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Das weiß-grau-braun getupfte Fell des Schneeleoparden tarnt perfekt.

Das weiß-grau-braun getupfte Fell des Schneeleoparden tarnt perfekt. 4000 Haare pro
Quadratzentimeter wärmen zudem gut. - Foto © picture alliance / Arco Images G

Tierdoku von Axel Gomille

Schneeleoparden

Schneeleoparden sind so scheu und selten, dass man sie "Berggeister" nennt: Filmemacher und Biologe Axel Gomille traf die Herrscher des Hochgebirges in Kirgisistan.

Diese Augen! Bei der ersten Begegnung mit Schneeleoparden schlugen sie Filmemacher Axel Gomille sofort in ihren Bann: "Wunderschön, elegant, kühl, mit graublauem Schimmer – ganz anders als die warmen Bernsteinaugen eines Tigers." Mit Wärme hat der Schneeleopard wahrlich nichts zu tun. Der Frostblick passt zu seiner Heimat: Die äußerst seltenen Wildkatzen streifen durch die zerklüfteten Bergregionen von Himalaja, Pamir und Altai, bis auf 5000 Meter Höhe, hinauf auf das Dach der Welt. Dabei trotzen sie bis zu 40 Grad minus.


Gefährdet
Nur noch 4000 bis 6600 Schneeleoparden leben über zwölf Staaten verteilt in den Gebirgsregionen Zentralasiens. Die zweitgrößte Population mit rund 250 Tieren gibt es in Kirgisistan, wo der Nabu seit 1998 für den Schutz der Katzen kämpft.


"Mit ihrem Fell sind sie in dieser harschen Welt aus Stein und Eis perfekt geschützt", so Gomille. Für seine überaus sehenswerte Naturdoku "Im Reich des Schneeleoparden" (siehe TV-Tipp rechts) besuchte der Biologe und Filmemacher die Heimat der stark gefährdeten "Berggeister", wie sie in Kirgisistan auch genannt werden.

Natur Schneeleopard

Mitarbeiter des kirgisischen Schutzprojektes für Schneeleoparden inspizieren einen Mantel, für den vier der Raubkatzen ihr Leben lassen mussten. - Foto © ZDF / Axel Gomille

In dem schroffen Bergland, in dem die Gipfel des Tienshan-Gebirges über 7000 Meter aufragen, wird das Filmteam freundlich auf Deutsch begrüßt. Tatsächlich hat Tolkunbek Asykulov, Leiter der Nabu-Gruppe von Kirgisistan, in Deutschland studiert. In seiner Heimat kämpft er nun für die Rettung des Schneeleoparden. Denn der Bestand ist dort alarmierend geschrumpft: von einst 1300 auf etwa 250 Tiere. Sichtungen sind selten, selbst die vom Nabu unterstützte Anti-Wilderer-Einheit "Gruppa Bars" sieht oft nur die Spuren der Katzen – oder der Wilderer. 200 illegalen Jägern hat sie bereits das Handwerk gelegt und noch mehr Fallen beschlagnahmt.

Inventur eines Phantoms

Auch die Tierschützer stellen jetzt Fallen auf – Fotofallen. 18 wurden 2013 installiert. Schon wenige Wochen danach gelang ein erster Schnappschuss: "Die Kameras werden dabei helfen, die Tiere zu beobachten, und zu einem verbesserten Schutz beitragen", hofft Asykulov. Auch Tatzenabdrücke, Fellfetzen, Kot und Beutereste werden erfasst. Eine wichtige Säule des Projekts ist das 2002 gegründete Rehazentrum am Yssykköl-See, in dem derzeit fünf Schneeleoparden leben. "Eine Auswilderung ist unmöglich", sagt Axel Gomille. "Die Tiere sind durch Wilderer so verletzt worden, dass sie in Freiheit verenden würden. Einem Weibchen fehlt sogar eine Pfote."

Natur Schneeleopard

Gefährlich: Die Raubkatzen reißen Wildschafe, Steinböcke und Nager. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

Unversehrt ist der Schneeleopard Herrscher in seinem Reich: Sein dichter Pelz isoliert ihn bestens gegen Kälte. Auch der Schwanz dient als wärmende Stola, hält aber vor allem die Balance bei Sprüngen und Kletterpartien am Steilhang. Zwischen Januar und März finden sich die Leoparden über Rufe und Duftmarken zur Paarung zusammen. Ansonsten folgt die Raubkatze allein ihrer Beute, etwa Marco-Polo-Schafen oder Steinböcken. Jäger und Beutetiere sind extreme Kletterkünstler. "Der Schneeleopard fließt geschmeidig über die Felsen, pirscht sich möglichst nah an seine Beute heran", so Gomille. "Dann greift er überraschend an. Eine lange Jagd am Berg wäre zu anstrengend."

Illegale Jagd

Eine Leopardenmutter schleppt ihren Riss lange Strecken zu ihrem Wurf, teilweise steil die Felswand hinauf. Sie mobilisiert enorme Kräfte, obwohl sie kleiner ist als ihre Verwandten in den Tropen. Da Wilderei die größte Gefahr für die Tiere darstellt, setzen Naturschützer jetzt auf frühe Erziehung zum Umweltschutz und versuchen, Nomadenkinder für die faszinierenden Katzen zu begeistern. In der Sowjetunion wurden sie als Devisenbringer gnadenlos gejagt – im staatlichen Auftrag.

Natur Schneeleopard

Süßer Nachwuchs bei den Schneeleoparden. - Foto © picture alliance / dpa

Heute geht die Jagd illegal weiter. Die Pelze sind kostbar. Die Knochen werden in der chinesischen Heilkunde teuer gehandelt. Doch es gibt Hoffnung: Im Oktober einigten sich die zwölf Verbreitungsländer auf einen Aktionsplan zum Schutz der Tiere. Zudem haben Schneeleoparden, anders als etwa Tiger, einen Standortvorteil. Gomille: "Der Mensch macht ihnen den unwirtlichen Lebensraum nicht streitig. Das ist ihr großes Glück."

Autor: Dagmar Weychardt