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Gorillamutter mit ihrem Jungen

Eine Gorillamutter mit ihrem Jungen. Foto: Uriel Sinai/Getty Images

Tierische Kinderstube

VOX-Doku "Tierbabys - süß und wild"

Säugetiere und Vögel ziehen ihren Nachwuchs voller Hingabe auf. Nur ein Überlebenstrieb – oder gibt es in der Wildnis echte Mutterliebe?

Zärtlich wiegt die Pandamama ihr Junges in den Pranken, stupst es behutsam mit der Nase an. Fürsorglich wacht sie Tag und Nacht über den Kleinen, wärmt und säugt ihn. Wenn Tiereltern ihre Kinder aufziehen, sieht das mitunter hingebungsvoll aus. Aber gibt es wirklich wahre Mutterliebe in der Wildnis? Und welche Strategien wenden Tiereltern bei der Aufzucht ihrer Jungen an?


TV-Tipp

Sa, 9.8.: "Tierbabys- süß und wild", Doku über die ganz Kleinen in der Tierwelt, VOX, 19.10 UHR (s. auch TV-Tipps rechts)


Brutpflege

Den eigenen Nachwuchs großziehen – für uns ganz selbstverständlich. Aber Prof. Fritz Trillmich, Verhaltensbiologe an der Universität Bielefeld, stellt klar: "Im Tierreich ist Brutpflege die Ausnahme." Die meisten Lebewesen legen lediglich ihre Eier ab. "Die geschlüpften Jungtiere müssen dann selber sehen, wie sie klarkommen", so Trillmich. Nur bei zwei Tierklassen kümmern sich die Eltern fast immer um ihre Jungen: bei Vögeln und Säugetieren. Ob Tierarten ihre Nachkommen aufziehen oder nicht, hängt davon ab, wie lange sie leben – und wie viele Jungen sie auf die Welt bringen. "Je weniger Nachkommen ein Tier zeugt, desto wertvoller ist jedes einzelne Junge", sagt der Biologe.

Dabei gibt es ganz unterschiedliche Brutpflegeformen: Bei Menschenaffen wie Orang-Utans ist die Aufzucht reine Muttersache, bei Schwänen kümmern sich beide Elternteile um den Nachwuchs, und die geselligen Erdmännchen bilden gleich eine ganze Großfamilie, in der sich alle gegenseitig kräftig unterstützen.

Es geht ums Überleben

Das klingt menschlich – ist es aber nicht. Trillmich: "Eine richtige Erziehung wie bei uns gibt es in der Wildnis nicht." Denn Tierkinder machen aus ihrer Neugierde heraus zwar das nach, was Eltern vormachen. "Es ist aber nicht so, dass Mutter und Vater ihrem Nachwuchs etwas aktiv beibringen", stellt der Biologe klar. Beispiel: Schimpansen benutzen Steine als Hilfsmittel, um Nüsse zu knacken. Jungtiere beobachten die Eltern dabei, müssen sich die Technik aber schließlich selbst aneignen.

Und noch etwas unterscheidet Erziehung von Aufzucht: "Wir haben ganz genaue Vorstellungen, was aus unseren Kindern werden soll", sagt Trillmich. Tiereltern dagegen geht es allein ums eins: Überleben. "Sie bereiten ihre Jungen darauf vor, sich selber fortpflanzen zu können." Die Mittel dafür reichen von fürsorglicher Hingabe bis hin zur absoluten Opferbereitschaft. Eine bestimmte Art der Röhrenspinnen lässt sich sogar von ihrem Nachwuchs auffressen – um dessen Überleben zu sichern.

Mutterliebe im Tierreich?

Ob es Mutterliebe auch in der Tierwelt gibt, ist in der Verhaltensbiologie noch umstritten. "Wir wissen zu wenig darüber, was Tiere fühlen", sagt Trillmich. Fest steht: Bei Säugetieren ist die Bindung zwischen Mutter und Kind extrem stark. So stark, dass Mütter um gestorbene Nachkommen trauern. Biologen haben Seebären beobachtet, die tote Jungtiere noch tagelang trugen und sich nicht von ihnen trennen konnten. "Beim Säugen wird das Vertrauenshormon Oxytocin ausgeschüttet, und das setzt die Brutpflegemechanismen in Gang", erklärt Trillmich die enge Beziehung.

Wann Schluss ist mit der familiären Fürsorge, hängt von der Tierart ab. Viele Vögel füttern ihre Nachkommen nach einer gewissen Zeit einfach nicht mehr oder scheuchen sie aus dem Revier. Tiger dagegen verlassen ihre Mutter, wenn sie selbstständig jagen können oder eine eigene Familie gründen. Bei einigen Tieren setzt sich die Mutter-Kind-Beziehung auch lange nach der Aufzucht fort. Seelöwen besuchen ihre Mütter noch viele Jahre, nachdem sie die Kolonie verlassen haben. Trillmich: "Wir gehen davon aus, dass es Netzwerke von Verwandten gibt, die sich untereinander erkennen und in Kontakt stehen." In Elefantenherden sind auch die Großmütter fest in das Sozialleben eingebunden. "Sie sind ein wandelndes Gedächtnis und können dank ihrer Erfahrung die Herde zu Wasserstellen und Nahrungsquellen führen", sagt Trillmich. Starke Familienbande.

Autor: Manuel Opitz