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Japanische Schneeaffen flüchten sich gern in Thermalquellen.

Eine gute Art, den Winter zu überstehen: Japanische Schneeaffen flüchten sich gern in Thermalquellen. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

TV-Tipp: Winterzauber in Japan

Schneeaffen

Der Kälte trotzen Schneeaffen in heißen Quellen. Nicht das Einzige, was man von ihnen lernen kann. TV-Tipp: "Winterzauber in Japan", SWR, 19.01., 16:00 Uhr.

Genüsslich entspannen sie im heißen, dampfenden Wasser, strecken die Arme von sich – und lassen es sich richtig gut gehen. Stundenlang verziehen sich Japanische Schneeaffen auf der Insel Honshu im Winter in Thermalquellen. Wassertemperatur: 40 Grad. Kein Wunder, dass einigen für ein Nickerchen die Augen zufallen. Schließlich haben die Japan- oder Rotgesichtsmakaken, wie sie auch heißen, allen Grund zum Relaxen: Sie leben hoch in den Bergen Japans, trotzen eisigen Winden und klirrender Kälte von bis zu minus 20 Grad.

Im Winter müssen sie sich durch meterhohen Schnee kämpfen. Keine andere Affenart hält es so weit nördlich aus. Da ist ein heißes Bad genau das Richtige, um sich aufzuwärmen. Das Wasser bringt den Kreislauf ordentlich in Schwung, die Blutgefäße unter der Haut schwellen an, das ohnehin rote Gesicht der Affen färbt sich noch intensiver – krebsrot.

Tiere Schneeaffen

Überlebensstrategie gegen den frostigen Winter: kuscheln. Liebevoll kümmern sich die Affenmütter um den Nachwuchs. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

Die Badetradition der Makaken ist noch relativ jung. Wahrscheinlich haben die neugierigen Tiere japanische Mönche dabei beobachtet, wie sie sich in den natürlichen Badewannen entspannten. Die vulkanischen Quellen heißen in Japan "Onsen". Das erste Affenbad ist für 1963 dokumentiert. Innerhalb weniger Jahre haben immer mehr Tiere den Brauch nachgeäfft – und so regelrecht eine eigene "Wellnesskultur" entwickelt. Seitdem ist der Winter für sie Badesaison. Das macht die Rotgesichtsmakaken unter den Affenarten einzigartig.

Überlebensstrategie Kuscheln

Ihr Wellnessprogramm ist vielseitig: Neben Erholung ist vor allem Fellpflege angesagt. Zentimeter für Zentimeter untersuchen die Affen ihre Artgenossen auf lästige juckende Parasiten. Das Lausen stärkt auch den sozialen Zusammenhalt der Gruppe. Wahre Affenliebe eben. Außerdem finden die Makaken auf dem Boden der Quellen so manchen Leckerbissen, etwa Nüsse und kleine Krebstiere. Gerade die Jungtiere nutzen den Badeausflug aber auch für andere Dinge: Sie schwimmen, toben ausgelassen und tauchen sich gegenseitig unter.

Freien Eintritt in das Badeparadies gibt es aber nicht für jeden Artgenossen: Hat eine Gruppe eine der wohltuenden Quellen für sich beansprucht, wird diese gegen andere Affen vehement verteidigt. Nähert sich etwa ein unliebsamer Gast dem Becken, springen die Makaken aus dem Wasser und verjagen ihn mit schrillen Schreien.

Tiere Schneeaffen

Das Lausen stärkt auch den sozialen Zusammenhalt der Gruppe. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

Neben dem Baden haben die Rotgesichtsmakaken noch eine andere Überlebensstrategie gegen den frostigen Winter entwickelt: kuscheln. Sie schmiegen sich ganz eng aneinander. Der wärmende Körperkontakt hilft den Jungtieren, in der rauen Bergwelt zu überleben. Liebevoll kümmern sich die Affenmütter um den Nachwuchs, tragen ihr Junges erst am Bauch, später auf dem Rücken durch die dichten Wälder.

Schneeaffen sind äußerst lernfähig

Bei der Partnerwahl haben die Weibchen das Sagen. Sie entscheiden sich für ein Männchen, nicht umgekehrt. Und wovon lassen sie sich ganz besonders beeindrucken? Vom Rang, den der Verehrer in der Hierarchie der Affenbande einnimmt. Rotgesichtsmakaken leben in Gruppen zusammen, die aus mehr als 150 Tieren bestehen können. Alleiniger Anführer ist das Alphamännchen.

Während die Weibchen ihr Leben lang in einem Verbund bleiben, müssen sich Männchen einen neuen suchen, sobald sie mit etwa dreieinhalb Jahren geschlechtsreif sind. So verhindern die Makaken Inzucht. Insgesamt leben in Japan schätzungsweise 100.000 Schneeaffen. Sie fressen so ziemlich alles, was sie finden können: Früchte, Nüsse, Blätter, aber auch Spinnen, Schnecken und Meeresfrüchte. Im Winter geben sie sich notgedrungen mit Baumrinde zufrieden.

Affen gelten als ungemein lernfähig – auf die Rotgesichtsmakaken trifft das ganz besonders zu. Auf der japanischen Insel Kojima hat ein Affenweibchen 1953 eine zukunftsweisende Tradition begründet: das Waschen von Nahrungsmitteln. Es tauchte eine Kartoffel ins Wasser – und stellte fest, dass sie ohne zähneknirschenden Sand besser schmeckte.

Affen, die ihr Essen würzen

Ihre Artgenossen übernahmen den neuen Brauch schnell, brachten ihn sich gegenseitig bei und verfeinerten ihn sogar noch. Irgendwann tauchten die Affen selbst saubere Pflanzen ins Meer – um sie zu salzen. So haben die Schneeaffen auf Kojima das Würzen für sich entdeckt.

Ein anderer affiger Trick: Auf dem Speiseplan der Makaken stehen auch Weizenkörner, die sie auf und im Boden finden. Das Getreide-Dreck- Gemisch werfen sie ins Wasser – und warten, bis der Sand auf den Grund sinkt. Die oben schwimmenden Getreidekörner aber schöpfen die Makaken mit ihren Händen ab. Und kommen so in den Genuss sauberer, sandfreier Weizenkörner. Ganz schön clever.

Autor: Manuel Opitz