sand vergraben, sicher fühlte, hat keine Chance.

Wer solche spektakulären Szenen beobachten will, braucht Glück und Geduld. Denn in den Weiten Nordafrikas bekommt man den Wüstenfuchs nur selten zu Gesicht. Wie ein Phantom des Sandmeeres hat er bis heute viele seiner Geheimnisse bewahrt. "In unserem Wissen über den Wüstenfuchs klaffen Lücken." So fasst die Weltnaturschutzunion IUCN den Stand der internationalen Forschung zusammen: "Bei seinem Verhalten und seiner Lebensweise in der Wildnis bleibt vieles ungeklärt." Und zur Entwicklung des Bestandes heißt es in der aktuellen Roten Liste der IUCN schlicht: unbekannt.

Heiße Spur im Sand

Dabei ist der Fennek, wie er auch genannt wird, nicht scheu. Doch wer soll die wenigen Exemplare zählen und erforschen, die weit verstreut in der Sahara leben? Es ist sehr aufwendig und teuer, in solchen Gebieten Forschung zu treiben", erklärt Volker Homes, Artenschutzexperte der Umweltorganisation WWF. "Immerhin wissen wir, dass er ein absoluter Spezialist für Extreme ist. Er überlebt in Gebieten, in denen nur 100 Millimeter Niederschlag pro Jahr fallen - ein Siebtel der bei uns üblichen Menge. Sein Lebensraum ist extrem trocken und heiß."

Wie meistert ein enger Verwandter unseres heimischen Rotfuchses solche Extreme? Wer ihn bei der Beutejagd beobachtet, entdeckt seine Geheimwaffe - die Ohren. Wenn es dunkel wird, streift der kleinste Wildhund der Welt über Sand und Geröll, sucht unter den wenigen Büschen der Wüste nach Nahrung. Dabei fangen die Ohren wie Schalltrichter jedes Geräusch auf und helfen beim Aufspüren der spärlich vorhandenen Beutetiere: Insekten, Reptilien, Springmäuse. Bis zu 15 Zentimeter lang werden die Riesenlauscher, ohne die er als Nachtjäger erfolglos bleiben würde. Dabei misst der ganze Fennek bis zur Schulter nur 20 Zentimeter - und ist damit kaum höher als ein Dackel.

Gleichzeitig dienen die Ohren als Klimaanlage. Denn der Wüstenfuchs kann - wie alle Hunde - nicht schwitzen. Überschüssige Körperwärme wird über die große Oberfläche der dicht von Adern durchzogenen Ohrmuscheln abgegeben. Zwar flieht der Fennek vor der glühenden Tageshitze von 50 Grad Celsius in seinen unterirdischen Bau, doch auch dort ist es oft unerträglich heiß.

Durst? Unbekannt!

Weit und breit kein Wasser! Wüstenbewohner erzählen sich seit jeher die Legende, dass der Fennek in seinem ganzen Leben keinen einzigen Tropfen trinken muss. Und an dieser Vermutung ist sogar etwas dran: Weil der Wüstenfuchs nicht schwitzt, verliert er auch keine Flüssigkeit. Der Mensch braucht im extremen Saharaklima 15 bis 20 Liter Wasser am Tag, um nicht auszutrocknen. Dem kleinen Wildhund allerdings reicht die Flüssigkeit, die er mit seiner Nahrung zu sich nimmt. Genügsamer geht' s kaum. Stößt er jedoch in den unergründlichen Weiten zwischen Mauretanien und Ägypten auf eine Wasserstelle, verschmäht er die unverhoffte Erfrischung trotzdem nicht.

Autor: Kai Riedemann