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Europäische Seeadler

Zwei Seeadler-Jungvögel und ein Altvogel stehen auf Eis am Strand. - Foto: © picture alliance/WILDLIFE

König der Lüfte

Seeadler

Bei der Jagd sind Seeadler unerreicht, beim Nachwuchs übernervös. Da brauchen selbst die Herrscher des Himmels unsere Hilfe.

TV-Tipp:

Samstag, 24.8., 19.00 Uhr, br
"natur exclusiv: König der russischen Wälder – der Seeadler". Doku von Marion Pöllmann (s. auch TV-Tipps rechts)


Die Jagd des Seeadlers

Mit kräftigen Schwüngen erhebt sich der Vogel von einem Baum am Ufer. Das silbrige Glänzen einiger Fische hat seinen Jagdinstinkt geweckt. Er kreist über dem Schaalsee in Schleswig-­Holstein. Sein dunkler Schatten zieht über die Oberfläche. Immer näher kommt er. Kurz vor dem Eintauchen bremst er ab, streckt die gelben Krallen blitzartig vor, lässt sie kurz ins Wasser fahren – und greift sich eine Brasse.

Seine Majestät, der Seeadler, macht sich da­ bei kaum eine Feder nass. Nur ganz selten geht der größte Greifvogel Europas baden – anders als sein kleinerer Cousin, der Fischadler. "See­adler tauchen in der Regel nur mit den Krallen ab", erklärt WWF­-Experte Thomas Neumann, der sich seit Jahrzehnten für den Schutz der Art einsetzt.

Von den erhabenen Greifvögeln, die bis zu fünf Kilo erreichen, ist er fasziniert: "Mit dem hellen Kopf, dem gelben Schnabel und dem weißen Stoß haben sie etwas Majestätisches."

In den 60er-Jahren waren Seeadler hierzulande fast ausgerottet – durch jahrhundertelange Verfolgung und das Insektenvernichtungsmittel DDT. Nur als Wappentier waren sie noch präsent: ein Symbol für Macht, Kraft, Stärke. Aber: Der Seeadler kehrt zurück.

Balzflüge und Aufzucht

Mittlerweile hat sich der Bestand erholt: 12.000 Brutpaare gibt es weltweit, allein in Deutschland 740. Die meisten davon brüten an den Gewässern von Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.

Seeadler Brut
Seltener Nachwuchs: Vier Seeadler-Küken. - Foto: © dpa - Fotoreport

Trotz ihrer enormen Flügelspannweite von bis zu 2,60 Metern sind Seeadler erstaunlich wendig und können sogar auf dem Rücken fliegen. Solche Showeinlagen zeigen sie, begleitet von hohen Rufen, bei ihren Balzflügen, die im Herbst beginnen und im Januar und Februar ihren Höhepunkt erreichen. In der Regel bleibt ein Adlerpaar sich lebenslang treu.

Im Februar oder März legt das Weibchen, das etwas größer ist, zwei oder drei Eier in den Horst. Eine sensible Phase: "Selbst kurze Störungen durch Touristen oder Ballonflüge können den Bruterfolg zunichte machen", warnt Neumann.

Wo Seeadler brüten, gilt im Umkreis von 300 Metern eine Schutzzone, in der Jagd und Holzschlag verboten sind. "Zwar ist die Rückkehr der Adler eine Erfolgsgeschichte", erklärt der WWF-Experte Neumann, "aber wir verlieren noch zu viele."

Unnatürlichen Todesursachen

Die Ursachen dafür kennt sein Mitstreiter Dr. Oliver Krone, Tierarzt am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin: "Die häufigsten unnatürlichen Todesursachen bei Seeadlern sind Bleivergiftungen, gefolgt von Unfällen mit Zügen. Eine weitere Gefährdung geht von Windrädern aus."

Im Winter finden sie angesichts zugefrorener Seen kaum Fische oder Wasservögel. Dann fressen sie auch die Innereien erlegter Tiere, die von Jägern zurückgelassen wurden, und nehmen darüber das toxische Metall auf. Tierschützer fordern deshalb bereits seit Jahren ein Verbot von Bleimunition.

Um das Revierverhalten zu erkunden, hat Krone mehrere Seeadler mit Sendern ausgestattet. Ergebnis: Die Reviere in der Mecklenburgischen Seenplatte sind 2,4 bis zwölf Quadratkilometer groß.

Revierkriege

Wenn die Jungvögel im Juni flügge werden, bleiben sie meist noch einige Monate in der Nähe, erlernen das Jagdhandwerk. Danach streifen sie großräumig umher. Mit fünf Jahren färbt sich ihr dunkler Schnabel gelb – ein Zeichen der Geschlechtsreife. Und Auftakt zu harten Revierkriegen.

"Seeadler sind nicht zimperlich und verteidigen ihr Reich in erbitterten Luftkämpfen gegen andere Altvögel", so Krone. "Dabei greifen sie sich gegenseitig in die Fänge, drehen sich umeinander und stürzen manchmal krachend in eine Baumkrone."

Ursprünglich waren Seeadler bis Portugal verbreitet, Richtung Westen und Süden gäbe es noch viele freie Reviere. Und tatsächlich: Seit Kurzem nisten vier Paare in den Niederlanden.

Autor: D.W.