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Mit Schönheit betören männliche Paradiesvögel die Weibchen.

Prächtige Beinkleider: Mit Schönheit betören männliche Paradiesvögel die Weibchen. - Foto © picture alliance / Arco Images G

Dschungel-Casanovas

Paradiesvögel auf Brautschau

Mit Schönheit betören männliche Paradiesvögel die Weibchen. Sonst wird sie ihnen eher zum Verhängnis. Paradiesvögel leben ausschließlich in den Urwäldern der Insel Neuguinea und einiger ihrer kleinen Nachbarinseln sowie an der Nordostspitze Australiens.

Kommt es bei Männern auf Schönheit an? Auf die Farbenpracht ihrer Erscheinung, auf leidenschaftlichen Tanz und auf betörenden Gesang? Hoffentlich nicht, werden weltweit 99 Prozent aller Kerle in kluger Selbsterkenntnis antworten, seien sie nun Mensch oder Tier. Und doch gibt es ein Reich auf dieser Erde, in dem die Weibchen von 39 Arten einer Vogelfamilie komplett unscheinbar sind – und die Männchen von nahezu überirdischer Schönheit.

Von morgens bis abends tun diese nichts anderes, als gut auszusehen, schön zu singen und aufreizend zu tanzen. Jahrein, jahraus. Allerdings gibt es in diesem Reich noch mehr Merkwürdigkeiten – etwa Säugetiere, die Eier legen, Kängurus, die auf Bäumen leben, und Schmetterlinge, die so groß wie Suppenteller werden.

Am anderen Ende der Welt

Man muss weit reisen zu diesem phänomenalen Reich, das sich über Neuguinea erstreckt, über einige seiner Nachbarinseln und die Nordostspitze Australiens. Einen ganzen Flugtag liegt es von uns entfernt. Wenn man dann noch einige Tage in den Dschungel marschiert, findet man die Vögel, über die David Attenborough, der wohl prominenteste Tierfilmer und Fachautor der Welt, einst schrieb: "Fantastisch, zauberhaft, die schönsten Tiere, die ich je gesehen habe."

Attenborough, 1985 von Queen Elizabeth II. geadelt und 1993 von HÖRZU mit der GOLDENEN KAMERA ausgezeichnet, bemerkt in einem seiner Werke: "Diese einzigartigen Vögel verdienen wahrhaftig ihren Namen: Paradiesvögel."

Paradiesvögel Krieger Neuguineas

Mit fremden Federn: Die Krieger Neuguineas schmücken sich wie Vögel – mit deren Gefieder. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

So schön kann doch kein Mann sein: mit Farben von metallisch hartem Glanz, mit wehenden, endlos langen Schwanzfedern, die der Vogel zum Vibrieren bringt, die bei raschen Bewegungen wie eine Schleppe hinter ihm herwehen. Wie eine Blume kann er das bunte Gefieder auffalten, es wie ein Ballettröckchen um die Körpermitte legen. Dann sieht er bei seinem rasenden Tanz aus wie ein Derwisch. Die Männchen zelebrieren ihre Balz auf dem Waldboden und auf Ästen in den Baumwipfeln. Sie tanzen allein oder in Gruppen von mehreren Rivalen, aus denen sich die Weibchen dann ihren Traummann aussuchen können.

Sie tanzen und präsentieren sich nach kühler Planung. Vorher nämlich machen sie am Boden den Platz sauber, oben in den Bäumen pflücken sie Blätter ab, damit die Sonne durchscheint, ihre Show perfekt ausleuchtet und die Farben ihrer Federn richtig zum Strahlen bringt. Dann singen sie auch noch – Paradiesvögel sind mit den Krähen verwandt. So teilen sie allen mit, dass sie gleich losgehen wird, die große Schau. Glaubt da noch einer, dass es den Weibchen auf innere Werte ankommt, auf Mut, Treue und Hilfe bei der Jungenaufzucht? Irrtum!

Die unscheinbaren Hennen wollen den Dschungel-Casanova, den Schönling im Disco-Fieber, der nichts in der Birne hat als Tanz. Und wenn die Damen ihre Wahl getroffen haben – sie entscheiden sich fast alle für denselben –, dann setzen sie sich neben ihn, und die Paarung ist in Sekundenschnelle vorbei. Dafür der ganze Aufwand?

Als ob dem Hahn die Paarung gar nicht wichtig wäre, eilt er zurück, um sich wieder zu präsentieren, um zu tanzen und zu singen. Das Weibchen aber sucht sich eine geschützte Stelle für ein Nest, legt bald zwei Eier, brütet sie in zwei Wochen aus und zieht die Küken groß. Unwahrscheinlich, dass sie den bunten, aufgedrehten Schreihals dabeihaben möchte, der doch nur Feinde anlocken würde. Kaum hat er Mutters Fittiche verlassen, beobachtet der männliche Nachwuchs aber den Balzplatz und schaut sich aus der Ferne an, welche Tänze, Farben und Gesänge gerade bei den Weibchen ankommen. Dann versucht er, dies zu kopieren, wenn er mal groß ist.

Federn für Fürsten

Seit im Jahr 1522 der erste Paradiesvogelbalg Europa erreichte, wurden die Federn zum Schmuck der Fürsten und Reichen. Die Tiere wurden so intensiv bejagt, dass einige Arten Mitte des vorigen Jahrhunderts auszusterben drohten und alle 39 Arten unter strengen Schutz gestellt wurden. Dennoch gehen jährlich Zehntausende Vögel in die Falle und werden ins Ausland geschmuggelt. Bis zu 40.000 Dollar zahlen Sammler für ein Prachtexemplar.

David Attenborough besuchte einmal auf Neuguinea ein entlegenes Dorf und beobachtete die Männer dort beim Tanz. Jeder von ihnen, so schätzte Sir David, hatte sich mit den Federn von 40 Paradiesvögeln geschmückt. Allein dieser Stamm hatte, vermutete Attenborough, für seinen Schmuck 20.000 Paradiesvögel getötet. Würde man den höchsten Schwarzmarktpreis, der sich im Westen erzielen ließe, auf diese 20.000 toten Vögel anlegen, säße das bettelarme Urwalddorf auf einem Schatz von 800 Millionen Dollar. Eine absurde Rechnung – natürlich. Aber eine, bei der einem schwindelig wird.

Autor: Walter Karpf