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Araberpferd
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Die Spanierin Maite Melgosa Minguez trainiert die Araberpferde der jordanischen Königsfamilie für Langstrecken. / Foto: ARTE / © MedienKontor/J. Michael Schumacher

Sendung am 2. Juli um 19.30 Uhr auf ARTE

TV-Dokumentation: "Jordanien - Dynastie der Pferde"

Was für ein Auftritt: Sie kommen heran. Tänzelnd. Auf zierlichen Beinen. Gleich darauf sprengen sie wieder davon. Mit riesigen Sätzen. Eingehüllt in eine Wolke feinsten Staubs, den ihre Hufe von der Erde aufwirbeln. Dieser Stolz. Diese Schönheit. Diese großen dunklen Augen. Vollblutaraber! Man spürt den Mythos, der diese älteste Pferderasse der Welt umgibt. Man weiß um ihre Schnelligkeit, ihre Ausdauer, ihren Siegeswillen.

Und immer umgibt sie der Duft des Geldes: Echte Vollblutaraber sind so teuer wie Luxuslimousinen, ein Statussymbol für Prinzen und Scheichs. Manche sind weit mehr als eine Million Dollar wert.

Araberpferde sind Geschöpfe Allahs

Allah schuf sie aus dem Südwind, sagt eine Geschichte aus ihrer Heimat. Eine andere erzählt, dass die Mütter dieser vollkommenen Rösser die fünf Stuten des Propheten Mohammeds gewesen seien. Fest steht: Sie waren schon vor rund 6000 Jahren die treuen Begleiter der Beduinen auf der Arabischen Halbinsel. Ihre Herren jagten mit ihnen, zogen auf ihnen in Kriege, transportierten kostbares Geschmeide auf ihren Rücken.

Anfang des vergangenen Jahrhunderts drohten sie in ihrer Heimat auszusterben. Selbst das Gestüt, das Emir Abdallah, der Großvater König Husseins, 1949 gründete, um seine geliebten reinrassigen Vollblüter zu züchten, war kein Erfolg, denn der Emir tauschte zwei seiner Stuten gegen spanische Hengste – und ließ so fremdes Blut in ihre Stammbäume. Die Zucht wurde aufgelöst, die wenigen verbliebenen echten Vollblüter in alle Richtungen verkauft. Fünf Jahre später suchte sein Sohn nach ihnen, sammelte sie, führte sie heim. Und es begann die Wiedergeburt eines Mythos. Sie sind nicht einfach nur Tiere. Sie sind das Erbe eines stolzen Volkes. Ein Nationalheiligtum, etwas, das man schützen und bewahren muss.

So sieht es Prinzessin Alia Bint al Hussein (55), Tochter des verstorbenen Königs Hussein von Jordanien und Halbschwester des jetzigen Regenten Abdullah. Ihr gehören die königlich jordanischen Ställe zur Reinerhaltung der Araberpferde. Wenn ihr Range Rover über die staubigen Straßen in der Nähe der Hauptstadt Amman rumpelt, wissen die Menschen: Die Prinzessin fährt zu ihren Lieblingen, zu 150 wunderschönen Stuten und einer Handvoll stattlicher Hengste. Neugierig stürmen die Tiere ans Gatter, sobald Alia aussteigt. Eine vollschlanke Frau in Strickjacke und flachen Sportschuhen. Empfangen wird sie von Gestütsleiter Major Faisal, der mit strenger Hand regiert. "Ohne Disziplin kann diese Rasse nicht leben", sagt er.

Nach einem kleinen Fitnesstraining am Morgen werden die Pferde in Boxen geführt, wo sie gestriegelt und ihre Hufe gepflegt werden. Fast jeden Tag massiert ein Physiotherapeut ihre Beine, tastet Gelenke ab, streicht prüfend über die Wirbelsäule und den Schweif. Manchmal setzt er ein paar Nadeln, Akupunktur hilft heilen, lindert Schmerzen. Danach dürfen die Tiere nach draußen, sich auf den Weiden austoben.

"Alle Pferde lieben Menschen und sind sehr neugierig auf sie", erklärt Prinzessin Alia, "Araber jedoch folgen ihnen auch." Trotzdem gelten sie bei vielen Pferdebesitzern als zickig. Die Prinzessin ahnt, warum: "Araber tun nur, was ihnen logisch und sinnvoll erscheint. Das macht sie für manche Leute schwierig." Aber auch berechenbar für alle, die das Wesen dieser Tiere verstehen.

Der schnellste Araber wird "König der Winde"

Sie sind Rennmaschinen, gemacht für die Weite der Wüste. Schnell, zäh und formvollendet in jeder Bewegung. Am 14. November eines jeden Jahres sieht man Dutzende der schönsten Tiere durch eine der unwirtlichsten Gegenden der Welt galoppieren. Es ist der Tag des "Königs der Winde", des legendären Rennens durch das Wüstental Wadi Rum.120 Kilometer weit geht es bei 30 Grad über glühenden Sand. Autos begleiten das Feld aus Rossen und Reitern, das sich mit jedem Kilometer weiter auseinanderzieht.

In den meisten Wagen sitzen Zuschauer, in einigen die Betreuer, die alle paar Kilometer anhalten, um Wasser über die dampfenden Hälse der Pferde zu schütten. Wohltuende Nässe vermischt sich mit ihrem heißen Schweiß. Die Tiere kämpfen. Mit der Hitze, manche auch mit der Angst vor dem eigenen Schatten, der in den frühen Morgenstunden besonders lang ist. Alle 20, 30 Kilometer untersuchen Tierärzte die Pferde.

Nur die Hälfte der Vollblüter erreicht das Ziel. Die anderen werden von ihren Besitzern aus dem Rennen genommen. Größte Vorsicht ist angesagt, denn niemand möchte riskieren, dass sein Pferd zusammenbricht. Aus Liebe zum Tier. Und natürlich auch aus Liebe zum kostbaren Besitz.

Am Ende steht der Sieger da. Vor einem Futtereimer voller Alfalfa, einer proteinhaltigen Futterpflanze. Zwölf Stunden hat der Wettkampf gedauert, jetzt ruhen ehrfürchtige, bewundernde Blicke auf dem stolzen Araber, die Prinzessin tätschelt ihn. Er ist der neue "König der Winde". Als solcher kehrt er zurück in die königlichen Ställe zwischen Orangenbäumen und Zedern. Zu den anderen Tieren, kaum weniger schnell, schön und stark als er. Zu den Königen und Königinnen der Pferde.

Bilderstrecke unten: Fotos aus der Dokumentation: "Jordanien - Dynastie der Pferde"

Autor: Silke Pfersdorf