HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Storch im Nest

Immer mehr Weißstörche überwintern in Spanien oder im Elsass. - Foto: RADEK MICA/AFP/Getty Image

Terra Xpress Wissensmagazin

Überwinterung von Störchen

Der Weg war richtig weit. Wenn jetzt die ersten Weißstörche aus ihrem afrikanischen Winterexil zurückkehren, wartet eine Überraschung auf sie: Viele Artgenossen sind längst da. Mitte Februar tauchten die ersten in Bayern auf, andere verzichteten ganz auf die Reise. Ein Phänomen, das Vogelkundler beunruhigt: Was ist nur mit unseren Störchen los?

"Wir beobachten seit Jahren, dass immer mehr Weißstörche, die früher über Gibraltar nach Westafrika zogen, in Spanien oder im Elsass überwintern", erklärt Oda Wieding vom Landesbund für Vogelschutz Bayern. Die Tiere starten ihren Rückflug instinktiv zur selben Zeit wie ihre weit gereisten Artgenossen und treffen dadurch früh ein. Normalerweise sehen wir Störche erst Ende März oder im April am Himmel. Um die Zugrouten analysieren zu können, versehen Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie die Störche mit Sendern, sogenannten GSM-Loggern. Diese funken zweimal täglich eine SMS mit den Standortkoordinaten. Zusätzlich werden rund 300 Geodaten pro Tag gespeichert und können nach der Rückkehr ausgelesen werden. Ob der Vogel fliegt, sitzt oder nach Nahrung sucht – alles wird festgehalten.

Storch Baladino

Dabei erleben die Wissenschaftler auch Verblüffendes. Wie bei dem Storch mit der Ringnummer "DEH HL 430", auch Baladino genannt. Im Herbst 2013 startet der Jungvogel von Brandenburg aus Richtung Süden. Seine Reise führt ihn bis Innsbruck. Die Alpen überqueren? Nein, danke! Baladino kehrt um. Zum Frust der Forscher bricht der Kontakt ab, denn der Sender wird von Solarzellen gespeist und erhält an trüben Tagen nicht genug Energie. Eine TV-Doku zeigt die Suche nach dem verschollenen Storch (So. 23.2., 18.30 Uhr, ZDF)

Die Spur führt in die Nähe von Altötting. Mitten im schönen Oberbayern hat sich Baladino niedergelassen. Sein Winterquartier auf einem Bauernhof bietet alles, was er braucht. Fast handzahm klopft er mit dem Schnabel ans Küchenfenster – und wird gefüttert.

Der Tisch ist reichlich gedeckt

Vogelkundler sehen so viel Mitleid mit Sorge. "Störche wissen ganz genau, wo Mauselöcher sind und an welchen Grabenrändern sie Futter finden", sagt Weißstorchexpertin Oda Wieding. "Eine Fütterung im Winter ist sinnlos. Sie hat langfristig zur Folge, dass wir die Vögel zu sehr von uns abhängig machen."

Warum in den sonnigen Süden fliegen, wenn zu Hause der Tisch gedeckt wird? Allein in Bayern zählten Vogelkundler im Winter 2013/2014 mehr als 200 Störche, die auf ihre Fernreise verzichteten und meist in der Nähe ihres Nistplatzes überwinterten. Eine Folge des Klimawandels?"Das Phänomen hat vermutlich andere Ursachen", stellt Oda Wieding klar. "Es handelt sich überwiegend um Vögel aus Zucht- und Pflegestationen. Ihnen wurde vom Menschen beigebracht, hier zu überwintern."

Fütterung macht’s möglich. Nicht mal die verkürzte Reise nach Spanien können Forscher zweifelsfrei mit dem Klimawandel in Verbindung bringen. Zahlreiche offene Abfallhalden machen die Iberische Halbinsel für Störche zum Schlaraffenland. Sie sind keine Feinschmecker – spanische Mülldeponie statt afrikanischer Savanne! Die langfristigen Folgen sind noch gar nicht absehbar. "Schon jetzt zeigt sich, dass hier überwinternde Störche die besten Standorte besetzen", warnt Oda Wieding. Kehren die Fernreisenden entkräftet zurück, bleiben ihnen oft nur Nistplätze zweiter Wahl. Vor allem Jungstörche, die das erste Mal brüten wollen, haben es schwer. Und Baladino? Die Daten des GSM-Loggers werden zeigen, ob er im nächsten Herbst seinen Instinkten folgt und doch noch zur Reise nach Afrika startet.

Autor: Kai Riedemann