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Kattas

Kattas besitzen feine Nasen. Ihr Revier verteidigen sie auch mit üblem Körperduft. - Foto: BAS CZERWINSKI/AFP/Getty Images

Neuer Bildband

Welt der Affen

Der Rote Vari macht es richtig: Eine Hälfte des Tages hängt er gemütlich in Bäumen ab, die andere verbringt er damit, Früchte zu naschen, den Nektar aus Blüten zu lecken – und sich zu paaren. Entspanntes Laisser-faire.

Dabei schwindet sein Lebensraum auf Madagaskar drastisch, seit der Mensch sich auf der Insel im Indischen Ozean breitmacht. Auch durch Gourmets ist der Rotschopf bedroht: Wegen seines Fleisches haben es Jäger auf ihn abgesehen. Dabei ist der Rote Vari ein Verwandter von uns. Auch wenn man das kaum glauben mag, vergleicht man den 50 Zentimeter kleinen, behaarten Faulpelz mit dem eigenen Spiegelbild. Und doch ist es wahr. Der Mensch ist ein Primat – wie jeder andere Affe auch. Lange hielten wir uns für etwas ganz Besonderes: die Krone der Schöpfung. Genetisch gesehen aber gehören wir zur selben Familie, zu jener der Menschenaffen, auch Hominidae genannt. "Der Mensch muss nun mit den Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans seine Familie teilen", sagt der Zoologe und Affenexperte Fritz Jantschke. "Die Schimpansen sind mit uns sogar viel näher verwandt als mit den Gorillas."

So fremd und doch so vertraut

Die Vielfalt in der Ordnung der Primaten ist enorm. Immerhin gibt es nach wissenschaftlichen Schätzungen rund 630 Affenarten. Und die Unterschiede zwischen ihnen sind mitunter gewaltig. Thomas Marent hat als erster Fotograf 133 verschiedene Primatenarten vor die Linse bekommen, 71 davon stehen auf der Roten Liste der bedrohten Arten. In Marents Bildband "Affen der Welt – Welt der Affen", den Jantschke betextete, lässt sich die ganze Vielfalt dieser uns so fremden und doch so vertrauten Kreaturen bewundern. Von den kolossalen Berggorillas mit ihren 200 Kilo Kampfgewicht bis zu den winzigen Zwerggalagos, die mit 60 Gramm etwa so viel wiegen wie ein Schokoriegel. Von den glatzköpfigen Roten Uakaris bis zu den Lisztäffchen mit ihrer honorig wirkenden Dirigentenfrisur: Unter den Primaten gibt es Gegensätze, wie man sie allenfalls in einer modernen Patchworkfamilie erwarten würde. Und doch gilt laut Jantschke: "Alle sind mehr oder weniger nahe verwandt."
Miteinander – und mit uns. Mögen die äußeren Unterschiede noch so groß sein, in ihrem Verhalten zeigen viele Primaten Muster, die uns durchaus vertraut sind.


Affen
Goldstumpfnasen haben schon als Babys flauschiges Pelz. - Foto © picture-alliance/ dpa

Tricks, die zum Himmel stinken

Da ist etwa der Katta. Er lebt auf Madagaskar, hat eine sehr feine Nase und einen langen, buschigen Schwanz in Ringeloptik. Um ungeliebte Artgenossen fernzuhalten, hat er eine ganz eigene Methode entwickelt: Er ekelt sie regelrecht aus seinem Revier hinaus. Dazu reibt er seinen Schwanz an Drüsenfeldern am Unterarm und hält den stinkenden Puschel dann seinen Konkurrenten vor die Nase. Damit macht er sich den – auch Menschen bestens bekannten – Umstand zunutze, dass der eigene Geruch für andere meist schwer zu ertragen ist. Ähnlich nachvollziehbar erscheint uns Menschen auch das Verhalten der Paviane, die ebenfalls zu den Primaten zählen, dort aber zur Familie der Meerkatzenähnlichen gehören. In der Serengeti liegen sie in ständigem Clinch mit den Leoparden. Einerseits machen die Raubkatzen mitunter Jagd auf die Affen, andererseits bedienen sich diese gern an einer von den geschmeidigen Jägern erlegten Gazelle.

Leoparden sind für Paviane also sowohl Futterlieferanten als auch Konkurrenten und Fressfeinde. Lässt eine Leopardenmutter ihr Junges allein, um auf die Jagd zu gehen, sind schnell Paviane zur Stelle, um sich an ihrem Nachwuchs zu rächen. Sie jagen das Jungtier von Ast zu Ast, geben ihm deftige Ohrfeigen und triezen es bis aufs Blut. Das mächtige Muttertier ist ja fern. Paviane folgen – wie wir leider auch oft – dem boshaften Muster: nach oben kuschen, nach unten treten.Ganz offensichtlich wird unsere Zugehörigkeit zu den Primaten, wenn wir unsere allernächsten Verwandten anschauen, die Menschenaffen. Etwa Orang-Utan-Mütter, die sich rund fünf Jahre lang nur um ihre Babys kümmern. Oder Gorillamännchen, die sich machomäßig auf die Brust trommeln. Und natürlich Schimpansen, die für die Termitenjagd raffinierte Werkzeuge basteln. Da drängt sich die Erkenntnis auf, dass in Affen sehr viel Menschliches steckt. Im Gegenzug gilt natürlich: Im Menschen steckt mitunter viel Affiges. Auch wenn wir das nicht gern zugeben.

Autor: Susanne Schumann