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Teichfrosch

Teiche sind ein Refugium für seltene Arten wie Laubfrosch und Wasserralle. - Foto © dpa Picture-Alliance GmbH

Stiller Schatz im Schilf

Wunderwelt Teich

Das braune Wasser steht ihm bis zum Hals, zwischen seinen Zehen quillt Schlamm, Insekten surren in Hubschrauberlautstärke. Doch Frank Hecker ist glücklich. Auf diesen Moment hat der Biologe und Naturfotograf aus Panten bei Lübeck lange gewartet. Eine wehmütige, glockenartige "Ung, Ung, Ung"-Melodie hatte ihn ins Wasser gelockt. Der Ruf der vom Aussterben bedrohten Rotbauchunke. Nun hat er den kleinen Lurch mit den leuchtend rot-orangefarbenen Flecken am Bauch direkt vor der Kamera in einem Tümpel der niedersächsischen Elbauen nahe Hitzacker. "Das scheue Tier hat sich auch vom Motor der Kamera nicht stören lassen – es war einfach unglaublich", erinnert sich Hecker.

Wer "unkt", gilt bei Menschen als Miesmacher. Unken und Unglück werden oft in einem Atemzug genannt. Aber aus Sicht von Naturschützern trifft genau das Gegenteil zu: Wo Unken unken, ist die Welt noch in Ordnung, die Natur im Lot.

Denn das oft trübe Erscheinungsbild vieler Teiche, Weiher und Tümpel täuscht. Hinter dem Schilf tobt das Leben. Gerade in den kleinen Gewässern, wo keine Fische der Brut von Fröschen, Insekten und Vögeln nachstellen, herrscht Betrieb wie in einer Großstadt. Teiche sind ein Refugium für seltene Arten wie Laubfrosch und Wasserralle. Der im Gegensatz zum Teich natürlich entstandene Weiher gilt sogar als artenreichstes Gewässer unserer Heimat.

"Es ist verblüffend, wie einfallsreich sich auch Landtiere an das Leben im Wasser anpassen", sagt Sachbuchautor Hecker ("Was lebt in Bach und Teich?", Kosmos Verlag). Wasserläufer tänzeln über die Oberfläche. Die Wasserspinne lebt in einer selbst gesponnenen Taucherglocke. Der Wasserskorpion, der eigentlich zur Familie der Wanzen zählt, holt durch einen Schnorchel am Hinterleib Luft. Der Gelbrandkäfer nimmt Luftblasen "huckepack" unter seine Flügel.

Die Larve der Köcherfliege baut sich kunstvolle Behausungen aus Muschelschalen, Steinchen oder Blättern. Frösche, Kröten und Molche verbringen ihre Jugend als Kaulquappen im Nass. "Amphibien und viele Insekten brauchen Teiche und Tümpel für ihre Kinderstube", bestätigt Zoologe Julian Heiermann, Gewässer-Experte beim Deutschen Naturschutzbund (Nabu). "Leider steht es schlecht um Teiche und Weiher, weil sie in der Vergangenheit massenhaft zugeschüttet wurden, um größere Felder anzulegen, Straßen und Häuser zu bauen." So landeten viele Frösche, Insekten und Muscheln buchstäblich auf dem Trockenen.

Doch stark bedrohte heimische Lurche sollen wieder vermehrt auftauchen in unserer Landschaft. Das Problem: Jeder kennt den Laubfrosch, aber gesehen hat ihn keiner. Ebenso schlecht steht es um den Kleinen Wasserfrosch, um Kreuz-und Knoblauchkröte. Deshalb hat der Nabu das millionenschwere, EU-geförderte Projekt "Amphikult" angestoßen. In den nächsten fünf Jahren sollen Projektgruppen dabei "300 Teiche für Niedersachsen" anlegen oder Gewässer sanieren – von der Norddeutschen Tiefebene bis hin zum Weserbergland.

Autor: Dagmar Weychardt