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Paradies für Bären

Paarung: Im Mai und Juni kommen Bär und Bärin zusammen, aber nur für kurze Zeit. / Foto © Graf/Sonvilla/Haasmann/Frederking & Thaler Verlag

Slowenien

Paradies für Bären

Seltene Einblicke: So friedlich leben die größten Raubtiere unseres Kontinents im waldreichen Slowenien. Rund 750 bis 950 Braunbären leben inzwischen hier.

Eigentlich ist er ein Einzelgänger. Nur einmal im Jahr sucht er die Nähe eines Weibchens. Für eine kurze Zeit im Mai und Juni bleiben die beiden zusammen – bis zur Paarung. Bären in dieser Phase aufzuspüren und im Bild einzufangen sei ein Glückstreffer, sagt Christine Sonvilla. Seit 2015 begibt sich die Österreicherin in Slowenien auf die Spur der Braunbären, gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Marc Graf und ihrem Kollegen Robert Haasmann. Nun präsentieren die drei Fotografen ihre außergewöhnlichen Fotos in einem Bildband.


Buchtipp: Sonvilla, Graf, Haasmann: Unter wilden Bären. Frederking & Thaler,168 Seiten, 29,99 € / Foto © Graf/Sonvilla/Haasmann/Frederking & Thaler Verlag

Verwunschen, lieblich, fast unverfälscht: Mitten in Europa liegt ein Mittelgebirge wie aus einer märchenhaften Vergangenheit. Rund 50 Kilometer südlich von Ljubljana wachsen auf Hügeln und Bergen Buchen, Fichten und Tannen, dicht an dicht, bis in knapp 1000 Meter Höhe. Der Boden besteht aus Karstgestein, ist von Furchen, Rissen und Spalten durchzogen. Es gibt viele Orchideenwiesen. Die urwüchsige, aber dicht besiedelte Landschaft bietet eine Zuflucht für seltene Tiere – vor allem ist sie ein einzigartiges Bärenland.

Einst wurden die Braunbären in Europa weitgehend ausgerottet. Heute kommen sie hauptsächlich noch in Skandinavien und in einigen Regionen Osteuropas vor. Und in Slowenien, das gerade mal so groß ist wie Sachsen-Anhalt. Die Population besteht nach neuen Erhebungen aus 750 bis 950 Exemplaren.


© Graf/Sonvilla/Haasmann/Frederking & Thaler Verlag

Für ihr Projekt "Leben am Limit" richten die Fotografen ihren Blick auch auf diese Bären. Dafür gehen sie auf die Pirsch und bringen Kameras mit Bewegungsmeldern in bissfesten Boxen an. Oder sie harren stundenlang in einer engen, selbst konstruierten Tarnhütte aus. Dort wird Sonvilla stets bewusst, "dass dies eine Welt ist, in der wir nur Zaungäste sind".


Fotofalle: Ein Bär tritt ina Feld des Bewegungsmelders, der eine montierte Kamera auslöstFoto © Graf/Sonvilla/Haasmann/Frederking & Thaler Verlag

Mit Bären auf Tuchfühlung – wenn das nicht aufregend ist! Aber auch gefährlich? Eine imposante Erscheinung ist das Tier auf jeden Fall. Die Riesen messen im Stehen bis 2,80 Meter. Die meisten Männchen wiegen 130 bis 260 Kilogramm. Bären laufen ausgesprochen schnell: Auf kurzer Distanz erreichen sie über 50 Stundenkilometer.

Sie sind wahre Muskelpakete und "uns zweifelsohne überlegen", so Sonvilla. "Ihre beeindruckende Statur, ihre körperliche Kraft mögen furchteinflößend sein." Fakt aber ist: Ein Bär betrachtet Menschen nicht als potenzielle Beute, er geht ihnen aus dem Weg. Er greift nur an, wenn er verletzt ist, überrascht oder provoziert wird. "Also niemals einen Bären in die Enge treiben", rät die 37-jährige Fotografin. "Und nicht zu nah an die Jungen gehen. Die Mutter empfindet jeden, der sich ihnen nähert, als Bedrohung."


Mutterliebe: Eine Bärin wendet sich behutsam ihrem Jungen zu. / Foto © Graf/Sonvilla/Haasmann/Frederking & Thaler Verlag

Ansonsten bleibt der Bär ein scheues Raubtier. Auch die Jagd ist nicht sein Ding. "Er grast in Wiesen, zupft Blätter von Zweigen oder nascht Beeren. 80 Prozent seiner Nahrung sind vegetarisch", weiß Sonvilla. Dazu gönnt er sich Ameisen, Wespen, Bienen oder Larven als Proteinsnacks und schleckt Honig. Bienenstöcke werden in Slowenien mit Elektrozäunen geschützt oder im Obergeschoss des Imkerhauses angelegt, unerreichbar für die Schleckermäuler.

"Vorbildlich", meint die ausgebildete Ökologin. "Bärenschäden treten verstärkt dort auf, wo die Menschen es verlernt haben, mit den Beutegreifern zu leben, und es an Schutzmaßnahmen mangelt."


Standpunkt: Ein Bär stellt sich auf die Hinterbeine, um einen besseren Überblick zu haben. Stehend sind die Bären bis zu 2,80 Meter groß. / Foto © Graf/Sonvilla/Haasmann/Frederking & Thaler Verlag

Die Slowenen wissen nicht nur mit Bären auszukommen, sondern auch, wie wichtig sie für das Ökosystem Wald sind. "Sie verbreiten Pflanzensamen über ihr Fell und ihren Kot", sagt Sonvilla. Zudem fressen sie krankes und totes Wild. So verhindern die Tiere, dass sich Krankheiten ausbreiten. Die Fotografin ist überzeugt: "Ohne Bären gibt es keinen vollständigen, gesunden Wald."

Autor: Anja Matthies