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Giganten des Glücks

Seit jeher behandeln die Fischer von Oslob auf den Philippinen Walhaie mit Respekt.
Dafür belohnen die sanften Riesen sie reich.- Foto © ZDF / Marquardt Medienproduktion

Arte-Doku "Giganten des Glücks"

Walhaie

Zuerst ist da nur ein riesiger Schatten, der sich auf das winzige Holzboot zu bewegt. Dann erkennt man: Es ist ein Fisch, sehr lang, mit plattem Maul und hellen Sprenkeln auf dem Rücken. Ein Walhai!

Mit bis zu 18 Metern ist er der größte Fisch der Erde und kann bis zu100 Jahre alt werden. Das Exemplar vor der Küste der philippinischen Insel Cebu scheint mit etwa sechs Metern noch ein Jugendlicher zu sein, ein Schlag seiner Schwanzflosse aber würde aus dem Boot von Sosimo Soriano Kleinholz machen. Dennoch bleibt der Fischer ruhig, wirft weiter kleine Garnelen ins Wasser. Der Walhai dreht sich senkrecht ins Meer, öffnet sein riesiges Maul und saugt mit dem Wasser die Garnelen an. Eine schwammartige Membran vor seinen Kiemen filtert das Futter heraus.

Schwimmen mit Haien

Ein ähnliches Schauspiel läuft vor den Booten von Sosimos Kollegen ab. Sie füttern ein halbes Dutzend Walhaie, die ruhig neben ihren Booten "stehen“ – wie Hunde an der Leine. Von Land aus nähert sich eine zweite Kolonne Paddelboote mit dem eigentlichen Fang der Fischer: Touristen. Sie beobachten die Planktonfresser und dürfen in dem 30 Grad warmen Tropenwasser mit ihnen schwimmen. "Das ist einmalig auf der Welt. Vor der Stadt Oslob halten sich das ganze Jahr über Walhaie nahe der Küste auf“, erklärt Filmemacher Ulf Marquardt, der die beeindruckenden Fische für seine spannende Dokumentation "Giganten des Glücks“ gefilmt hat (Mi., 24.9., 16.25 Uhr, ARTE, s. auch TV-Tipps rechts).

Walhaie: Nomaden der Meere

"Eigentlich sind Walhaie Nomaden, legen Tausende Kilometer zurück“, so Marquardt. "Taucher sehen sie meist nur kurz vorbei schwimmen. “Deshalb weiß selbst die Wissenschaft so wenig über diese Bewohner warmer Gewässer, die rund um den Globus vorkommen und auch kleine Fische fressen. Die Küste vor Oslob, der Stadt im Süden der Insel Cebu, zieht stets einige Walhaie an. Forscher vermuten, dass der strömungsreiche philippinische Archipel auf der Wanderroute von Jungtieren liegt. 140 verschiedene Individuen wurden hier gezählt. Für die Fischer waren die sanften Giganten früher eine Plage, denn sie beschädigten die Boote, einfache Kanus mit Auslegern, Bancas genannt. Damit bedrohten die Tiere die ohnehin karge Existenz der Menschen: "Nur vom Fischen können wir hier nicht mehr leben, weil Taifune die Korallen zerstören und damit die Fische verschwinden“, so Sosimo.

Durch den Klimawandel verwüsten mehr Wirbelstürme die Region. Sosimos größter Wunsch, eine gute Schulbildung für seine sieben Kinder, schien in weite Ferne gerückt. Manchmal hatte die Familie nicht einmal genug zu essen. Dann kam jener denkwürdige Tag vor ein paar Jahren: Ein Tourist schwamm mit den Walhaien und sah, wie respektvoll die Fischer mit ihnen umgehen. Anderswo werfen Bootsleute Steine, um sie zu vertreiben. Die Männer von Oslob lenken Walhaie mit Futter von ihren Booten ab. All das drehte der Tourist in einem kurzen Film, stellte ihn ins Netz und löste einen regelrechten Boom aus.

Kritik am Touristenspektakel

Tausende Besucher wollten plötzlich mit den Walhaien von Oslob schwimmen. Doch die Sache lief aus dem Ruder: "An einem chinesischen Feiertag kamen 3000 Menschen“, so Marquardt. "Es herrschte Chaos.“ Dann wurde ein Walhai durch eine Schiffsschraube verletzt, wahrscheinlich vom Motorboot einer Nachbarinsel. Die Fischer holten sich Hilfe bei Tierschützern und Forschern, die die Touristenattraktion kritisch sehen. Kompromiss: Begrenzung der Zeit und Teilnehmerzahl, Einweisung, Preiserhöhung, Mindestabstand vier Meter. "Es geht nun gesittet zu“, so Marquardt. "Zudem läuft die Fütterung nur von 6 bis12 Uhr. Den größten Teil des Tages suchen die Walhaie selbst Nahrung.“ Ob sich das Spektakel auf das Verhalten der langlebigen Tiere auswirkt, bleibt ein kritischer Punkt. Für Sosimo ist es ein Segen: Alle Kinder können zur Schule gehen. Zwei haben bereits ihren Abschluss geschafft.

Autor: Dagmar Weychardt