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Rettet die Meeresschildkroeten Tortuga

Meeresschildkröten - vom Aussterben bedroht. Foto: picture alliance/blickwinkel

Vom Aussterben bedroht

Rettet die Meeresschildkröten!

Seit über 100 Millionen Jahren schweben Meeresschildkröten durch die Ozeane. Nun sind sie vom Aussterben bedroht. Was ein Deutscher in Australien dagegen tut.

Seine erste kleine Grüne Meeresschildkröte schwamm ihm direkt in den Schoß: "Sie ließ sich von mir den Panzer kratzen. Dann schwamm sie zum Luftholen an die Oberfläche und wieder zurück in meinen Schoß. Ganz aus eigener Entscheidung. Das werde ich nie vergessen", schwärmt Christian Miller. Normalerweise schubbern sich Meeresschildkröten den Bewuchs auf ihrem Panzer an Riffen ab. "Dabei schieben sie das Hinterteil wackelnd hin und her, fast wie ein Hund", berichtet Miller. "So reagieren sie auch, wenn man sie kratzt: Sie schieben sich regelrecht rückwärts an dich ran und wackeln."


TV-Tipp

So, 7.9.: Tortuga: Die unglaubliche Reise der Meeresschildkröte, Doku mit Sprecherin Hannelore Elsner, 18.05 Uhr, N24 (s. auch TV-Tipps rechts)


Seit zehn Jahren lebt der gebürtige Franke in Australien, wo er ein Geschäft für T-Shirt-Design und -Druck betreibt, als Tauchlehrer, Naturfotograf und Umweltschützer arbeitet. Natürlich solle man nicht gleich jede wilde Schildkröte kratzen: "Aber es gibt ganz freundliche, die auf einen zukommen." Der 37-Jährige ist fasziniert von den Tieren: "Ich sehe ihnen liebend gern beim Fressen zu: Wie sie sich das Futter mit den Flossen zum Mund schieben, wie ihre großen Augen sich langsam schließen, das hat etwas sehr Beruhigendes, Meditatives. Manche sind mehr als 100 Jahre alt. Was sie wohl alles erzählen könnten?"

Schildkröten: Dinosaurier der Meere

Miller leitet eine Pflegestation für die Tiere, das Cairns Turtle Rehabilitation Centre (CTRC). Kranke und verletzte Schildkröten vom Great Barrier Reef und von der Halbinsel Cape York werden hier von einem Team freiwilliger Helfer so lange aufgepäppelt, bis sie wieder allein in der Natur zurechtkommen. Jede Begegnung mit wilden Tieren sei faszinierend, erzählt Miller, dessen zweite große Leidenschaft den Haien gilt. Das Zusammentreffen mit einer Meeresschildkröte aber sei stets ein Höhepunkt: "Sie sind mehr oder weniger Dinosaurier, sahen vor über 100 Millionen Jahren nicht viel anders aus als heute. Es ist faszinierend, mit ihnen unter Wasser zu schwimmen."

Bestand geht bedrohlich zurück

Bis zu zwei Meter lang und 600 Kilo schwer können die größten Exemplare werden. Auf ihren Wanderungen tauchen sie mehrere Hundert Meter tief, stundenlang, ohne Luft zu holen, indem sie ihren Herzschlag verlangsamen. Dabei überwinden sie unglaubliche Distanzen: In Florida markierte Tiere wurden im Mittelmeer gefunden. Allen Tauchern, die das Glück haben, den Urzeittieren zu begegnen, rät Miller: "Langsam schwimmen und dem Tier die Entscheidung überlassen, ob es näherkommen will." Leider sind die friedfertigen Panzerträger nur noch bedingt abwehrbereit: Sie haben die Fähigkeit verloren, bei Gefahr den Kopf einzuziehen. Ihr Bestand ist in den letzten Jahren bedrohlich zurückgegangen.

Globale Erwärmung und Müll gefährden die Tiere

Schuld sind Jäger, die sie wegen ihres Fleisches oder Panzers erlegen, sowie Menschen, die ihre Eier einsammeln oder rücksichtslos ihre Brutstrände erschließen. Laut der Umweltorganisation WWF erreicht von 1000 Jungtieren nur eines das fortpflanzungsfähige Alter von 20 bis 30 Jahren. Aber nicht allein Menschen, auch Krabben, Hunde, Katzen und Vögel setzen den Gelegen und den Jungtieren zu. Pilzinfektionen und Überschwemmungen vernichten ebenfalls viele Nester. Selbst die Spur, die ein Autoreifen am Strand hinterlässt, kann für eine frisch geschlüpfte Meeresschildkröte ein unüberwindliches Hindernis darstellen. Alles was wir den Ozeanen antun, wirkt sich direkt auf die Schildkröten aus: Öl, Schlepp- und Treibnetze, Bootspropeller, Abwässer, die Folgen der globalen Erwärmung oder der zunehmende Müll.

"Hooker" hatte einen Angelhaken verschluckt

Viele Tiere sterben etwa qualvoll an verschluckten Plastiktüten. Naturschützer schätzen, dass mehr als 250.000 Meeresschildkröten pro Jahr in den Netzen der Fischereiflotten verenden. Und an den Haken der Langleinenfischerei landet etwa jede zweite Karettschildkröte. Alle werden zwar ins Meer zurückgeworfen, doch 3000 bis 6000 Tiere jährlich überleben diese Prozedur nicht. Kürzlich päppelte Miller ein Tier auf, das einen Angelhaken verschluckt hatte. Im Hospital wurde es scherzhaft "Hooker"getauft (vom englischen "hook": Haken). Das Tier durfte längst zurück in den Ozean. Nun träumt Miller davon, "Hooker" irgendwann beim Tauchen zu treffen – draußen im freien Meer.

Autor: Thomas Röbke