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Der Walhai ist ein scheuer Zeitgenosse.
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Der Walhai ist ein scheuer Zeitgenosse. Doch mit seinen bis zu 14 Metern Körperlänge und seinem riesigen Maul ist er eine eindrucksvolle, beinahe furchterregende Kreatur. - Foto © picture alliance / Arco Images

Das Walhai-Schutzprojekt

Tierschützer

Vor Kenia will ein Tierschützer Walhaie vor dem Aussterben bewahren, indem er sie in Freiwasseraquarien hält. Ein umstrittenes Projekt.

Diesen Meeresbewohner umgeben viele Mythen. Selbst Wissenschaftler wissen nur wenig über ihn: Der Walhai ist ein scheuer Zeitgenosse. Anmutig gleitet er durchs Wasser. Ein einzigartiges Muster aus silbernen Punkten glitzert auf seiner Haut. Mit seinen bis zu 14 Metern Körperlänge und seinem riesigen Maul ist er eine eindrucksvolle, beinahe furchterregende Kreatur. Doch der Schein trügt: Eine Begegnung mit dem Giganten ist kein Grund zur Panik. Dieser Hai ist in Wirklichkeit ein sanfter Riese. Er ernährt sich hauptsächlich von Plankton und kleinen Fischen. Für den Menschen geht von ihm keine Gefahr aus – vielmehr sind Menschen seine größten Feinde.

Ein Opfer der Profitgier

Walhaie leben weltweit in fast allen tropischen und subtropischen Gewässern. Allerdings schrumpfen ihre Bestände von Jahr zu Jahr. Der größte Fisch der Welt ist vom Aussterben bedroht. Natürliche Feinde hat er dank seiner Größe keine. Aber die Profitgier und Rücksichtslosigkeit des Menschen wird ihm zum Verhängnis. Durch Plastikabfall im Meer, den die Fische bei der Nahrungsaufnahme mit einsaugen, verenden viele qualvoll. Außerdem werden sie intensiv bejagt: Das Geschäft mit dem Walhai ist lukrativ.

In Japan, Taiwan und auf den Philippinen gilt sein Fleisch als Delikatesse, sein Knorpel wird in der traditionellen Medizin verwendet, ein Pulver aus seiner Rückenfinne gilt als potenzsteigerndes Mittel. Fangverbote, die in weiten Teilen der Verbreitungsgebiete gelten, werden einfach ignoriert. Doch nicht nur in Asien, auch in anderen Teilen der Welt ist der Walhai begehrt: An der Küste Kenias etwa nutzen Fischer Öl aus seiner großen Leber zum Imprägnieren ihrer Boote und als Schutz gegen Holzwürmer. Den Rest des Tieres lassen sie am Strand verrotten, denn sie halten sein Fleisch für giftig.

Seit Langem setzt sich der Tierschützer Volker Bassen vor Ort für den Erhalt der Riesenfische ein. Der Deutschschwede versucht, die Einheimischen etwa davon zu überzeugen, dass es gute Alternativen zum begehrten Walöl gibt, zum Beispiel Cashewöl, das aus den gleichnamigen Nüssen gewonnen wird und eine ähnliche Wirkung entfaltet. Bassen weiß, dass diese Aktion nicht ausreicht, um die Walhaie nachhaltig zu schützen.

Filmemacher Jörg Brase hat den engagierten Tierfreund über ein Jahr lang begleitet und seinen Kampf gegen Behörden und Bürokratie festgehalten, aber auch seine Kontroversen mit anderen Tierschützern. Brases Dokumentarfilm zeigt, mit welch ungewöhnlichen Mitteln Bassen für die Rettung der sanften Riesen kämpft (siehe TV-Tipp rechts).

Einer alten Sage nach war Gott nach der Schöpfung des großen Fisches so zufrieden, dass er auf seinen Rücken Tausende Silbermünzen prasseln ließ, die "Schilling". Auf Kisuaheli wird der Walhai deshalb auch "Papa Shillingi" genannt. Zum Dank schwimmen die Tiere so nah an der Wasseroberfläche, dass sich die Sonne auf dem strahlenden Muster brechen kann. Jedes Tier hat eine eigene Zeichnung, einzigartig wie unser Fingerabdruck.

Freiwasseraquarien zum Schutze der Walhaie

Um diese Naturschönheit zu bewahren, entwickelt Volker Bassen radikale Ideen: Er möchte vor der kenianischen Küste ein Freiwasseraquarium errichten, die Tiere dort im Schutz der Gefangenschaft züchten und so den Fortbestand der Art sichern. Ein umstrittenes Konzept: "Die lokale Bevölkerung unterstützt das Projekt zwar sehr, weil die Menschen auf Arbeit und andere Vorteile hoffen", erklärt Dokufilmer Jörg Brase, "doch andere Tierschützer lehnen es ebenso sehr ab." Ihre Gründe: Bassen will auch den immer beliebter werdenden Tauchtourismus für seine Zwecke nutzen. Einmal mit den Unterwasserriesen zu schwimmen – dafür würden Touristen viel Geld zahlen.

Bassen will ihnen in seinem Aquarium die Chance geben – und die Einnahmen den Tieren zugutekommen lassen. "Use them or lose them“, lautet sein Motto: Nutze sie, oder du wirst sie verlieren. Bisher konnte er sein Projekt noch nicht verwirklichen, auch wegen des Widerstands anderer Tierschützer. Dokufilmer Jörg Brase berichtet: "Immer wieder gab es unvorhergesehene Ereignisse, die dazu führten, dass die Eröffnung des Aquariums erst von Herbst 2012 auf Frühjahr 2013 verschoben werden musste, jetzt sogar auf Herbst 2013. Zudem fehlt noch die Genehmigung der kenianischen Umweltbehörde Nema."

Auch bei den Dreharbeiten kam es immer wieder zu kleineren und größeren Katastrophen. Einmal wurde es sogar lebensgefährlich: Beim Ablassen kettenbeschwerter Netze ins Meer wäre Volker Bassen beinahe ertrunken. Für den Gründer des East African Whale Shark Trust noch lange kein Grund aufzugeben. "Es war berührend zu sehen, mit welcher Energie Bassen immer wieder aufstand und weitermachte, trotz der zahlreichen Rückschläge", so der Filmemacher.

Noch muss der Tierschützer sich in Geduld üben: Er wartet auf die Zusage der Umweltbehörde – und auf die Walhaie selbst. Denn die lassen sich nur zweimal im Jahr an den Küsten Kenias blicken: im Frühjahr und im Herbst, wenn sie hier auf Nahrungssuche gehen. Die Frage ist, wie lange Bassen noch warten kann. Es bleibt nicht mehr viel Zeit für die Rettung der sanften Riesen.

Autor: Nicole Wronski