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Kaiserpinguine: Die Alttiere wechseln sich beim Füttern ständig ab.

Kaiserpinguine: Die Alttiere wechseln sich beim Füttern ständig ab. Die Nahrung holen sie aus dem offenen Meer, kilometerweit von der Brutkolonie entfernt. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

TV-Tipp: Terra X - Supertiere

Wie Tiere ihre Kinder aufziehen

Wenn Biologen die Kinderstube der Tiere beschreiben, klingt das oft sehr sachlich: Da ist von "Brutpflege-Instinkt" die Rede, von "Strategien", mit denen jede Art ihr Überleben sichert. Mutterliebe? Echte Gefühle? Geht es um Familie Erdmännchen oder Pinguin, winken viele Forscher da ab. Die Tricks, mit denen Tiere ihren Jungen den bestmöglichen Start ins Leben verschaffen, sind trotzdem genial. In einer neuen ZDF-TV-Dokumentation gibt Moderator Dirk Steffens jetzt tiefe Einblicke in den "wilden Kindergarten" (siehe TV-Tipp rechts). Erstaunlich: Nicht immer ist es die Mutter, die sich aufopferungsvoll um die Sprösslinge kümmert.

Kaiserpinguine - das Männchen brütet den Nachwuchs in einer speziellen Bauchfalte aus

Mehr Hingabe geht kaum: Bei den Kaiserpinguinen der Antarktis setzen die Eltern dabei sogar ihr Leben aufs Spiel. Das Weibchen legt zwar das Ei, schiebt es dann aber dem Partner zu. "Bei klirrender Kälte muss diese Übergabe schnell erfolgen, sonst gefriert das Ei", erklärt Dirk Steffens. Zwei Monate lang verharrt das Männchen danach hungernd an Ort und Stelle und brütet den Nachwuchs in einer speziellen Bauchfalte aus. Immer wieder rücken die Väter der Kolonie dicht zusammen, um dem eisigen Wind möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Das Weibchen verschwindet indes Richtung Meer, um Fische zu fangen und Kraft zu tanken. Kehrt es zurück, ist der Nachwuchs geschlüpft und Papa auf die Hälfte des Gewichts abgemagert. Die Fische darf er dennoch nicht kosten. Die sind für die Küken. Dafür kann er endlich den Marsch zum Meer antreten und sich satt fressen. So wechseln sich die beiden auf dem ewigen Eis immer wieder ab. Dirk Steffens: "Eine ideale Arbeitsteilung der Eltern."

Nicht minder harmonisch geht es bei unseren heimischen Schwänen zu. Gemeinsam baut das Paar, das meist lebenslang zusammenbleibt, sein Nest. Er reicht ihr das Nistmaterial, sie werkelt an der neuen Heimat und polstert sie mit Daunen aus. Beim Trauerschwan beteiligt sich das Männchen sogar am Brüten. Sind die Küken geschlüpft, schwimmen sie noch bis zu fünf Monate lang wohlbehütet zwischen den Eltern und lernen etwa, wie man Wasserpflanzen zupft.

Die Erdmännchen-Großfamilie

Gemeinsam sind wir stark! Auch bei den Erdmännchen im südlichen Afrika herrscht Arbeitsteilung: Kinder hüten, Wache schieben, Futter suchen – das ist nicht allein Aufgabe der Eltern. Alle Tiere der Kolonie sind mal dran, der Dienst wird zwischendurch getauscht. Mit dieser Hilfe bringen Erdmänncheneltern mehrmals pro Jahr Nachwuchs auf die Welt. "Babysitterinnen" können die Jungtiere sogar säugen, obwohl sie selbst keine Kinder haben. Wie Teamgeist funktioniert, zeigt sich beim Unterricht: Tollpatschig wühlt der Nachwuchs im Sand. Wie kommt man bloß an die leckeren Ameisen ran? Geduldig zeigen Onkel und Tanten ihre bewährte Technik. Erste Lektion: Ausgraben von Insektenlarven. Zum Üben legen die Lehrmeister sogar Skorpione vor, denen sie zuvor den Stachel entfernt haben. Es dauert Wochen, bis die Kleinen lernen, selbst Beute zu machen.

