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Spitzmaulnashörner in der Serengeti
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Spitzmaulnashörner in der Serengeti; Bild: © HR

Nashorn-Luftbrücke in die Serengeti

Rettung der Spitzmaulnashörner

Die Hercules-Transportmaschine rollt langsam aus und stoppt am Ende der Landebahn. Das Empfangskomitee erhebt sich von den Sitzen, denn die Fracht im Inneren der Maschine wird sehnsüchtig erwartet. Nashorn-Bulle Benji (16) tritt gegen die Wände seiner Transportkiste, die Wirkung der Beruhigungsspritze lässt langsam nach. "Ruhig, Benji", flüstert seine Tierpflegerin Berry. "Alles okay", besänftigt auch Tierarzt Dr. Pete Morkel. Dann wird die Kiste aus dem Flugzeugrumpf gerollt. Die Kapelle der Wildhüter, die zur Feier des Tages weiße Fantasieuniformen trägt, hebt zu einer schrillen Trompetenfanfare an. Aktion geglückt, willkommen in Tansania!

Not in der Arche Noah

Benji ist der Pionier eines einmaligen Projekts: 32 Spitzmaulnashörner sollen in den nächsten eineinhalb Jahren aus einem privaten Reservat in Südafrika in die Serengeti nach Tansania umgesiedelt werden. Frisches Blut für die dortige Population, die in den vergangenen Jahrzehnten von Wilderern fast ausgerottet wurde. 1974 gab es in der Serengeti noch 700 Spitzmaulnashörner, heute werden im Ngorongoro-Krater, der Arche Noah Afrikas, gerade noch einige Dutzend gezählt. Viel zu wenig, um den Bestand der Art auf Dauer zu sichern.

Die Tragik der Dickhäuter, die bis zu zwei Tonnen schwer und bis zu 40 Jahre alt werden: Aus ihrem Horn gewonnenes Pulver gilt im asiatischen Raum als Aphrodisiakum. Deshalb werden die Tiere von Wilderern erbarmungslos gejagt.

Nashorn-Luftbrücke kostet eine Million Dollar

Die Nashorn-Luftbrücke ist die größte Umsiedlungsaktion, die es in Afrika je gegeben hat. Sie kostet Millionen Dollar und wird von einem US-amerikanischen Milliardär bezahlt. Und sie erfordert einen sensiblen Umgang mit den Tieren. Deshalb reisen die fünf Nashörner der ersten Luftbrücke in Begleitung von zwei "Nashornflüsterinnen".

Berry aus England und Juliette aus Südafrika weichen ihren Schützlingen nicht von der Seite. Sie sprechen mit ihnen, säuseln und beruhigen. "Die Tiere haben einen ausgeprägten Charakter", sagt Juliette. Um unnötigen Stress zu vermeiden, werden Benji und seine Gefährten vor dem Flug und nach der Landung in eingezäunten Camps beobachtet und akklimatisiert. Juliette und Berry reichen ihnen Wasser aus der Flasche, bringen sie durch gutes Zureden sogar dazu, sich hinzulegen und zu schlafen. Wenn Berry den Schrubber durch den Palisadenzaun schiebt und mit dessen Borsten Benjis graue Haut massiert, schließt der Bulle genüsslich die Augen. Wenn Juliette "Come on, Baby!" ruft, kommt die vierjährige Luna angetrabt.

Spitzmaulnashorn Benji taumelt in die Freiheit

Endlich ist er da: der Tag der Auswilderung. Tierarzt Pete verabreicht eine Beruhigungsspritze, danach wird Benji in eine Transportkiste geschoben und nach längerer Fahrt in der Steppe "abgelegt". Ein kostbarer Moment, der zeigen wird, ob sich all die Mühe gelohnt hat.

Das Nashorn-Team beobachtet aus der Ferne, wie Benji reagiert. Einige Minuten dauert es, dann wälzt sich der mächtige Bulle auf die Seite, erhebt sich, knickt ein, kommt wieder hoch – und taumelt in die Freiheit. Benji ist der Erste, andere sollen folgen. In einigen Jahren wird sich zeigen, ob Spitzmaulnashörner wieder ihren Platz erobert haben: in der Arche Noah.

Autor: Angela Meyer-Barg; Bilder: © HR