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Schwarzbären

Junge Schwarzbären flüchten bei Gefahr auf Bäume; Bild: © picture-alliance / Bildagentur-online/McPhoto-SBA

Bärenforscher Lynn Rogers

Lebensraum der Schwarzbären

Lynn Rogers, 71, ist ein leiser, bescheidener Mann. Dass er eine ganz besondere Begabung hat, ahnt man nicht. Der Bärenforscher wird von wilden Tieren geduldet – als wäre er einer von ihnen. Seit 44 Jahren erforscht Rogers die Schwarzbären, heute lebt er im Wildtier-Forschungszentrum Ely im US-Bundesstaat Minnesota.

Merkmale: Schwarzbären sind leichter als Grizzlys

Schwarzbären sind im Schnitt rund 100 Kilogramm schwer – und damit erheblich leichter als Grizzlys. Und auch weniger gefährlich. Ihr Lebensraum ist Nordamerika, Alaska und Kanada. Schwarzbären sind notorische Einbrecher, die auf Parkplätzen Autos und Wohnwagen knacken und Lebensmittel klauen. Kuscheltiere sind auch Schwarzbären nicht. Wie es möglich ist, den Tieren so nah zu kommen, erzählt Lynn Rogers exklusiv in HÖRZU.

Sozialverhalten: Auch Bären haben Angst

Ich muss keine Angst vor großen und wilden Tieren haben, solange mir klar ist, dass vor allem sie Angst vor mir haben. Wenn es mir gelingt, den Tieren die Furcht vor mir zu nehmen, dann kann ich mich ihnen nähern.

Manchmal dauert es Jahre, bis einzelne Bären ihre Angst verlieren, aber meistens geht es sehr viel schneller. Sie lieben mich dann zwar nicht – ich bin ihnen schlicht und einfach egal. Natürlich machen sie manchmal auch Theater, fauchen und schlagen mit den Tatzen in meine Richtung, aber das ist meist nur ein Ritual.

Wenn ich zum Beispiel im Frühjahr an eine Höhle komme, von der ich weiß, dass eine Bärin darin überwintert hat, die ich kenne, macht sie ein paar Drohgebärden. Dabei will ich doch nur erfahren, ob sie im Winterschlaf Junge geboren hat.

Übrigens: Selbst nach fünf oder sieben Monaten in der Höhle stinkt die Bärin nicht, sie riecht nach gar nichts. Irgendwann kommen die Babys heraus, und dann kann ich sie nehmen, untersuchen und wiegen. Bei einer Grizzly-Mutter würde ich mich das nicht trauen. Doch Schwarzbären sind nicht die blutdürstigen Bestien, als die man sie häufig darstellt. Es gibt ja die These, dass die Männchen der großen Bärenarten alle Jungbären töten, die sie erwischen. Weil es für diese mächtigen Tiere keine anderen Feinde gibt, die eine natürliche Auslese treffen. Das ist bei Grizzlys und Eisbären wohl richtig. Aber bei den Schwarzbären in den Wäldern von Minnesota haben wir das nicht festgestellt. Nur ein einziger Fall ist dokumentiert, in dem ein Bär ein Baby getötet hat.

Junge Bären klettern zum Schutz vor Fremden auf Bäume

Meist klettern die jungen Schwarzbären blitzschnell hoch in die Äste, wenn ein fremder Bär erscheint, die Mutter verteidigt dann den Baum. Was soll er da noch machen? Früher habe ich lange überlegt, was die Tiere von mir denken, wenn ich stundenlang bei einer jungen Familie sitze oder ihnen auf Tuchfühlung durch die Wälder folge. Sehen die in mir ein Alpha-, Beta- oder auch Omega-Tier? Bin ich für sie wie ein Opa oder ein Onkel? Heute weiß ich sicher: Die denken gar nichts. Für die Bären bin ich ein Teil des Waldes. Ich gehöre einfach dazu wie ein Baum oder ein Busch. Vielleicht auch ein Haselnussstrauch, weil ich häufig eine Handvoll Nüsse mitbringe, um die Mutter abzulenken, während ich den Jungen ein Senderhalsband anlege.

Verhaltensforschung: Schwarzbären in ihrem Lebensraum

Und so muss es auch sein. Nur wenn ich für die Tiere ein Neutrum bin, kann ich objektive Verhaltensforschung machen. Andersherum gefragt: Liebe ich die Bären? Als Art: Ja. Ich kämpfe in politischen Gremien dafür, dass sie ihren guten Lebensraum behalten. Ich habe dafür gesorgt, dass die Jagdsaison verkürzt wird. Aber liebe ich einzelne Tiere? Nein. Als Wissenschaftler muss ich sie nüchtern beobachten. Aber ich mache mir große Sorgen, wenn die Jagdsaison beginnt.

Dabei geht es mir natürlich vor allem um die Forschungsbären. Man sollte meinen, dass die Jäger das breite Halsband mit dem Sender erkennen. Tun sie nicht. Jedes Jahr werden Tiere erschossen. Um das zu verhindern, haben wir den Bären zusätzlich bunte Bänder um den Hals gebunden. Außerdem folgen meine Assistenten, meist Biologiestudenten, und ich den Tieren durch den Wald und machen Lärm, um die Schützen vom Schießen abzuhalten. Nie bin ich so nervös wie zu dieser Zeit. Vor Jägern habe ich wirklich Angst. Nicht vor den angeblich so gefährlichen Tieren wie den großen Bären.

HÖRZU hat mich gefragt, ob es ein Fazit gibt aus den mehr als 100 wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die ich über das Verhalten der Schwarzbären geschrieben habe. Meine tiefe Überzeugung ist: Schwarzbären sind keine gefährlichen Bestien, sondern verträgliche Tiere, mit denen Menschen sich den Lebensraum teilen können.


Porträt von Bärenforscher Lynn Rogers:

Lynn Rogers gilt als Papst der Verhaltensforschung bei Schwarzbären: Niemand kennt sich darin so gut aus wie er.

  • Ausbildung
  • Von Anfang an war es Lynn Rogers' Lebenstraum, später mit Tieren zu arbeiten. Er studierte Biologie und promovierte im Jahr 1977.

  • Laufbahn
  • Lynn Rogers wurde Professor und arbeitete als Wissenschaftler für das US-Forstministerium. Seit seiner Pensionierung ist er Direktor des Wildtier-Forschungszentrums in Ely, Minnesota. Er hat viele Vorurteile über Bären widerlegt – z. b. stimmt es nicht, dass sie Honig mögen.

  • Privat
  • Der Biologe ist seit 1979 mit seiner Frau Donna verheiratet. Sein bester Freund ist der Amerikaner David Mech – der gilt als "Papst" der Wolfsforscher.

    Autor: Lynn Rogers