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Paradiesischer Archipel: Raja Ampat in Indonesien.

Paradiesischer Archipel: Raja Ampat gehört zu Indonesien und besteht aus mehr als 1000 zum Teil winzigen lnseln mit Riffen und Korallen. - Foto © picture alliance/ANN / The Jakar

TV-Tipp ''Das Korallendreieck'' auf Arte

Wunderwelt im Ozean

Im Korallendreieck des Indopazifiks fanden Forscher einen Garten Eden. Was ist das Geheimnis seiner einzigartigen Vielfalt? TV-Tipp: Die dreiteilige Naturdoku "Das Korallendreieck", 10.02.2014, 19:30 Uhr, Arte (Weitere Teile: Di. und Mi., jeweils 19.30 Uhr).

Durch das türkisblaue Meer gleiten lautlos Mantarochen, wie auf ein heimliches Kommando schwenken sie gemeinsam um die Riffkante. Ihr Wasserballett reiht sich ein in eine furiose Choreografie: Tausende Fische ziehen hier ihre Bahnen – kleine und große, gelbblau gestreifte und leuchtend rote, einzeln oder in ganzen Schwärmen. Fächerförmige Gorgonien wiegen sich in der Strömung, der Meeresgrund leuchtet wie eine versunkene Blumenwiese. Das Paradies hat einen Namen: Coral Triangle – Korallendreieck.

Märchenwälder unter Wasser

Mitten im Indopazifik liegt dieses Naturwunder, rund 5,7 Millionen Quadratkilometer groß, zwischen Borneo, den Philippinen und den Salomonen. Wissenschaftler vermuten hier eine Wiege des Lebens, eine Vielfalt, die andere tropische Riffe um das Fünffache übertrifft. Mehr als 3000 Arten von Rifffischen sind im magischen Dreieck zu Hause, 80 Prozent aller weltweit ent- deckten Korallenarten wachsen im flachen Wasser. Jetzt hat sich ein Team von Meeresbiologen aufgemacht, um dem Geheimnis im wahrsten Sinn des Wortes auf den Grund zu gehen (siehe TV-Tipp unten rechts).

Natur Korallenriff

Korallen-Prachtgarten: Verästelte Formen bieten zahllosen Fischen Schutz. - Foto © picture alliance / David Ebener

Warum hat sich ausgerechnet hier eine so einzigartige Vielfalt entwickelt? An Bord der 45 Meter langen "Seven Seas", eines nach traditionellen indonesischen Vorbildern gebauten Schoners, kreuzten die Forscher durchs Korallendreieck. Größtes Wagnis waren die Tauchgänge in bis zu 100 Meter Tiefe. Korallen wachsen zwar am besten im sonnendurchfluteten Flachwasser, doch das Team wollte auch tiefer liegende Schichten untersuchen. "Eineinhalb Stunden brauchten die Taucher für ihre Vorbereitungen", erinnert sich Lawrence Blair, Anthropologe und Abenteurer.

"Dann wieder bis zu drei Stunden für den Druckausgleich beim Auftauchen." Oft schlug das Wetter um, Strömungen und Wellengang bedrohten das Leben der Meeresbiologen. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. "Das Korallendreieck ist die Mutter aller Riffe im indopazifischen Raum", fasst Dr. Richard Lawrence Pyle zusammen, Zoologe und Fischexperte am Bishop Museum Hawaii. "In anderen Regionen grenzen die Riffe meist direkt an tieferes Wasser. Hier jedoch fällt der Boden langsam ab."

Alle 100.000 Jahre schwankt der Meeresspiegel um etwa 100 Meter. Im Korallendreieck bleiben die wertvollen Lebensräume dabei erhalten, weil sie problemlos mitwandern können. Im Pazifik dagegen sterben sie meist ab.

Geboren aus Feuer und Wasser

Die Geschichte des Korallendreiecks begann vor 23 Millionen Jahren. Damals setzte sich der australische Kontinent in Bewegung und kollidierte mit Asien. Mehr als 10.000 Inseln wurden von Vulkanen aus dem kargen Meeresgrund an die Oberfläche geschleudert. Noch heute spucken aktive Vulkane Feuer, Asche und Bimsstein und schaffen damit Nährboden für neues Leben. So entstand über Jahrmillionen ein idealer Flachwasserraum mit unzähligen Inseln. Die Riffe, die sich quer durch das Dreieck ziehen, sind das Werk der Korallen.

Natur Korallenriff

Drama: Fehlen die symbiotischen Algen, bleichen die Korallen aus und sterben ab. - Foto © picture alliance / dpa

Milliarden dieser kleinen Nesseltiere scheiden in Symbiose mit Algen immer wieder Kalk ab und schaffen so zauberhafte Formen. Nur an den Spitzen der Kalkarme sitzen lebende Korallen. Jede Generation siedelt also auf den Relikten der vorherigen. Zwischen den bizarren Strukturen finden Fische, Krebse, Kleinlebewesen und sogar Meeresschildkröten eine sichere Heimat. Anemonenfische etwa leben in enger Symbiose mit tentakelbewehrten Seeanemonen. Fahnenbarsche bevölkern zu Tausenden die Außenseiten der Korallenriffe. Alles wirkt wie eine Großstadt, in der pausenlos irgendwo gebaut wird und wo der Verkehr nach unsichtbaren Regeln fließt.

Die größte Vielfalt entdeckte das Team rund um die Inselgruppe Raja Ampat. Hier, an der Westspitze Neuguineas, schlägt das Herz des Korallendreiecks. Rund 1500 Fischarten wurden bereits gezählt, Mangrovenwälder dienen als marine Kinderstube, zwischen den Inseln ziehen Mantarochen und Haie fernen Zielen entgegen. Ein Verkehrsknotenpunkt. Denn genau hier treffen zwei Ozeane aufeinander: Pazifik und Indischer Ozean vermischen sich im Korallendreieck. Auch darin liegt ein Schlüssel zur Artenvielfalt. Das Aufeinandertreffen sorgt für besondere Auftriebsströmungen. "Diese kalten Auftriebe kommen aus sehr tiefem Wasser und sind extrem nährstoffreich", sagt Valerie Taylor, Haiexpertin und Mitglied des Forschungsteams. Permanenter Austausch und Erneuerung des Wassers schaffen so Nährstoffe im Überfluss.

Manche mögen’s warm

Auch die klimatischen Bedingungen sind ideal. Korallen benötigen konstant warmes Wasser – nie kühler als 20 Grad Celsius, aber auch nicht wärmer als 30 Grad. Im Korallendreieck, vom Äquator durchzogen, fehlen die Licht- und Temperaturschwankungen, wie wir sie aus unseren Breitengraden kennen. Das ganze Jahr über Sommer und Sonne. Nur so können Korallen leben und bauen.

Auch vom Klimaphänomen El Niño, das vor allem den Pafizikraum trifft und zu extremer Wassererwärmung führt, blieb die Region bislang weitgehend verschont. Umso wichtiger scheint es, die noch intakten Riffe zu schützen. Ein bedeutender Schritt dazu ist getan: Alle sechs Staaten, die im Korallendreieck liegen, haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen. Neue Hoffnung für die Zukunft des Unterwasser-Paradieses.

Autor: Kai Riedemann