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Schillerfalter

Der Schillerfalter ist Schmetterling des Jahres 2011. Nur die Männchen leuchten so blau, Weibchen sind braun. - Foto © picture alliance / dpa

Wunderwerke der Natur

Phänomen Schmetterling

Eigentlich ist es ein Wunder, dass sie fliegen können. So zart und zerbrechlich wirken die Falter. Vor jedem Regentropfen müssen sie Zuflucht suchen. Zudem schwingen ihre Flügel viel zu langsam.

"Abenteuer Faltertage" - Mitmach-Aktion des BUND

Nur zehn Schläge pro Sekunde machen sie beim scheinbar schwerelosen Tanz von Blüte zu Blüte – eine Stechmücke schafft im gleichen Zeitraum 300. Umso erstaunlicher, dass so mancher Distelfalter, den wir jetzt auf den Wiesen bewundern, schon eine 3000 Kilometer lange Reise hinter sich hat. Und das ist nicht das einzig Verblüffende an den geliebten Boten des Sommers. Fast wie Zugvögel flattern winzige Wanderfalter aus dem fernen Nordafrika nach Europa, überqueren das Mittelmeer, überwinden 3000 Meter hohe eisige Alpenpässe. Im Jahr 2009 tauchten sogar gigantische Distelfalter-Schwärme auf. Die ersten wurden am 7. Mai in Bayern gesichtet – und erreichten am 18. Mai die Ostsee. Eine Massenwanderung von Millionen Tieren!

Beim "Abenteuer Faltertage", der Mitmach-Aktion des BUND, war damals jeder zweite gezählte Schmetterling ein Distelfalter. 2010 fiel deren Anteil auf 2,5 Prozent. Und dieses Jahr? Die große Zählung läuft noch bis Ende Oktober. Den Forschern ist es bisher nicht gelungen, alle Rätsel der Wanderungen zu lösen. Messungen mit Radargeräten deuten darauf hin, dass sich die Winzlinge geschickt vom Wind treiben lassen. Anstatt selbst viel zu flattern, nutzen sie Luftströmungen. Mit leichten Änderungen von Kopfposition und Flughöhe korrigieren sie dabei ihren Kurs, steuern präzise das ferne Ziel an.

Und die Orientierung? Als Kompass dient vor allem die Sonne. Fühler und UV-Rezeptoren in den Augen bilden zusammen ein ausgeklügeltes Navigationssystem. Zudem hilft vermutlich das Magnetfeld der Erde. Einen Unterschied zu den Zugvögeln gibt es jedoch: Schmetterlinge fliegen nur einen Sommer lang. Die erschöpften Distelfalter oder Admirale verbringen auf unseren Wiesen nur wenige sonnige Wochen und sorgen dabei für Nachwuchs. Es sind diese jungen Falter, die den Rückweg in den Süden antreten. Eindeutiger Beweis dafür, dass die Flugroute genetisch programmiert sein muss.

Schmetterlinge: Wunderwerke der Natur

Der Flug ins warme Afrika ist nur eine der genialen Überlebensstrategien. Andere Schmetterlingsarten wie der Zitronenfalter bleiben einfach hier – und lassen sich im Winter "einfrieren". Die ersten Vorboten des Sommers kommen uns deshalb auch meist blass und ramponiert vor. Auf Zweigen oder zwischen trockenem Laub haben sie den Winter überstanden, starr und steif, dank körpereigener Frostschutzmittel unempfindlich gegen Kälte bis zu minus 20 Grad Celsius. Zwölf Monate alt können Zitronenfalter werden. Rekord unter den heimischen Schmetterlingen!

Wenn wir jetzt strahlend gelbe Exemplare sehen, staunen wir über die nächste Generation. Gerade aus der Puppe geschlüpft, fallen sie schon nach wenigen Tagen in einen Sommerschlaf. Im Herbst können wir den Zitronenfalter dann wieder fliegen sehen – bis zur Winterstarre. Ein extrem komplexer Lebenszyklus. Tropische Schmetterlinge mögen größer und bunter sein, doch mit den heimischen teilen sie dieselben Geheimnisse. "Was mich so fasziniert, ist das Wunder der Metamorphose", sagt BUND-Experte Mark Hörstermann. "Die so unterschiedlichen Lebensabschnitte Ei, Raupe, Puppe, Falter – als wäre es jedesmal ein anderes Lebewesen."

Beim Großen Schillerfalter, Schmetterling des Jahres 2011, zeigt sich dieses Wunder besonders eindrucksvoll: Im Sommer treffen sich Männchen und Weibchen zur Paarung in den Wipfeln hoher Eichen oder Buchen. Die Eier, kleine grüne Halbkugeln, kleben dann an Blättern der Sal-Weide. Kaum geschützt, doch gut getarnt überwintert die Raupe an den Weidenzweigen. Im Frühjahr färbt sie sich von Tarnbraun zu frischem Grün, um sich schließlich zu einer Puppe zu entwickeln. Flach, grün und mit feiner Aderzeichnung, kann man sie kaum von einem echten Blatt unterscheiden. Bis Ende Juli flattern dann die fertigen Schillerfalter – und der Wunderkreislauf beginnt wieder von vorn.

Autor: Kai Riedemann