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Wolf

Foto © www.piqs.de / Fotograf: gogl, CC (Some rights are reserved.)

Sie heulen wieder in Deutschland

Die Wahrheit über Wölfe

Die Wölfe heulen wieder. Wer in Steinbach, Neustadt oder anderswo in der Lausitz nachts die Fenster öffnet, hört im Dezember öfter ihre Rufe. Die Tiere stimmen sich ein bis zur Paarung im Februar. Wolfsgeheul in Deutschland? Isegrim an der Oder? Noch Anfang der 90er zählte man nur vereinzelte Grenzgänger, die zwischen dem östlichsten Zipfel Deutschlands und Polen pendelten. Sonst lebte das Raubtier in Mythen, Märchen oder im Volksmund als "Wolf im Schafspelz". Meist ist es die gefürchtete Bestie, die sich zarte Geißlein oder geliebte Großmütter einverleibt. Mit kaum einem heimischen Tier standen wir so auf Kriegsfuß, obwohl wir es nur wenig kennen.

Das änderte sich im Mai 2000. Damals geschah ein kleines Wunder: Auf einem Truppenübungsplatz in der Muskauer Heide wurden erstmals wieder Welpen geboren. "Das war eine Sensation", erinnert sich Wolfs-Expertin Jana Schellenberg vom sächsischen Wolfsbüro in Rietschen, nördlich von Görlitz: "Denn die Tiere galten in Deutschland seit über 100 Jahren als ausgerottet."

Nach diesem großen Wurf wurde die Lausitz zum Einwanderungsgebiet für die streng geschützten Raubtiere. Heute leben dort sechs Rudel mit Nachwuchs und ein Elternpaar ohne Junge. Vereinzelte Tiere wurden auch in Mecklenburg-Vorpommern, Hessen oder Sachsen-Anhalt gesichtet. Doch die Lausitz ist die Hochburg der graubraunen Pelzträger. Die Gegend bietet alles, was sie sich nur wünschen: weitläufige Wälder von bis zu 350 Quadratkilometern pro Rudel. Einen reich gedeckten Tisch mit Rehen, Hirschen und Wildschweinen. Orte des Rückzugs wie stillgelegte Tagebau-Flächen, wo die Jäger der Nacht den Tag verschlafen können.

Forstwirtin Jana Schellenberg leitet das einzige Wolfsbüro in ganz Deutschland. Bei ihr laufen alle Informationen zu "Canis lupus" zusammen: die Forschungsdaten von zwei Biologinnen vor Ort, Berichte von Anwohnern und Viehzüchtern. Eine solche Schaltstelle ist wichtig, denn der Wolf, von dem unser Haushund abstammt, leidet noch immer unter einem schlechten Image. Mit seiner Rückkehr flammte auch die Furcht vor dem mythenumrankten Räuber auf. Sind Pilzsammler in Gefahr? Spielende Kinder?

"Von einem gesunden, wild lebenden Wolf geht in der Regel keine Gefahr für Menschen aus", so Schellenberg: "Man kriegt ihn kaum zu Gesicht. Die Menschen bei uns sammeln weiter ihre Pilze, gehen spazieren. Es ist nie etwas passiert." Sobald die Tiere einen Menschen auf bis zu drei Kilometer Entfernung wittern, nehmen sie Reißaus. Schellenberg: "Ein Wolf ist lieber 1000-mal feige als einmal tot." Gefährlich werden kann es nur, wenn die Tiere Tollwut haben oder vom Menschen angefüttert werden.

Autor: Dagmar Weychardt