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Beim "Paarungsrad" hält das Männchen das Weibchen am Kopf fest.

Die Libellen vollführen einen einzigartigen Paarungstanz, das sogenannte "Liebesrad". Dabei hält das Männchen (oben) das Weibchen am Kopf fest. - Foto © picture alliance / Arco Images GmbH

Im TV: Libellen – die Himmelsjäger; 01.06., 19:30 Uhr, Arte

Libellen: Akrobaten der Lüfte

Glitzer zieht sie magisch an. Wenn das Sonnenlicht am seichten Ufer silbern auf dem Wasser zu zerfließen scheint, vollführen die Libellen ihren einzigartigen Paarungstanz. Im Schwirrflug hält das Männchen die Auserwählte hinter dem Kopf fest. Sie biegt ihren Hinterleib an seine Unterseite. Das sogenannte "Liebesrad" aus zwei miteinander verhakten Körpern hat Herzform und dauert von einer Minute bis zu einer Stunde.

Dann legt das Weibchen winzige Eier auf Wasserpflanzen oder im Ufergrund ab. Aus dem Ei schlüpft die räuberisch lebende Larve, die manchmal erst nach Jahren das nasse Element verlässt. An Land vollführt sie eine Metamorphose, die an Schmetterlinge erinnert: Aus der Larve entfaltet sich die Libelle, die sich als schwebende Schönheit in den Sommer erhebt – und während ihres nur ein paar Wochen währenden Lebens den Kreislauf erneuert.

Das Dasein der Wasserjungfern, wie Libellen auch genannt werden, wirkt zerbrechlich, zählt aber zu den erfolgreichsten der Evolution. Libellen haben sich seit 300 Millionen Jahren kaum verändert, wie Fossilienfunde zeigen. Sie sind perfekt gebaute Himmelsjäger, die mit ihren zu einer Fangmaske entwickelten Vorderbeinen andere Insekten im Flug erbeuten.

Jedes ihrer zwei großen Facettenaugen trägt bis zu 30.000 Einzelaugen. Wahrscheinlich sieht kein Insekt besser als die Vertreter der Ordnung Odonata. Ihr lang gestreckter Körper steckt in einer robusten, chitinhaltigen Rüstung, die je nach Art schillern oder glänzen kann wie flüssiges Metall, Glas oder Emaille. Die Flugkunst der Libellen ist erstaunlich: "Wie ein Hubschrauber scheren sie seitwärts aus, fliegen rückwärts oder auf der Stelle", sagt Bernd Raab, Libellen- und Flussexperte vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern. "Ihr Fluggeschick erinnert uns ähnlich wie die Vögel daran, wie erdgebunden unser Dasein ist."

Die Wendigkeit rührt von ihren zwei Flügelpaaren, die Libellen unabhängig voneinander bewegen können. Eine Großlibelle wie die Blaugrüne Mosaikjungfer erreicht eine Spannweite von elf Zentimetern und Geschwindigkeiten um 50 Stundenkilometer. Ihre Flügel schlagen 30-mal pro Sekunde, also eher langsam, deshalb surrt sie nicht wie andere Fluginsekten. Als stumme Ballerina der Lüfte verrät sie allenfalls ein Knistern.

Life-Projekt zur Rettung der Grünen Keiljungfer

Doch ihre Erfolgsgeschichte gerät hierzulande ins Stocken: "In Deutschland leben etwa 80 der weltweit über 5500 Arten", so Raab. "Ein Viertel der einheimischen Arten ist vom Aussterben bedroht." Schuld ist neben dem Klimawandel die Denaturierung der Flüsse, Seen und Auenlandschaften. Aus diesem Grund startete 2010 in Bayern das Life-Projekt zur Rettung der Grünen Keiljungfer, die auf einer entsprechenden EU-Liste der bedrohten Arten als besonders schützenswert ausgewiesen ist. Im mittelfränkischen Becken zwischen Nürnberg, Fürth und Erlangen fühlte sich die Keiljungfer, eine große Flußlibelle, einst besonders wohl, aber irgendwann fehlten ihr sandige Flächen für die Eiablage.

Unter der Federführung von Projektleiter Bernd Raab wurden an ausgewählten Stellen 700 Tonnen Sand in die Gewässer geschüttet und Gehölz ausgelichtet, damit die lichtdurchflutete "Libellendisco" öffnen kann: "Wenn die Sonne die Luft wärmt und auf dem Wasser glitzert, versammeln sich die Keiljungfern zum Paarungstanz", so Raab. "Ähnlich wie eine Discokugel samt Lichtshow machen ihre Strahlen die Tanzfläche attraktiver." Das kommt an: "Wir sind zuversichtlich, dass wir die Bestände stabilisieren, vielleicht sogar vergrößern können", so Raab. Erfreulich: Im Gefolge der Keiljungfer profitieren andere Tiere wie Eisvögel, Biber und die aalartigen Neunaugen. Auch sie lieben Bäche und Flüsse wie einst – wild und natürlich.

Autor: Dagmar Weychardt