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Fangschreckenkrebs
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Der Fangschreckenkrebs ist nicht nur stark, er hat auch den besten Farbsinn im gesamten Tierreich. / Foto: © Reinhard Dirscherl/OKAPIA / Foto Startseite: © Geoff du Feu/Helga Lade

Vom Fangschreckenkrebs bis zum Gepard

Weltmeister des Tierreichs

Vitali Klitschko muss jetzt ganz tapfer sein: Es gibt einen, dessen Boxhiebe hundertmal schneller treffen als die des mehrmaligen Weltmeisters im Schwergewicht. Der Konkurrent hätte im Kampf allerdings einen Nachteil: Er ist nur zehn Zentimeter groß. Trotzdem bricht der Fangschreckenkrebs alle Boxrekorde. Tier degradiert Topsportler? Das ist kein Einzelfall. Es gibt sogar Wesen, neben denen Sprintweltmeister Usain Bolt (9,58 Sekunden über 100 Meter!) wie eine lahme Ente wirkt. Die spektakuläre neue ZDF-Dokumentation "Terra X - Supertiere" (31. Oktober und 7. November, 19.30 Uhr, ZDF) ist nun den Geheimnissen der Superwesen auf der Spur.

Was macht sie so einzigartig? Wie konnten sie ihre Fähigkeiten derart vervollkommnen? Der Mensch giert nach Goldmedaillen und Rekorden, den Tieren geht es schlichtweg ums Überleben. "Jäger oder Gejagter – der Wettstreit zwischen diesen beiden Typen hat die Evolution immer weiter vorangetrieben und neue Supertiere hervorgebracht", erklärt Dirk Steffens, Naturfilmer und Moderator der zweiteiligen Doku. "Geschwindigkeit, Kraft oder Trickreichtum sichern oft den entscheidenden Vorteil.“

Der Fangschreckenkrebs hat sich auf Beute spezialisiert, an die sonst keiner herankommt. Deshalb hat sich sein zweites Beinpaar im Lauf der Evolution zu mächtigen Keulen verdickt. Wie eine Feder lassen sie sich spannen und am Krebspanzer verhaken. Nur so ist eine Beschleunigung von rekordverdächtigen 70 km/h möglich. Explosionsartig schnellen die Keulen vor – und zertrümmern die Schalen oder Krusten anderer Meerestiere. Der Mensch nutzt den Federtrick etwa in Armbrust oder Kugelschreiber.

Jäger schärfen die Waffen

Rekordhalter in Sachen Zielsicherheit ist der tropische Schützenfisch: Um seinen Speiseplan zu erweitern, schießt er Insekten von Blättern. Seine Waffe: eine Wasserpistole! Er bildet aus Zunge und Gaumen eine Röhre, presst mit Kiemendruck Wasser hindurch – der Strahl reicht bis zu vier Meter weit. Getroffene Insekten werden förmlich durch die Luft geschleudert. Der Trick ist angeboren, die Zielsicherheit muss jedoch trainiert werden. Wie verläuft die exakte Schussbahn? Wo landet das Opfer im Fluss? "Der Fisch bezieht sogar den Brechungswinkel des Wassers ein, um das Ziel zu treffen", sagt Naturfilmer Steffens. "Je nach Größe des anvisierten Objekts nimmt er mehr oder weniger Flüssigkeit."

Bei echten Superstars ist Geschwindigkeit keine Hexerei. Mit bis zu 110 km/h fegt der Modellathlet Gepard (150 Zentimeter lang, 65 Kilo schwer) über Afrikas Savannen. Erst in Zeitlupe erkennt man, wie sehr sich sein Körper für die Jagd optimiert hat: Das flexible Rückgrat erlaubt eine größere Schrittlänge, die Klauen wirken wie Spikes, der 70 Zentimeter lange Schwanz hilft bei der Balance. Ein Schlüssel zum Erfolg liegt im Rücken: 60 Prozent der Muskeln sind um die kräftige Wirbelsäule gruppiert. Solche Anpassung an die schnelle Jagd fordert allerdings ihren Tribut: Nur eine halbe Minute hält der Gepard das Tempo durch. Das reicht zum Erfolg.

Auch die Beute rüstet auf

Wo Räuber Rekorde brechen, muss die Beute mithalten. Die Thomsongazelle etwa sprintet fast so schnell wie der Gepard und schlägt bei ihrer Flucht raffinierte Haken. Der Gabelbock, in der nordamerikanischen Prärie zu Hause, hält mit 86,5 Stundenkilometer sogar den Geschwindigkeitsrekord auf Langstrecken. Andere mögen im Sprint schneller sein, ihnen geht aber bald die Puste aus. Die Spitzenleistung wird nur möglich durch schlanken Körperbau, kräftige Beine und die starke Vergrößerung von Lungen und Herz. Das Erfolgsmodell Gabelbock zeigt besonders klar, wie effektiv die natürliche Auslese der Natur funktioniert: Nur die Schnellsten entkamen Räubern wie Wolf und Kojote – und gaben über Jahrtausende ihre Erbanlagen weiter.

Autor: Kai Riedemann