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Obwohl er ein Raubtier ist, lässt der Wal die Menschen meist in Ruhe

Obwohl er ein Raubtier ist, lässt der Wal die Menschen meist in Ruhe - Foto © BR/Hydra Institut

Welt der Tiere

Naturfilm über Pottwale

Sie sind die größten Raubtiere der Erde: bis zu 18 Meter lang und 50 Tonnen schwer. Trotzdem ist es kaum möglich, die Giganten mit dem markanten quadratischen Schädel im Mittelmeer ausfindig zu machen. Mit einer Gruppe von Meeresforschern begab sich Tierfilmer Florian Guthknecht auf die Suche: Sein Film "Pottwale – Riesen im Mittelmeer" beschreibt diese spannende Abenteuerreise (siehe TV-Tipp).

"Es ist ein seltenes Glück, sie zu finden und zu beobachten", sagt Guthknecht. Die Gruppe will die Geheimnisse der Pottwale ergründen. Rätsel gibt es viele. Besonders über das Sozialverhalten ist wenig bekannt. Nur so viel: Die Tiere kommunizieren in einer eigenen Sprache und finden selbst aus Hunderten Kilometern Entfernung zusammen. Wie das funktioniert, ist völlig unklar. Um mehr über die mysteriösen Riesen zu erfahren, muss die Truppe sie erst einmal finden. Eine echte Herausforderung. Laut Schätzungen leben nur noch 200 Pottwale im östlichen Mittelmeer, genauer im Hellenischen Graben, der sich fast 900 Kilometer die Ionische Inselgruppe entlangzieht bis hinunter nach Kreta.


Der Gesang der Wale

Von Korfu aus geht es im Katamaran Richtung Süden. "Fischer berichten, dass die Tiere im Frühsommer in diese Richtung ziehen", so Guthknecht. "Aber es ist nur eine Theorie." Stimmt sie? Die Forscher haben keine Wahl. Von sechs Uhr morgens bis spätabends wechseln sich die Crewmitglieder bei der Beobachtung der Meeresoberfläche ab. Um die Tiere akustisch zu orten, nutzen die Forscher ein Hydrophon, das die "Gesänge" der Wale in einem Umkreis von fünf Kilometern erkennt und in Töne umwandelt, die für das menschliche Ohr wahrnehmbar sind. Damit die Motorgeräusche das Gerät nicht übertönen, muss das Boot ständig angehalten werden.

Das Warten ist zermürbend, die Besatzung frustriert. Doch dann, nach 200 Kilometern vergeblicher Fahrt, ertönt plötzlich ein Pfeifen. Und er taucht auf: ein elf Meter langer Wal. Doch er ist rasant unterwegs und mit seinen 20 Stundenkilometern zu schnell für das Boot. Es kann nicht folgen. Immerhin hat ein Wissenschaftler die Schwanzflosse fotografiert. Ähnlich wie ein menschlicher Fingerabdruck ist sie einmalig. So können Wissenschaftler die Tiere registrieren und identifizieren.

Wal
Pottwale leben im Hellenischen Graben, der sich vor Griechenland fast 900 Kilometer die Ionischen Inseln entlangzieht - Foto © BR/Hydra Institut


Wale und Delfine - die Spitze des Ökosystems

"Nur wenn man die Routen der Wale erfasst, kann man sie wirksam schützen", sagt Guthknecht. Die Tiere sind bedroht: Früher wurden sie gejagt, heute gefährdet sie vor allem die Vermüllung der Meere. Im vergangenen Jahr verendete ein Wal qualvoll vor Spaniens Küste. In seinem Magen fand man 17 Kilogramm Abfall: Matratzenteile, Kleiderbügel, Folien, einen Gartenschlauch und Blumentöpfe – eine halbe Gärtnerei. Das Tier verhungerte, weil sein Magen verstopft war. Eine weitere Gefahr stellt Lärm dar: Durch das Dröhnen der Schiffsmotoren verlieren die Tiere die Orientierung. Bedrohliche Entwicklungen. "Wale und Delfine sind die Spitze des Ökosystems. Wenn sie aussterben, gerät alles aus dem Gleichgewicht", so Guthknecht.

Die griechische Meeresbiologin Evi Tsougiopoulou zweifelt zudem daran, dass die geschätzte Zahl von 200 Walen im Hellenischen Graben stimmt. Seit Jahren versucht sie, die Tiere zu registrieren, wird aber kaum noch fündig. "Es fehlt an Geld für die notwendige Forschung", sagt sie. 2013 fuhr sie deshalb auf eigene Faust mit Fischern aufs Meer, um ihre Arbeit fortzuführen.


Ein unbeschreiblicher Moment

Die Expedition mit Tierfilmer Guthknecht scheint ihr recht zu geben. Wochenlang hofft die Crew vergeblich auf eine Begegnung mit einer Walherde. Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt, als die Wasseroberfläche plötzlich in Bewegung gerät. "Da!" Aufgeregt zeigt Tsougiopoulou aufs Wasser: "Ein Junges." In diesem Moment tauchen zwei weitere Tiere auf. Es werden immer mehr. Eng beieinander schwimmt schließlich ein Dutzend neugierig ums Boot. Guthknecht lässt sich die Chance nicht entgehen und springt ins Wasser. Angst hat er nicht, obwohl ihn die Wale genau abscannen: "Immer wieder tasteten sie mich mit ihrem körpereigenen Sonar ab, ihren Schallwellen. Diese durchdringen den ganzen Körper, es fühlt sich an wie ein tiefer, harter Bass. Mit intensiven Klicks können Pottwale ihre Beute sogar betäuben. Es ist eine Art akustische Jagdwaffe." Doch die Wale bleiben friedlich. "Ein unbeschreiblicher Moment, den ich nie vergessen werde", sagt der Naturfilmer. "Die Begegnung mit der Herde macht uns Hoffnung. Vielleicht haben die sanften Riesen des Mittelmeers doch noch eine Chance."

Autor: Thomas Kunze