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Wisent-Welt Wittgenstein Bisons

Im Naturpark Wisent-Welt Wittgenstein leben Bisons wieder in freier Wildbahn. - Foto: © picture alliance/Mary Evans Picture Library

Im Rothaargebirge

Wilde Bisons

Europaweit waren Bisons in freier Natur schon ausgestorben. Vom Rothaargebirge aus könnten die Ur-Rinder bei uns jetzt wieder heimisch werden.

Das ist nicht einfach nur ein Tier. Das ist ein Naturereignis. Mit Zottelfell. Seit der Ausrottung des Auerochsen ist der Europäische Bison, auch Wisent genannt, das größte und massigste Tier auf dem Kontinent. Fast zwei Meter hoch, bis zu drei Meter lang und so schwer wie ein Kleinwagen.

Im Galopp ist er bis zu 60 Stundenkilometer schnell – angetrieben allein von 50 Kilogramm Gras täglich, nach Rinderart in fünf Mägen verdaut. Im Vergleich zu den Bullen sind die Kühe halbe Portionen, die "nur" bis zu 500 Kologramm auf die Waage bringen. Beide Geschlechter haben bis zu 35 Zentimeter lange Hörner.

Wisent-Welt Wittgenstein

Im Morgennebel stehen einige dieser Kolosse auf einer Wiese im nordrhein-westfälischen Rothaargebirge. Der Atem dampft aus ihren Nüstern, als sei er die Quelle des Nebels. Dass sich die Tiere hier in freier Natur bewegen, grenzt an ein Wunder: Der letzte frei lebende Bison Europas wurde 1927 im Kaukasus erschossen. Alle heute lebenden Artgenossen stammen von zwölf Exemplaren aus Zoos und Tiergehegen ab.

Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg war es, der den Plan fasste, die Urviecher wieder in Deutschland heimisch zu machen. Seine Wisent-Welt Wittgenstein besteht aus zwei verschiedenen Herden. In der umzäunten "Wisent-Wildnis am Rothaarsteig" leben heute auf rund 20 Hektar fünf Tiere, die einmal auf eine zwölfköpfige Herde anwachsen sollen. Auf Wanderwegen durch das mit Zäunen gesicherte Gebiet kommen ihnen die Besucher sehr nah.

Im April 2013 wagte Sayn-Wittgenstein einen weiteren großen Schritt: Nach rund zehnjähriger Vorarbeit und drei Jahren in einem Auswilderungsgehege entließ er eine zweite Herde in die Freiheit des 4500 Hektar großen "Wisent-Waldes": einen Bullen, fünf Kühe und zwei Jungtiere.

In freier Wildbahn geborene Bisons

Die Tiere sollen sich nun vermehren – auf 20 bis 25 Exemplare. Schon Ende Mai 2013 kamen zwei Kälber zur Welt: die ersten in Deutschland in freier Wildbahn geborenen Bisons seit Jahrhunderten. Allerdings gibt es auch schon den ersten Todesfall: Jungbulle Quandor musste Anfang September 2013 eingeschläfert werden, nachdem der siebenjährige Leitbulle Egnar ihn bei einem Rangkampf schwer verletzt hatte. Immer wieder kommt es bei Brunftkämpfen unter Bisons zu schweren oder tödlichen Verletzungen, nicht anders als beim Rotwild.

Um die beiden Herden der Wisent-Welt kümmert sich "Ranger" Jochen Born. Die größte Schwierigkeit, so der 39-Jährige, sei es, zu verhindern, dass die ausgewilderten Tiere zu zutraulich werden: "Ursprünglich ließen sie Menschen bis auf 15 Meter heran. Bei der Auswilderung waren sie immerhin auf 60 Meter Distanz, doch unser Ziel ist ein Abstand von 100 Metern."

Anfangs befürchteten die Hoteliers und Gastronomen der Region, dass die frei laufenden Eintonner Touristen abschrecken würden. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Chance, die urzeitlich wirkenden Tiere in freier Wildbahn zu beobachten, lockt eher zusätzliche Besucher an. Das ist auch in Ordnung, solange diese sich aufs Beobachten beschränken.

Wilde Bisons nicht füttern

Jochen Borns Schreckensbild sind Wanderer, die die Tiere mit Futter anlocken. Verlieren die Bisons den natürlichen Respekt vor Menschen, sind Konflikte programmiert: Die Tiere könnten dann im Winter auf Nahrungssuche in die Dörfer kommen und Vorgärten niederwalzen.

Jochen Born glaubt daran, dass Mensch und Bison gut miteinander auskommen werden und die Tiere in 40 bis 100 Jahren zum normalen Landschaftsbild in Deutschland gehören. Seine Vision ist, "dass Kinder, wenn sie in der Schule Wildtiere aufzählen sollen, nicht nur Hirsch und Hase nennen, sondern ganz selbstverständlich auch den Bison".

TV-Tipp

"Litauen - Grünes Land am Ostseestrand"
Reportage über die einzigartige Natur, u. a. Wisente
Dienstag, 12.11., NDR 11.30 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts)

Autor: T. Röbke / D. Weychardt