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Junge Nasenbären strotzen nur so vor Energie.

Junge Nasenbären strotzen nur so vor Energie. / Foto: © dpa

Kleine Energiebündel

Nasenbären: Hier haben die Weibchen das Sagen

Männer müssen keine Machos sein. Bei den Nasenbären etwa kommt nur der Kerl zum Zug, der den Weibchen gegenüber besonders unterwürfig ist. Kraftmeierei? Durchsetzungsvermögen? Imponiergehabe? Ist hier nicht gefragt. Nur das Männchen, das den Damen besonders schöntut, gilt als attraktiv. Wer dem Weibchen unter Zirplauten geduldig das Ungeziefer aus dem Fell zieht, die schönsten Leckerbissen mit ihm teilt und selbst Prügel klaglos einsteckt, kurz: Wer bis an die Grenze zur Selbstaufgabe geht, darf sich anschließend nachts in den Baumwipfeln paaren. Und zwar nicht nur mit einem Weibchen, sondern mit allen Nasenbärinnen einer Gruppe – was zehn und mehr sein können. Nur er wird der Vater aller Jungen dieses Jahres.


Videos zu Nasenbären:


Zur Geburt zieht sich eine Nasenbärenmutter drei Monate später in ein Baumnest zurück und bleibt dort mit ihren zwei bis sieben Jungen etwa fünf Wochen lang allein. Dann kehrt sie mit dem Nachwuchs in die Weibchengruppe zurück, wo die Kleinen das Kommando übernehmen. Wenn sich die Weibchen mittags in der Dschungelhitze auf die Bärenhaut legen und Siesta halten, ist für die Kinder noch lange nicht Schluss.

Turbulente Kinderstube

Die kleinen Energiebolzen trampeln auf den müden Müttern herum, toben unter Heidenradau über sie hinweg, schwingen sich wie Tarzan an Lianen durch den Urwald, zanken, klettern, lärmen und gönnen ihren Müttern keine Ruhe: Sie stecken ihnen ihre langen Nasen in Ohren und Mundwinkel, unter die Achseln und sonst wohin. Sie dürfen das alles tun, sie haben die Hektik ja von ihren Eltern geerbt. Erstaunlich: Obwohl die Kleinen solche Nervensägen sind, können einige Nasenbärenmütter nicht genug von ihnen kriegen und rauben anderen Weibchen sogar deren Babys.

Zwar sind diese mittel- und südamerikanischen Tiere auch Bären und eng mit den Waschbären verwandt, doch sie haben so gar nichts Gemütliches an sich. Sie suchen und graben ständig nach Würmern, Spinnen, Larven, Früchten und anderen Leckerbissen, sie wuseln herum und pflegen ein ähnlich aktives Sozialleben wie Affen. Sie wühlen mit ihren Schnauzen im Boden wie Schweine, sind hektisch wie Wiesel und verschmust wie Hunde.

Der berühmte Zoologe Alfred Brehm schrieb einst: Wenn man sie kraulte, "waren sie ganz außer sich vor Vergnügen. Sie legten sich auf den Rücken und schrien anscheinend vor Wollust: ‚Hä, hä, hä.‘"

In erster Linie aber sind die katzengroßen Nasenbären Raubtiere, deren Fantasie bei der Beutesuche grenzenlos ist. Und sehr innovativ. So haben die raffinierten Racker gelernt, Touristengruppen auszunehmen, wenn der Bus für eine Rast stoppt. Sie greifen schamlos in Handtaschen, klettern an Hosenbeinen hoch oder springen gleich auf den Arm – den niedlichen Tieren will dann keiner mehr die Schokolade oder den Apfel versagen.

Raffinierte Futterräuber

Tapiren haben sie einen besonderen Trick beigebracht: Die kleinen Räuber stupsen die großen Tapire mit den Nasen unter den Bauch. Das heißt: Hinlegen! Wenn sie die Tiere derart flachgelegt haben, machen sie sich schmatzend über die Zecken in deren Fell her. Am Ende sind die Tapire ihre Quälgeister los, und die Bären hatten eine leichte Mahlzeit.

Ist die Brunftzeit zu Ende, übernehmen die Weibchen ihre Fellpflege wieder selbst, lausen und kämmen sich eigenhändig. Auf Dankbarkeit darf das ausgebeutete Männchen nicht hoffen. Es hat seine Schuldigkeit getan und kann gehen. Wenn es sein muss, mit einem Tritt.


Sendehinweis: ''tierisch gut! Bärenbabys und Krokokinder''

Doku über Tiernachwuchs, u. a. bei Nasenbären
SA, 27.4., Das Erste, 10.30 Uhr

Autor: Walter Karpf