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Kegelrobben leben heute wieder an der Küste Schleswig-Holsteins.
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Kegelrobben leben heute wieder an der Küste Schleswig-Holsteins. / Foto: © picture alliance

Ein einzigartiges Ökosystem

Wunderwelt Nordsee: Zwischen Watt und Wellen

Sie hat sich lange unbeobachtet gefühlt. Doch plötzlich entdeckt die Robbe den Kameramann, schwimmt auf ihn zu und drückt ihre Schnauze gegen die Linse. Dann inspiziert sie die eigenartigen Flossen des Tauchers. Nur als er sie am Kopf kraulen will, weicht sie zurück. Eine der schönsten Szenen aus der Doku ''Die Nordsee – Unser Meer''', die am 18. April im Kino startet. Anlass für HÖRZU, das Meer vor unserer Haustür tiefer gehend zu betrachten.

Sechs Staaten grenzen an die 575.000 Quadratkilometer große See. Ihre Artenvielfalt ist einmalig: Neben Tausenden von Fisch- und Vogelarten leben hier Haie, Korallen, Tintenfische, Wale. Ein faszinierendes Ökosystem, unfassbar reich, unendlich fragil.

Zum Beispiel: der Lummenfelsen auf Helgoland. Im Sommer ist die steile Klippe Brutstätte von über 10.000 Vogelpaaren. Dicht an dicht gedrängt stehen hier Dreizehenmöwen, Basstölpel und Trottellummen – doch beim Eierlegen lassen sie sich nicht stören. Anstatt Nester zu bauen, legen Trottellummen ihr einziges Ei auf einen Felssims. Seine Birnenform sorgt dafür, dass es nicht 40 Meter tief ins Meer hinabrollt. Ist das Küken geschlüpft, muss es den Sturzflug in die Fluten allerdings bald wagen, um sich Nahrung zu beschaffen.

Basstoelpel auf Helgoland

Auf Helgoland leben zahlreiche Basstölpel. / Foto: © picture alliance / Arco Images GmbH

Ein Sprung hinein in die artenreiche Unterwasserwelt von Deutschlands einzigem Felsenwatt. Sie beheimatet neben Fischen auch Einsiedlerkrebse, Seeanemonen, Lederkorallen, Seeigel und den Helgoländer Hummer, der als Delikatesse gilt. "Die Tierwelt Helgolands gleicht weniger der deutschen als der britischen Festlandküste", sagt Christian Buschbaum, Leiter des Nordseebüros des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung, zu HÖRZU. "Die deutsche Nordsee ist von Weichböden geprägt. Die britischen Küsten sind eher hart und felsig."

Hai-Alarm vor Dover

Was wenig bekannt ist: Vor der britischen Küste ist der zweitgrößte Hai der Welt zu Hause. Am Fuß der berühmten Kreidefelsen von Dover taucht er alljährlich auf: der Riesenhai. Er wird bis zu zehn Meter lang und kann es in puncto Gruselfaktor durchaus mit dem Weißen Hai aufnehmen. Dafür sorgt schon das weit aufgerissene Maul. Das monströse Biest verschlingt aber keineswegs Fische oder gar Menschen: Der Riesenhai ist ein Planktonfresser. Und nur einer von vielen Superlativen, die die Nordsee zu bieten hat.

Ein Riesenhai

Riesenhaie wirken furchterregend, sind aber friedlich: Sie ernähren sich von Plankton. / Foto: © picture alliance/WILDLIFE

Zudem findet man hier das größte Wattenmeer der Erde, ein Gebiet, das sich auf 450 Kilometer Länge und 40 Kilometer Breite von Dänemark über Deutschland bis zu den Niederlanden erstreckt. 2009 wurde es zum Unesco-Weltnaturerbe erklärt. Nicht ohne Grund, hat es doch eine internationale Bedeutung als Rastplatz von Millionen von Zugvögeln. Hier fressen sie sich Energiereserven an, um dann weiter in die Brutgebiete Richtung Arktis zu ziehen. Oder im Winter gen Süden. "Das Wattenmeer ist eine Drehscheibe für den globalen Vogelflug", so Christian Buschbaum.

Die Artenvielfalt in der Nordsee befindet sich in ständigem Wandel, der sogar Experten überrascht. "Große Schiffe bringen Organismen von fremden Küsten mit. Das hat revolutionäre Auswirkungen", erklärt Buschbaum. Ein Beispiel ist die Pazifische Auster, die zu Beginn der 1990er-Jahre zum ersten Mal an der deutschen Nordseeküste entdeckt wurde – und jetzt die Miesmuschel im Wattenmeer weitgehend verdrängt hat. Was die Einschleppungen langfristig bewirken werden, sei nicht abzusehen, so der Biologe.

Ein Paradies in Gefahr

Durch Menschenhand hat sich die Nordsee bereits stark verändert, erklärt auch WWF-Meeresschutzexperte Stephan Lutter. "Vor allem die Fischerei bleibt ein heißes Eisen." Nicht nur die Überfischung der Bestände, etwa des Kabeljaus, sei ein Problem. "In der südlichen Nordsee wird der Boden bis zu viermal im Jahr regelrecht von Schleppnetzen durchgepflügt, was die Lebensgemeinschaften im Meeresboden stark verändert."

Ein weiteres Drama ist der Beifang: "Für ein Kilo Seezunge werden sieben Kilo anderer Tiere mitgefischt und halb tot wieder über Bord geworfen. Oft verfangen sich auch Schweinswale in den Stellnetzen und ertrinken."

In Sachen Verschmutzung hat sich dagegen viel getan, etwa durch das Verbot giftiger Schiffsanstriche und die Reduktion von Phosphaten. "Die chronische Verschmutzung durch Öl und Schiffsmüll bleibt aber ernst", so Lutter. "Von einer Ölpest würde sich die Nordsee jahrzehntelang nicht erholen."

Umso wichtiger ist es, den einzigartigen Lebensraum zu erhalten – "unser" Meer der Superlative.


Der Leuchtturm auf Amrum

Der Leuchtturm auf Amrum / Foto: © picture alliance / Arco Images GmbH

Ausflugstipps: Die Nordseeküste neu entdecken

Perle im Meer Von Helgoland aus lohnt ein Ausflug auf die Badeinsel Düne mit ihren Kegelrobbenbänken. Fähre: halbstündlich von 8 Uhr bis 19 Uhr, danach stündlich (bis 23 Uhr im Sommer).

Zum Anfassen Das Multimar Wattforum in Tönning ist eine Erlebnisausstellung mit zahlreichen Aquarien und Informationen über das Weltnaturerbe Wattenmeer. Infos unter: www.multimar-wattforum.de.

Wattwandern Barfuß durchs Watt: Was kreucht und fleucht im Schlick? Am besten mit den Führern der Schutzstation Wattenmeer (www.schutzstation-wattenmeer.de).

Ostfriesland mit dem Rad Infos zu Tagestouren oder Themenfahrten unter: www.ostfriesland.de/mein-ostfriesland/radfahren.html.

Reif für die Hallig Die Kleinode der Nordsee sind auf jeden Fall einen Tagesausflug wert. Beispiel: Hallig Hooge. Fahrpläne unter: www.hooge.de.

Autor: Wiebke Toebelmann