HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Terra X Klima macht Geschichte

"Terra X - Klima macht Geschichte": Extreme Wetterbedingungen haben die
Menschheit beeinflusst. Foto: ZDF / Jürgen Rehberg

Zweiteiler über Wetterextreme

Im TV: "Terra X – Klima macht Geschichte"

Schneechaos, Wüstenhitze, tödliche Fluten – die Katastrophen unserer Zeit haben einen gemeinsamen Nenner: Extremwetter! Aber sind das wirklich nur Phänomene des 21. Jahrhunderts? Ein neuer "Terra X"-Zweiteiler (So., 11.1., 19.30 Uhr,
ZDF, Teil 2 am 18.1., s. auch TV-Tipps rechts) zeigt, wie dramatisch Klimaveränderungen an der Geschichte der Menschheit mitgeschrieben haben.

Erst seit Kurzem untersuchen Forscher diesen Zusammenhang. Dabei würden wir ohne den Einfluss des Klimas wohl bis heute als Neandertaler durch die Welt stapfen. Rückblende: Um 113.000 v. Chr. bricht eine brutale Kaltzeit an. Dem Neandertaler macht das wenig aus. "Jedes Element seines Körpers war ideal auf das extrem kalte und trockene Klima abgestimmt", erklärt Gerd-Christian Weniger, Direktor des Neanderthal Museums in Mettmann.

Anpassungsfähig: Der Homo sapiens

Doch dann schlägt das Klima um. Für fast 30.000 Jahre herrscht Pingpong-Wetter. Mal warm und feucht, dann kalt und trocken. Ein anderer Typus Mensch kommt mit den neuen Bedingungen besser zurecht: Der Homo sapiens, intelligenter und anpassungsfähiger, dringt von Afrika aus nach Europa vor und verdrängt den Neandertaler aus seinem Lebensraum – und aus der Geschichte.

Woher wissen wir eigentlich, welches Wetter damals herrschte? Nur für die letzten 160 Jahre liegen Messwerte vor. Forscher greifen aufs Archiv der Natur zurück. Schichten am Grund von Seen und Meeren oder im Eis verraten, was vor Jahrtausenden wuchs. Hier haben sich Pollen, Pflanzenteile und Erdpartikel in zeitlicher Reihenfolge abgesetzt. Wann gab es Kaltzeiten, wann heizte sich die Erde auf? Bohrkerne zeigen so den Wetterbericht der Vergangenheit.

Die Spur der Katastrophen

Ein Ergebnis der Forschungen: Die Sintflut gab es wirklich. Nach einer extremen Hitzephase schmelzen um 6200 v. Chr. die Eispanzer der Erde. Flutwellen überschwemmen die Kontinente. Auch die Landbrücke am Bosporus hält dem Druck nicht stand und bricht ein. Gigantische Wassermassen stürzen in den angrenzenden Süßwassersee, der 100 Meter tiefer liegt. Eine Katastrophe für die Küstenregionen, die Geburt des Schwarzen Meeres – und vermutlich die Quelle der biblischen Sintfluterzählung.

Was für einige Regionen Verderben bringt, kann für andere ein Segen sein. Wie um das Jahr 3200 v. Chr.: Eine weltweite Kältewelle lässt die einst blühende Sahara austrocknen. Denn sinkende Temperaturen bedeuten nicht automatisch Eiszeit. Die Einflüsse sind komplizierter: Dem Feuchtigkeit spendenden Monsun geht plötzlich die Puste aus. Regen wird in der Folge Mangelware! Die Menschen fliehen ins Niltal, dort sorgt der mächtige Strom für fruchtbares Land am Ufer. Nicht zu nass, nicht zu trocken – perfektes Wetter für Landwirtschaft. So legen die Klimaflüchtlinge der Sahara den Grundstein für ein aufstrebendes neues Reich, das sich später mit den Pyramiden ein Denkmal für die Ewigkeit setzt.

Das Klima als Treiber der Geschichte

"Günstiges Klima wirkt regelmäßig in der Geschichte wie ein Katalysator", sagt Historiker Prof. Wolfgang Behringer von der Universität des Saarlandes. "Alle großen zivilisatorischen Schritte, die meisten großen Erfindungen der Menschheit, stammen aus klimatischen Gunstphasen." Das gilt auch für den Aufstieg Roms. Wenige Jahrhunderte vor der Zeitenwende bleiben die Temperaturen stabil, es fällt genug Regen. Rund ums Mittelmeer wogen üppige Getreidefelder, ideale Voraussetzungen für einen Entwicklungsschub der Zivilisation! So bringt die Klimaentwicklung der Erde immer wieder neuen Schwung in die Achterbahnfahrt der Menschheitsgeschichte.


Die Welt im Klimawandel

Meilensteine der Menschheit

Das Leben auf unserem Planeten war stets ein Spielball des Klimas. Über Jahrtausende sorgte es für Aufstieg und Untergang ganzer Kulturen.

58.000 v. Chr.: Klimachaos
Der Wechsel extremer Wetterphasen bringt den Neandertaler, einen Meister der Kälte, in Bedrängnis. Viele seiner einstigen Beutetiere, so etwa Mammuts, werden selten oder sterben sogar aus. Vermutlich fehlt ihm die Anpassungsfähigkeit, um unter den neuen Bedingungen zu überleben.

3200 v. Chr.: Trockenzeit
Ursprünglich waren die Ufer des Nils zu morastig für Ansiedlungen. Durch häufigen Regen führte der Fluss ständig Hochwasser. Erst mit Anbruch einer Kälte- und Trockenperiode entstehen ideale Bedingungen: Das Reich der Alten Ägypter steigt so zur Weltmacht auf.

200 v. Chr.:Prima Klima
Nach einer Schwächephase scheint die Sonne wieder stärker. Vor allem rund ums Mittelmeer geht es aufwärts. Rom baut seine Macht Schritt für Schritt aus, nutzt auch das jetzt fruchtbare Nordafrika als Kornkammer. Experten sprechen deshalb vom "römischen Klimaoptimum".

536 n. Chr.: Finstere Zeiten
Wolken verdunkeln den Himmel, die Temperaturen fallen. Auslöser des weltweiten Klimaschocks könnte ein Vulkanausbruch in Zentralamerika sein – mit verheerenden Folgen für die antike Welt. Ähnlich dramatische Kältephänomene gibt es auch um das Jahr 72.000 v. Chr. und ab 1300.

Autor: Kai Riedemann