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Raubfische   - Foto © BR/Masa Ushioda/WaterFrame

Für eine spektakuläre Naturdoku gingen Biologen auf Tauchstation: Sie waren den
gefürchteten Unterwasser-Jägern auf der Spur. - Foto © BR/Masa Ushioda/WaterFrame

Welt der Tiere

Naturdoku: "Im Meer der Jäger"

Angst kennt der Braune Zackenbarsch nicht. Die Flossen gespreizt, die Rückenstacheln aufgerichtet – so macht er dem Taucher klar, wer hier der Herr der Felsenküste ist. Für Christian Lott, Meeresbiologe und Dokumentarfilmer, geht mit dieser Begegnung ein Traum in Erfüllung. Noch nie hat er einen Zackenbarsch von solcher Größe gesehen. Es bleibt nicht der einzige magische Moment.

In der Ferne blitzt es silbern: Hunderte von Barrakudas! Die Raubfische mit ihren spitzen Zähnen versammeln sich stets zu bestimmten Tageszeiten an denselben Plätzen. Überwältigt taucht der Biologe auf. Das Meer lebt – in dieser ursprünglichen Vielfalt allerdings nur noch in abgeschotteten Schutzgebieten. Lotts Expedition findet vor der Insel Pianosa statt, 15 Kilometer südlich von Elba. Pianosa diente als Gefängnisinsel und gehört heute zum Nationalpark Toskanischer Archipel. Hier hatte der Mensch keine Chance, ins Gleichgewicht der Natur einzugreifen. "Der Unterschied zwischen solchen Schutzzonen und den umliegenden Gewässern ist gewaltig", sagt Experte Lott. "Das gilt für alle Weltmeere."
In Schutzzonen erleben Forscher noch das Ökosystem, wie es einst war. Und dazu gehören eben die großen Raubfische. Lott: "Nur wenn die Jäger überleben, ist die Welt unter Wasser intakt."


Raubfische
Ein Schwarm Blauflossen-Thunfische. - Foto © BR/Franco Banfi/WaterFrame.

Große Haie, kleine Fische

Wer Urlaub etwa am Mittelmeer macht, sieht höchstens kleine Fische. "Es gibt dort aber auch über 70 Haiarten“, erklärt Christian Lott. „Darunter der Riesenhai, der neun Meter lang wird, oder der Sechskiemerhai, der sich bevorzugt im tiefen Wasser aufhält.“ Schwertfisch, Thunfisch, Orca – sie alle sind im Mittelmeer als Räuber unterwegs. Für eine neue Doku (siehe TV-Tipp) ist Christian Lott diesen Killern auf der Spur. Von seiner Forschungsstation auf Elba startet sein Team zu Tauchgängen. Lott: "Schon das Aufspüren der Tiere wird mittlerweile zum Problem." Mit Fischabfällen versucht er, Haie vor die Kamera zu locken.

Die sensiblen Sinnesorgane der Jäger erspüren das Fischblut, auch wenn es kilometerweit entfernt ist. Früher wurden rund um Elba viele Blauhaie gefangen. Und jetzt? Keine Spur. Die wenigen überlebenden Zackenbarsche flüchten bei der kleinsten Bewegung im Wasser. Sie sind scheu geworden. Ihr Fleisch gilt als wohlschmeckend, sie werden gnadenlos gejagt. Auch die ehemals riesigen Thunfischschwärme sieht man nur noch selten. So wehrhaft Raubfische auch sind, gegen den Menschen haben sie keine Chance. Lott: "Zackenbarsche leben in festen Revieren. Sind die erst mal entdeckt, reichen ein paar Tauchgänge, und die Riesen sind erledigt." Haie landen immer wieder als Beifang in den Fischernetzen. Vor allem Langleinen mit Tausenden Haken bringen den Tod. Ein weltweites Problem: Laut einer WWF-Studie gilt Beifang als Hauptursache für das Verschwinden von 89 Prozent der Hammerhaie und über 50 Prozent der Makohaie aus dem Nordwest-Atlantik.

Tödliches Treibgut

"Hinzu kommt, dass Haie praktisch alles fressen", mahnt Lott, "auch Plastik." Plastik, das nicht verrottet und für die Tiere zur Todesfalle wird. Lott: "Ihr Magen ist voll mit dem unnützen Zeug, das keine Nährstoffe liefert. So müssen sie schließlich verhungern." Auch Thunfische und Meeresschildkröten gehören zu den Opfern. Die großen Räuber, sie verschwinden aus den Meeren. Nur in Schutzzonen wie vor Pianosa kann man noch erkennen, wie alles Leben unter Wasser auf wundersame Weise miteinander verwoben ist.

Autor: Kai Riedemann