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Asiens Tiger sind akut vom Aussterben bedroht.

Tiger sind akut vom Aussterben bedroht. Innerhalb der letzten Hundert Jahre ist ihr Bestand in freier Natur um dramatische 96 Prozent zurückgegangen. Heute streifen noch etwa 4000 Tiger durch die Dschungelgebiete Asiens. - Foto © ZDF / Axel Gomille

Im TV: Planet E, 21.07., 14.45 Uhr, ZDF

Naturschützer retten Asiens Tiger

Asiens Tiger sind vom Aussterben bedroht. Nun soll ein gewagtes Experiment helfen, den Bestand zu sichern. Naturschützer versuchen, Tiger aus Gehegen wieder in freier Natur auszuwildern.

Seine allererste Begegnung mit einem wilden Tiger in Indien liegt bereits 20 Jahre zurück, doch Axel Gomille erinnert sich noch heute mit Gänsehaut daran: "Diese geballte Kraft, diese majestätische Eleganz – einfach überwältigend. Das ist ein Eindruck, den man niemals vergisst." Die Euphorie des Zoologen trüben allerdings besorgniserregende Fakten: "Die Zukunft der wilden Tiger Asiens sieht düster aus. Ihre Zahl ging in den vergangenen 100 Jahren um ganze 96 Prozent zurück."

Asiens Tiger Naturschützer

Arbeitselefanten haben eine wichtige Funktion bei der Suche nach Tigern, weil sie furchtlos und sehr geländegängig sind. Auch für die Dreharbeiten leisteten sie wichtige Dienste. - Foto © ZDF / Axel Gomille

Regisseur Axel Gomille reiste immer wieder nach Indien, wo etwa 1700 der verbliebenen 4000 asiatischen Tiger leben, und schrieb Bücher über seine Abenteuer (etwa "Indien: Im Land der Tiger und Tempel", Tecklenborg, 160 Seiten, 38,50 Euro).

Natürlich war er auch dabei, als Naturschützer jetzt ein bislang einzigartiges Experiment wagten, das für einige Bestände die letzte Rettung darstellen könnte. Für das ZDF drehte der Diplom-Biologe darüber eine spannende Doku (siehe TV-Tipp rechts).

Ausgerottet – selbst im Reservat

Axel Gomille kennt die besondere Gefährdung der indischen Raubkatzen: "Während es bei den Sibirischen Tigern einen Austausch zwischen den Populationen gibt, leben die Bestände in Indien sehr vereinzelt, man könnte fast sagen 'verinselt'. In einem Gebiet gibt es vielleicht 30, in einem anderen 17 Exemplare." Zudem werden selbst in geschützten Zonen wie den Nationalparks Panna und Sariska noch Tiger von Wilderern erlegt, ja sogar ausgerottet – unter den Augen der Behörden. Ihre einzige Überlebenschance besteht darin, dass Naturschützer dort wieder einzelne Tiere auswildern.

Asiens Tiger Naturschützer

Verwaiste Jungtiere sind die Hoffnung für Indiens Tigerbestand. Sie werden ausgewildert und könnten ehemalige Tigerreviere neu besiedeln. - Foto © ZDF / Axel Gomille

Vor acht Jahren ergab sich im Bundesstaat Madhya Pradesh dann die einmalige Chance: Man fand zwei Jungtiere, deren Mutter von einem anderen Tiger getötet worden war. "Früher wären sie in den Zoo gekommen", berichtet Gomille. "Dieses Mal aber entschieden sich die Artenschützer, sie von Hand aufzuziehen und später in die Wildnis zurückzubringen." Ein großes Wagnis. Würden die Waisen lernen, sich selbstständig zu ernähren, ohne von der Mutter in die Technik des Jagens eingeführt worden zu sein? Würden sie sich zu sehr an ihre Helfer gewöhnen und später immer wieder die Nähe von Menschen suchen – die diese Nähe als Bedrohung empfinden und die Tiere töten könnten?

Das Experiment, bislang einzigartig, barg viele Risiken. Sollte es jedoch gelingen, wäre ein Wege zum Schutz der letzten Tiger gefunden. Deshalb beteiligte sich auch die Naturschutzorganisation WWF an dem Projekt, die mit der "Tigers Alive Initiative" das Ziel verfolgt, die Zahl wild lebender Raubkatzen in den nächsten zehn Jahren auf 6000 Tiere zu erhöhen.

Die beiden Tigerweibchen, schlicht T4 und T5 genannt, wurden zunächst in einem mehrere Hektar großen Gehege gehalten, danach in zwei getrennten – ohne jeden direkten Kontakt zu Menschen. Später wurden Beutetiere in den Gehegen ausgesetzt – und tatsächlich erprobten sich beide Raubkatzen so in der Jagd. Axel Gomilles Doku begleitet Tigerin T4, die nach sechs Jahren im Gehege kurz davor steht, im Nationalpark Panna ausgewildert zu werden.

Die Nervosität der Naturschützer steigt. Nun wird sich zeigen, ob die Arbeit der letzten Jahre Früchte trägt – oder völlig umsonst war. Wird T4 mit der neuen Situation zurechtkommen? Gomilles Film folgt ihren ersten Gehversuchen in der Freiheit. Die ZDF-Reportage aber hat einen weiteren Helden: Daulat Singh Shaktawat, einen Ranger des Nationalparks Ranthambhore. "Er wurde zu Hilfe gerufen, als ein Tiger in ein Dorf eindrang und dort einen Büffel tötete", erzählt Gomille. Die Dorfbewohner kreisten das Tier ein und bewarfen es mit Stöcken und Steinen, bis es sich völlig verängstigt in einem Feld verschanzte.

Eine Liebe, die Wunden gräbt

Als der Ranger kam, um den Tiger zu betäuben und wegzubringen, floh dieser panisch und verletzte den Mann dabei schwer. "Er verlor ein Auge und trug im Gesicht riesige Narben davon", so Gomille. "Trotzdem ist er dem Tier nicht böse: 'Es wollte einfach nur weg und hatte keinen Platz. Das war Pech', sagte der Ranger. Diese unfassbare Toleranz hat mich tief beeindruckt. Der Mann ist noch immer totaler Tigerfan."

Autor: Thomas Röbke