HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Schwanenküken wirken besonders flauschig.
Zur Bilderstrecke

Bei Mama Schwan ist es einfach gemütlich. Schwanenküken wirken besonders flauschig. - Foto © picture alliance / Zoonar

Tolle Fotos

Unwiderstehlich: Süße Tierbabys

Diese Kulleraugen, die so erstaunt in die Welt blicken! Das kugelrunde Köpfchen! Und dann noch dieser puschelige Haarflaum! Der Anblick von Tierbabys versetzt uns immer wieder in Verzückung. Ob Hundewelpe, Schwanenküken oder Minitiger – wir schmelzen dahin, möchten die knuffigen Kleinen am liebsten knuddeln, streicheln und aufpäppeln.

Die niedlichen Fellbündel mobilisieren mitunter Massen: Eisbär Knut lockte als tapsiger Teddy stolze 15.000 Besucher pro Tag in den Berliner Zoo. Auch in anderen Tiergärten erweist sich der Nachwuchs als Publikumsmagnet. Doch was macht die Faszination von Tierbabys aus, warum können wir ihrem Charme einfach nicht widerstehen?

Schlüsselreiz mit Folgen: das Kindchenschema

"Es ist vor allem die Kombination von großen Augen, einem runden Gesicht und Pausbäckchen, die wir als niedlich empfinden und die unwillkürlich einen Fürsorgeimpuls in uns weckt", erklärt Verhaltensbiologe Prof. Norbert Sachser von der Universität Münster. Ein Schlüsselreiz, für den der Verhaltensforscher Konrad Lorenz 1943 den Begriff Kindchenschema prägte. Denn es sind die typisch kindlichen Proportionen, auf die wir bei Mensch und Tier gleichermaßen positiv reagieren.

Ob Mensch, Säugetier oder Vogel: Alle Jungen haben einen rundlichen Kopf, eine hohe Stirn und große Augen. Nase und Kinn sind wenig ausgeprägt. All diese Merkmale wecken im Menschen automatisch große Hilfsbereitschaft. Ein biologisch sinnvoller Reflex, der dem hilfsbedürftigen Nachwuchs bessere Lebenschancen verschafft und indirekt der Arterhaltung dient. "Schließlich löst das Kindchenschema nicht nur bei den Eltern, sondern auch bei Nichtverwandten ein "Schutz- und Pflegeverhalten aus", erläutert Sachser, an dessen Institut die Wirkung des Schlüsselreizes mit modernen Methoden bestätigt wurde.

Anhand einer Reihe per Bildbearbeitung manipulierter Babyfotos konnte Melanie Glocker nachweisen, dass sowohl Männer als auch Frauen die Gesichter mit dem ausgeprägtesten Kindchenschema am allerniedlichsten fanden. Ein Geschlechterunterschied fand sich laut Sachser dennoch: "Frauen reagieren auf das stärkere Kindchenschema auch mit einem stärkeren Fürsorgeimpuls. Bei Männern bleibt er unverändert."

In einer weiteren Testreihe untersuchten die Wissenschaftler die Hirnfunktionen von Frauen beim Betrachten der Babyfotos. Dabei zeigte sich eine gesteigerte Aktivität im Belohnungszentrum – jenem Hirnareal, das auch auf Drogen reagiert, Glücksgefühle auslöst und zum Handeln motiviert. "Das erklärt, warum das Kindchenschema so erfolgreich ist", sagt Experte Sachser. "Vermutlich ist uns dieser Mechanismus angeboren."

Ursprung im Tierreich

Wann sich der Schlüsselreiz ausbildete und ob er auch innerhalb des Tierreichs wirkt, ist aber unklar. Zwar weisen bereits Dinosaurierembryos typisch kindliche Merkmale auf, doch dass ihre Eltern darauf reagierten, hält Sachser für eine gewagte Folgerung. "Tiere haben eine andere Wahrnehmung als wir", sagt der Verhaltensbiologe. "Vogeleltern etwa reagieren auf die aufgesperrten Schnäbel mit der bunten Rachenzeichnung der Nestlinge und füttern auch in entsprechende Attrappen."

Obwohl man das Kindchenschema also nicht aufs Tierreich übertragen kann, existiert auch hier ein biologischer Schutz für den Nachwuchs. Ob Hundewelpen, kleine Löwen oder Zebrafohlen – normalerweise erleben Jungtiere innerhalb ihrer Gemeinschaft weniger Aggression als erwachsene Artgenossen. Das schützt sie indes nicht vor Fressfeinden und auch nicht vor Artgenossen, die – wie es bei Löwen geschieht – zwecks eigener Genstreuung den Nachwuchs des Rivalen töten. Und während wir Menschen angesichts eines hilflosen Babys sofort einen Fürsorgeimpuls verspüren, ist eine solche Reaktion bei Tieren keineswegs zwingend – nicht bei der eigenen und erst recht nicht bei einer fremden Art. "Dennoch liegen die Wurzeln des Kindchenschemas vermutlich im Tierreich", sagt Norbert Sachser.

Dafür spricht auch eine aktuelle Studie mit zwei verschiedenen Primatenarten. In mehreren Untersuchungsreihen wiesen die Forscher nach, dass beide Affenarten lieber junge als erwachsene Tiere betrachten. Diese Vorliebe betraf nicht nur Bilder ihrer Artgenossen, sondern auch die der gänzlich unbekannten Affenart – für die Wissenschaftler ein Hinweis auf den evolutionären Ursprung des Kindchenschemas.

Lebenslang niedlich

Typisch kindliche Proportionen finden sich aber nicht nur bei Jungtieren. Tatsächlich hat die Natur einige Arten hervorgebracht, die dem Schema lebenslang entsprechen. Nicht weil sie gefallen sollen, sondern weil sich die entsprechenden Merkmale als Überlebensvorteil herausselektiert haben. Das gilt für das pausbäckige Erdmännchen ebenso wie für das stupsnasige Kaninchen oder die großäugige Robbe mit ihrem runden Kopf. Die wahren Kindchenstars aber sind Panda und Koala – sie entsprechen noch im Erwachsenenalter jenen Teddys, die uns schon als Babys glücklich gemacht haben.

Autor: Judith Heisig