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Flusspferde

Hippo-Herde in Sambia. - Foto © dpa Picture-Alliance GmbH

Geheimnisvolle Giganten

So leben Flusspferde wirklich

Dickhäuter werden sie oft genannt – doch das führt in die Irre. Schuld daran ist ihre graue Farbe, die an jene der Elefanten erinnert. Flusspferde haben zwar eine dicke Haut, aber eine sehr sensible, die sie ständig vor der Sonne schützen müssen. Zu diesem Zweck produzieren sie eine Art körpereigene "Creme", ein farbloses Sekret, das ausgeschwitzt wird, sich dann innerhalb von Minuten rötlich tönt und als UV-Filter dient. Auch das Verhalten der Hippos ist alles andere als langmütig: In Wahrheit brausen sie rasch auf. "Sie fühlen sich fast immer als Stärkere. Und das zu Recht", sagt Dr. Ragnar Kühne, Kurator am Berliner Zoo. "Sie scheuen sich nicht, auf Gegner zuzugehen."

Viele Mythen, die sich um sie ranken, haben die Flusspferde wohl ihrer ungewöhnlichen Lebensweise zu verdanken. Welches andere Tiere steht schon den ganzen Tag im Wasser und schläft? Nur nachts, wenn die Sonnenbrandgefahr gebannt ist, verlassen die Hippos ihr Quartier, um zu grasen. Und zwar schön behäbig? Von wegen! An Land rennen sie bis zu 50 Stundenkilometer schnell. Selbst im Wasser bewegen sie sich überraschend behände über den Grund. "Weil sie sich kräftig vom Boden abstoßen, haben sie einen schnellen Antritt", erklärt Kühne. Ebenfalls täuschend: ihr knuffiges Aussehen. In freier Wildbahn nämlich sind die Tiere gefährlicher als Löwen, Leoparden oder Büffel. Jedes Jahr fallen ihren Zähnen und ihrem Gewicht (bis zu vier Tonnen!) mehr als 300 Menschen zum Opfer. Denn bei der Verteidigung ihrer Jungen gehen Muttertiere sofort zum Angriff über.

Jüngst wurde im Serengeti Nationalpark von Tansania sogar ein Krokodil von Flusspferden totgebissen. Zwischen 125.000 und 150.000 Tiere, schätzen Experten, gibt es derzeit weltweit noch. Inzwischen beschränkt sich ihr Vorkommen auf verstreute Gebiete in der südlichen Hälfte Afrikas. Flusspferde gelten als bedroht. Allein im Kongo ist ihr Bestand in den vergangenen Jahrzehnten um rund 95 Prozent dezimiert worden, vor allem durch Elfenbeinjäger, die es auf ihre Zähne abgesehen haben. Am Nil, der ihnen auch den Namen "Nilpferd" gab, sind sie vor rund 200 Jahren ausgestorben. Kaum zum glauben, aber kein Märchen: Am Rhein, wo der Kölner Zoo ihnen jetzt ein 3000 Quadratmeter großes "Hippodrom" eingerichtet hat, waren Flusspferde einmal heimisch – vor rund 120.000 Jahren.

Ins Reich der Mythen gehört dagegen die Annahme, Hippos könnten, weil sie die meiste Zeit im Wasser verbringen, nicht ertrinken. "Sie sind Nichtschwimmer", sagt Kühne. Etwa alle fünf Minuten müssen sie an die Oberfläche, um Luft zu schnappen. Damit das nicht zu anstrengend wird, leben sie bevorzugt in flachen Seen und Flüssen. Dort stehen sie in sogenannten "Pools" zusammen. Ihre Jungen nehmen sie immer in die Mitte, um sie vor Angreifern zu schützen – die Familie hält zusammen.

Bis zu 150 Exemplare können einer Herde angehören, die von einem Bullen angeführt wird. Jüngere Rivalen duldet er nur, solange sie seiner Paarung nicht in die Quere kommen. Tun sie es doch, entbrennt ein Revierkampf, bei dem ein Bulle sein Gebiet notfalls bis zum Tod verteidigt. "Dabei versucht ein Tier, dem anderen Kiefer oder Beine zu brechen", erläutert Kühne. Aber so weit muss es nicht kommen, denn vorher werden deutliche Drohgebärden ausgetauscht. Auch bei diesen darf man sich nicht täuschen: Gähnen bedeutet keinesfalls "Ich bin müde", sondern "Ich greife gleich an!".

Foto Flashbühne © dpa Picture-Alliance GmbH

Autor: Michael Fuchs