Ein ähnliches Erfolgsmodell hat sich beim Riesenotter im südamerikanischen Regenwald bewährt. Weil die Mutter während der Stillzeit einen enormen Futterbedarf hat, passen die älteren Geschwister auf die jüngeren auf. So kann das Weibchen mit dem Rest der Gruppe auf die Jagd gehen. So liebevoll, so zärtlich: "Die Mutter-Kind-Bindung von Orang-Utans ist abgesehen von den Menschen die stärkste im Tierreich", sagt Dirk Steffens. Sechs bis acht Jahre übt die Mutter allein mit ihrem Nachwuchs, wie man in Baumkronen hangelt, die Früchte von 200 verschiedenen Baumarten unterscheidet oder mit abgebrochenen Ästen gräbt.

Schimpansenbabys werden über drei Jahre lang gestillt

Steffens: "Die Aufgabe ist so zeitintensiv, dass fünf bis acht Jahre vergehen, bevor das Weibchen erneut schwangerwird." Papa, mit über 90 Kilogramm fast doppelt so schwer, hat sich schon nach ein paar Wochen aus dem Staub gemacht. Schimpansenbabys hängen ebenfalls wie Kletten an der Mama. Bei der Geburt wiegen sie höchstens 2000 Gramm, müssen mehr als drei Jahre lang gestillt werden. Sogar danach suchen die Kleinen immer wieder engen Körperkontakt. Wie stark die Beziehung ist, zeigt ein Erlebnis aus dem Gombe-Nationalpark in Tansania: Dem achtjährigen Schimpansen Flint ging der Tod der Mutter so nahe, dass er seine Gruppe verließ und sich zu Tode trauerte.

Gestorben an gebrochenem Herzen? Manchmal fällt es Forschern schwer, extreme Formen der Mutterliebe zu erklären. Australische Seelöwenweibchen etwa widmen sich ein Jahr intensiv der Aufzucht, ernähren und beschützen die Jungen – länger als jede andere Robbenart. Ein Grund dafür könnte sein, dass der Nachwuchs so selten und so spät zur Welt kommt. 570 Tage vergehen von der Zeugung bis zur Geburt. Kinder? Reine Männersache! Zumindest bei den Seepferdchen. "Sie sind im Tierreich die einzige Spezies, bei der die Väter schwanger werden", erklärt Steffens. Die Weibchen produzieren Eier, die sie den Männchen nach der Balz in die Bauchtasche pumpen. Dort werden die Eier befruchtet und etwa 40 Tage lang ausgebrütet – die Dauer variiert je nach Art. Dann setzen die Presswehen ein. So spart das Weibchen Kraft und kann schneller neue Eier bilden.

Mit der Aufzucht hat das Seepferdchen zum Glück wenig Arbeit: Die 200 bis 300 Minifische machen sich gleich selbstständig auf die Suche nach Futter. Da hat das australische Emu-Männchen mehr zu tun. Der flugunfähige Vogel muss die Eier von gleich mehreren Hennen ganz allein ausbrüten – ein Gemeinschaftsnest! Er weiß nie, ob er wirklich der Vater ist. Trotzdem brütet er voller Hingabe, verzichtet solange auf Essen und Trinken. Auch nach dem Schlüpfen kümmert er sich Tag und Nacht um den Nachwuchs, während die Weibchen bereits einem anderen Hahn Eier ins Nest legen. Die Vater-Kind-Bindung ist so eng, dass der Emu hochaggressiv wird und sogar verbliebene Weibchen angreift. Beim Emu ist Papa einfach der Beste.


Sind Raben wirklich Rabeneltern?

Das Vorurteil hält sich hartnäckig. Wahr ist aber: Rabenpaare bleiben ein Leben lang treu und kümmern sich vorbildlich um den Nachwuchs. Ohne Brutpflege wären sie längst ausgestorben, denn die Jungen schlüpfen nackt und hilflos aus dem Ei. Sogar wenn sie flügge sind, bleiben sie lange bei den Eltern, um zu lernen. Woher kommt dann der schlechte Ruf? Vielleicht weil es schon in der Bibel heißt: "Wer bereitet dem Raben die Speise, wenn seine Jungen zu Gott rufen und irre fliegen, weil sie nichts zu essen haben?" (Hiob, 38,41). Grund könnte die Beobachtung sein, dass Raben oft früh das Nest fliehen und hilflos umherflattern.

Autor: Kai Riedemann