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Auf Nahrungssuche stecken Waschbären ihre Nase überall rein.

Neugierig Auf Nahrungssuche stecken Waschbären ihre Nase überall rein. Passen Sie also gut auf Ihre Halloween-Deko auf. - Foto © picture alliance / empics

Im TV: Expeditionen ins Tierreich

Waschbären

Sie leben erst seit 90 Jahren bei uns – und fühlen sich hier überaus wohl: Die Waschbären sind los!


TV-Tipp

"Expeditionen ins Tierreich"
Waschbären – Einwanderer aus Wild West
Mittwoch, 30.10.2013, NDR, 20:15 Uhr


Plitsch, platsch. Mit seinen Vorderpfoten greift der Waschbär tapsig ins Wasser. Immer wieder angelt er durchs kühle Nass, reibt anschließend eifrig die Pfoten aneinander. Putzige Bärenwäsche? Eher nicht. Der kleine Kerl mit der Banditenmaske sucht nach Fressbarem.

Der Name Waschbär – nur ein Missverständnis. Und nicht das einzige. Der kleine Bär hat einen ziemlich schlechten Ruf. Ihm wird nachgesagt, fast alles zu fressen, was ihm vor die Schnauze kommt – und so heimische Tierarten zu bedrohen. Mittlerweile hat er sich fast überall in Deutschland breitgemacht, dabei gibt es ihn hierzulande erst seit rund 90 Jahren.

500.000 Waschbären leben bei uns

Der Waschbär ist ein Einwanderer aus dem Wilden Westen. Als Mäntel und Mützen aus ihrem Fell noch groß in Mode waren, züchteten Händler die Tiere auch bei uns. Doch die Felle der Waschbären aus Gefangenschaft hatten einen gravierenden Nachteil: Sie waren qualitativ weniger hochwertig als die Felle von frei lebenden Tieren. Deshalb wurden 1934 zwei Waschbärenpärchen in Hessen ausgesetzt – mit Erfolg. Elf Jahre später kamen auch in Brandenburg ein paar Artgenossen frei: Sowjetische Bomber trafen ein Waschbärgehege, über zwanzig Tiere flüchteten in die Wälder. Und fühlten sich dort schnell zu Hause.

Waschbär Deutschland

Waschbären sind sehr geschickt: Ein gezielter Griff – und weg ist das Hühnerei. - Foto © picture alliance / Arco Images

Zehn Jahre nach dem Krieg schätzten Biologen die Anzahl der Waschbären in ganz Deutschland auf 300, 1970 schon auf 20.000 – und heute sollen es rund eine halbe Million Kleinbären sein. Das hat Auswirkungen. Waschbären sind geschickte Allesfresser und sehr anpassungsfähig. Ihr Tag beginnt, wenn es Nacht wird. Dann stromern sie durch Wälder und Flachwasser. Nahrung finden sie fast überall, dabei helfen ihnen ihre Nase – und ihre flinken Pfoten, mit denen sie alles durchwühlen.

Im Herbst schlagen sich Waschbären ihren Wanst besonders voll: Denn vor der Winterruhe müssen sie ihr Gewicht fast verdoppeln. Einige Tierschützer und Förster befürchten, dass die pelzigen Einwanderer für die Vogelbrut gefährlich werden könnten, etwa für Kraniche und Reiher. Der Wildbiologe Frank-Uwe Fritz Michler untersucht mit einem Team von 20 Biologen, Tierärzten und Forstwissenschaftlern die Waschbärenpopulation im Müritz-Nationalpark. Bisher haben die Forscher 1500 Kotproben gesammelt. Erste Ergebnisse zeigen: "Was der Waschbär frisst, hängt vom Angebot ab", sagt Michler.

Für den Nationalpark heißt das: je nach Jahreszeit wirbellose Tiere wie Regenwürmer, Insektenlarven, Krebstiere und Wasserschnecken, Früchte wie Bucheckern, Eicheln und Steinobst, aber auch kleine Fische. Michler: "Der Waschbär ist grundsätzlich faul und frisst das, was er am leichtesten erbeuten kann." Brutplätze von Vögeln gehören nicht dazu – zumindest im Müritz-Nationalpark.

Waschbär Deutschland

In Städten und Dörfern können Waschbären ein totales Chaos anrichten. - Foto © picture alliance / Arco Images GmbH

Die Kotproben zeigen, dass Eier und Vögel weit unten auf dem Speiseplan stehen. Was darauf hindeutet, dass der Waschbär als Fressfeind für Vögel überschätzt wird. Und wenn er in einzelnen Regionen doch mal Probleme macht, gibt es einfache Mittel: durchsichtige Manschetten an den Bäumen. Sie verhindern, dass der Waschbär an ihnen hochklettern kann, um sich am Vogelnachwuchs zu vergreifen.

Städte sind das Schlaraffenland

Viel mehr Probleme verursachen Waschbären ohnehin ganz woanders: in Städten und Dörfern. Dort finden sie Nahrung im Überfluss, ein Paradies für die Räuber. Die Waschbärenhauptstadt ist Kassel. Auf einem Quadratkilometer leben hier bis zu 50 Tiere. Für die Menschen sind diese Mitbewohner aber kaum ein Grund zur Freude: Denn Waschbären sehen zwar süß aus, sorgen aber für mächtig Unordnung. Sie räumen Mülltonnen aus, fallen über Gemüsegärten her und machen sich auf Dachböden breit.

Einmal eingedrungen, leben sie dort ihren Entdeckergeist aus – und hinterlassen oftmals tierisches Chaos. Besonders schlimm wird es, wenn die Kleinbären werfen. "Waschbären können massive Schäden in der Dachisolierung verursachen", warnt Michler. Deshalb machen viele Hausbesitzer ihr Eigentum waschbärensicher. "Die Fallrohre, an denen die Tiere in der Regel auf die Dächer klettern, können mit speziellen Manschetten gesichert werden", erklärt der Wildbiologe.

Die Jagd ist keine Lösung

Auch wenn uns die Tiere manchmal zu dicht auf den Pelz rücken, der Waschbär ist ein Einwanderer, der bleibt. Ihn zurückzudrängen ist kaum möglich. Dafür gibt es inzwischen zu viele von ihnen in Deutschland. Außerdem haben die Kleinbären eine besondere Überlebensstrategie entwickelt. In der Regel paaren sich nur ausgewachsene Tiere.

Fallen sie aber aus, weil sie beispielsweise bejagt werden, pflanzen sich auch die Jungbären fort. So wird der Verlust ausgeglichen – und die Population explodiert kurzfristig. Deshalb sagt Michler: "Wir müssen uns in Zukunft mit dem kleinen Störenfried arrangieren, ob uns das gefällt oder nicht."

Autor: Manuel Opitz