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Schmetterling

Schmetterlinge gehören wohl zu den schönsten Frühlingsboten. Hier ein Baumweißling auf einer Sumpf-Kratzdistel / Foto: © picture alliance / Arco Images GmbH

Ein Stück Heimat

Der Lenz ist da: Frühlingszauber

Wenn wieder wärmende Sonnenstrahlen sanft über die Haut streicheln, der Himmel wie blank poliert wirkt und die Luft frisch und süß duftet, dann möchte man die ganze Welt umarmen vor Glück. Wohin man auch blickt, leuchtet es in zartem Rosa, fröhlichem Gelb, kräftigem Blau und knackigem Grün. Ganz so, als hätten Millionen Feen über Nacht ihre Pinsel geschwungen und die Natur in bunten Farben aufstrahlen lassen. Was eben noch in tiefem Winterschlaf lag, wird jetzt von der Sonne wachgeküsst.

Frühling bedeutet Licht, Wärme, Farbe – und überschäumende Gefühle. Voller Sehnsucht fiebern wir deshalb seinem Anfang entgegen. Am 21. März ist es so weit. Dann sind Tag und Nacht jeweils zwölf Stunden lang. Bis zur Sommersonnenwende am 21. Juni weicht die Dunkelheit
täglich weiter vor dem Licht zurück. Die Tage werden immer länger, die Nächte immer kürzer. Darauf nimmt auch der Begriff "Lenz" Bezug, der sich ursprünglich vom indogermanischen "lang" ableitet.

Neben den Astronomen< haben auch die Meteorologen einen Zeitpunkt für den Frühlingsbeginn festgelegt: Für sie startet er pünktlich am 1. März und dauert, wie Sommer, Herbst und Winter, exakt drei Monate.

Der phänologische Kalender

Das Frühjahr hat seinen eigenen Rhythmus, richtet sich nach der Temperatur, der Natur und den Blüten. Wer die Augen offen hält, kann seine ersten zarten Zeichen erkennen und ihn viel früher entdecken. Scheint nämlich die Sonne Anfang März etwas wärmer, entfalten Haselnuss und Krokus ihre Blüten, auch das Schneeglöckchen streckt sich der Sonne entgegen. Sie alle sind erste Frühlingsboten. Für die Phänologie jedenfalls, die sich mit Naturerscheinungen im Lauf der Jahreszeiten beschäftigt, signalisieren sie den Beginn des großen Aufblühens.

Schon immer haben Bauern, Gärtner und auch Wissenschaftler die Natur beobachtet: den Anfang der Blüte, die Blattentfaltung oder -verfärbung. Aus ihren Erfahrungen entstand im 18. Jahrhundert der Phänologische Kalender mit Vorfrühling, Erstfrühling und Vollfrühling. Viele Bauernregeln gehen ebenfalls auf solche Erfahrungen zurück, etwa "Wenn die Esche Knospen trägt, gibt es keinen Frost mehr" oder "Von wilden Blümlein die roten und Spechte sind Frühlingsboten".

Ehrenamtliche Beobachter beobachten Zeigerplanzen

Heute gibt es rund 1300 ehrenamtliche Beobachter, die im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes im ganzen Land unterwegs sind. Sie behalten 46 ausgewählte regionale Pflanzenarten, sogenannte Zeigerpflanzen, im Auge – vom Aufknospen bis zum Blätterfall. Für Landwirte ist der Phänologische Kalender nach wie vor wichtig. Sie wissen, dass mit Haselnuss- und Schneeglöckchenblüte die Feuchtigkeit des Winters abgetrocknet ist. Dann wird es Zeit, die Arbeit auf dem Feld aufzunehmen. Selbst wenn der Frost noch zuschlagen sollte – die Macht des Winters ist nun gebrochen.

Unsere Ahnen feierten das Ende der Dunkelheit und Kälte mit Bräuchen, die noch heute vielerorts lebendig sind. So finden etwa in Rheinhessen und der Pfalz traditionelle Umzüge statt. Im Schutz der Wartburg, beim alljährlichen "Sommergewinn" in Eisenach, feiern Zehntausende drei Wochen vor Ostern den Sieg von "Frau Sunna" über "Herrn Winter" – eines der schönsten deutschen Frühlingsfeste (www.sommergewinn.com).

Im noch lichten Wald gleicht der Boden auf einmal einem Meer aus Blüten. Auch die Tiere spüren die Veränderungen. Die Wärme wirkt wie ein Wecker auf ihr vegetatives Nervensystem. Die Muskeln fangen an zu zittern und regen die Durchblutung des Körpers an. So kommt selbst der letzte Schläfer wieder in Wallung. Der Maulwurf ist schon unterwegs und hat mächtig Kohldampf. Rund 100 Gramm Käfer, Raupen und Würmer verdrückt er pro Tag – so viel, wie er selbst auf die Waage bringt. Rehe stärken sich mit vitaminreicher Kost, naschen junge Knospen von Bäumen und Sträuchern.

Auf den gelben Blütenblättern des Huflattichs sitzt mit steifen Beinchen ein Tagpfauenauge. Die angelegten Flügel lassen es unauffällig wie ein vertrocknetes Blatt aussehen. Der Schmetterling hat, wie der Zitronenfalter, in einem ruhigen Winkel den Winter überstanden. Jetzt braucht er ein paar warme Tage und etwas Blütennektar, um Energie zu tanken. Auch die Bienen schwärmen langsam aus. Sie wirken ein wenig behäbig, die Kälte sitzt ihnen noch in den Gliedern. Ihr Ziel sind die samtigen Kätzchen der Salweide, die ab Anfang März ein wichtiger Nektarspender für Insekten sind.

Autor: Bettina Plickert