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Murmeltiere in den Alpen

Alpenmurmeltiere im Nationalpark Hohe Tauern. - Foto: © picture alliance / Arco Images GmbH

Kluge Nager

Murmeltiere

Vor wenigen Tagen hat Moritz die Augen geöffnet, nun erkundet er schon neugierig seine Umgebung. Das kleine Murmeltier ist knapp fünf Wochen alt – und wie alle Babys braucht es viel Zuwendung und Körperkontakt. 480 Gramm wiegt Moritz jetzt. Wenn er bis Oktober für den Winterschlaf gerüstet sein soll, muss er noch tüchtig zulegen. Zum Milchfläschchen füttert Ziehvater Herbert ein bisschen Salat. Nach 30 bis 40 Tagen können Murmeltiere feste Nahrung zu sich nehmen.


TV-Tipp

"Zeit für Tiere"
Ein Hausbesuch bei dem zahmen Murmeltier Moritz am Großglockner
Samstag, 16.11., BR, 15.00 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts)


Herbert Haslinger, der "Mankeiwirt", hat sein Gasthaus an der Großglockner Hochalpenstraße im Nationalpark Hohe Tauern. Ein Paradies für Alpenmurmeltiere. Ganz in der Nähe lebt eine Großfamilie, bei der der Gastronom regelmäßig nach dem Rechten sieht. Die Tiere sind an ihn gewöhnt und zutraulich geworden. So nah kommt man den scheuen Nagern, nach Biber und Stachelschwein die drittgrößten in Europa, nur sehr selten. Denn auf ungebetene Besucher pfeifen sie bekanntlich.

Klang der Warnrufe

Murmeltiere verständigen sich mit schrillen Pfiffen, den Klang dieser Warnrufe vererben sie sogar an ihre Jungen. Neben seinem feinen Gehör verfügt das "Mankei", wie es in Bayern heißt, über Weitblick: Die seitlich liegenden Augen erweitern die Perspektive.

Murmeltiere im Familienbund
Alpenmurmeltiere mit Jungtier im Nationalpark Hohe Tauern. - Foto: © picture alliance / Arco Images GmbH

Der Geruchssinn ist bei Murmeltieren dagegen eher schwach entwickelt. Dafür besitzen sie an den Backen Duftdrüsen, an deren Ausscheidungen sich Artgenossen untereinander erkennen. Dazu müssen sie sich allerdings entsprechend nahe kommen. Deshalb stecken Murmeltiere zur Begrüßung auch die Köpfe zusammen und reiben die Nasen aneinander.

Moritz hat unterdessen zu Hause Gesellschaft bekommen und beschnuppert Murmeltierdame Murmi, die Herbert Haslinger ebenfalls aufgezogen hat. Sie ist etwa acht Jahre alt. Die beiden könnten mal ein Paar werden, trotz des Altersunterschieds. Allerdings frühestens 2015: Dann ist Moritz zwei Jahre alt und geschlechtsreif.

Paarungszeit der Murmeltiere

Die Paarungszeit der Murmeltiere findet nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf im Mai statt, im Juni sind sie schon reichlich spät dran: Die Tragzeit der Weibchen beträgt fünf Wochen, danach müssen die Jungen noch genug Zeit haben, sich das nötige Speckpolster zuzulegen. Ein ausgewachsenes, gut genährtes Murmeltiermännchen bringt bis zu acht Kilogramm auf die Waage. Für den sechsmonatigen Winterschlaf, wenn die Körpertemperatur auf unter fünf Grad sinkt, werden gut 1200 Gramm Körperfett extra gebraucht.

Murmeltiere im Familienbund
Alpenmurmeltiere mit gut genährtem Jungtier. - Foto: © picture alliance / Arco Images GmbH

Nahrung der Murmeltiere

Murmeltiere sind Vegetarier und ernähren sich vor allem von Gräsern und Kräutern, angereichert mit Proteinbeilagen wie Larven, Insekten oder Regenwürmern. Im Spätsommer sind sie vollauf damit beschäftigt, Heu einzubringen – nicht etwa als Nahrungsvorrat, sondern für die heimelige Winterschlafstatt. Eine Familie lagert allein bis zu zehn Kilo Heu ein – das im Frühling fein säuberlich wieder ausgeräumt wird.

Im Winter ist das mildere Klima an den bevorzugten Südhängen ideal, im Sommer wird es Murmeltieren schnell zu mollig. Deshalb lassen sie sich auch nicht in Tälern nieder, sondern erst oberhalb der Baumgrenze. Die Pelzträger haben nämlich kaum Schweißdrüsen, Temperaturen über 20 Grad werden schnell anstrengend. Über Mittag ziehen sie sich möglichst in ihren Bau zurück und halten Siesta.

Trotzdem kann man beobachten, wie sie auf Felsen oder vor ihrem Bau ausgestreckt in der Sonne liegen wie auf einer Terrasse. Das dient der Körperpflege: So werden Ungeziefer und eventuelle Parasiten abgetötet, die sich leicht im Fell einnisten können. Wenn man so viel Zeit in kühler, feuchter Erde verbringt, ist das nicht zu vermeiden.

Der Bau der Murmeltiere

Murmeltiere entfernen sich ungern weiter als 100 Meter von ihrem Bau, der oftmals über Generationen immer weiter ausgebaut wird. Sie sind sesshaft und häuslich. Daher ist es für die Männchen auch gar nicht so leicht, ein eigenes Revier zu finden und eine Familie zu gründen. Höchstens jedes zehnte bringt es zum Alphatier. Die vermeintlich putzigen Raufereien der Jungtiere sind also selten übermütiges Toben. In der Natur dient eben alles einem höheren Zweck.

Murmeltiere im Kampf
Murmeltiere spielen um ihre Position in der Gruppe. - Foto: © dpa

Moritz allerdings muss sich seinen Platz nicht erkämpfen. Auf ihn wartet schon eine komfortable Heukiste, wenn es Zeit wird für seinen ersten Winterschlaf. Im Oktober wog er übrigens bereits vier Kilogramm. Der Winter kann kommen!


Fakten über Murmeltiere

• Riesenhörnchen
Die Murmeltiere (lat. Marmota) sind die größte Gattung der Hörnchen-Familie. Im Durchschnitt werden sie 50 Zentimeter groß. Ihr Schwanz misst 15 bis 20 Zentimeter.

• Baumeister
Murmeltiere legen zwei Baue an: eine Sommerresidenz zum Schutz vor Feinden und den Winterbau mit Nesthöhlen für den langen Schlaf.

• Tiefstapler
Die Nager sind zwar tagaktiv, verbringen aber nur zehn Prozent ihrer Lebenszeit über dem Erdreich.

• Durchbeiße
Die vier großen Nagezähne wachsen stetig nach, ein Leben lang.

Autor: Ulrike Schröder