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Islandpferde

Den Sommer auf Island verbringen die Islandpferde ohne Menschenkontakt in den Bergen. / Foto: © picture alliance / Arco Images GmbH

TV-Doku: "Im Bann der Pferde"

Islandpferde: die Gangpferde aus dem hohen Norden

Auf dem Rücken eines Isländers sitzt es sich fast so bequem wie in einem Sessel, heißt es. Ihre spezielle Gangart macht den Ritt so angenehm. Islandpferde "tölten". Der sogenannte Tölt ist ein Viertakt, bei dem immer mindestens ein Huf am Boden bleibt.

"Das Pferd hebt nie ganz ab. Dadurch sitzt der Reiter quasi erschütterungsfrei im Sattel", erklärt Swantje Renken vom deutschen Islandpferde-Reiter- und Züchterverband e. V. (IPZV). Beim Tölt gehen die Tiere aufgerichtet – die schnelle Beinarbeit ist ein wahrer Kraftakt für sie. Man bekommt fast den Eindruck, als würden sie sich strampelnd fortbewegen.

Islandpferde kommen eigentlich aus Norwegen

Im Galopp, den sie auch beherrschen, machen die Isländer ohne Zweifel eine elegantere Figur, doch mit dem stürmischen Stakkato des Tölt haben sie sich der rauen Landschaft ihrer Heimat perfekt angepasst. Die Mooskissen, Lava- und Geröllfelder, Spalten und Schluchten auf der größten Vulkaninsel der Welt passieren die Tiere unerschrocken – und verdienten sich dadurch den Ruf als ausdauerndste Rasse Europas.

Streng genommen sind die Pferde aber keine gebürtigen Isländer, sondern Norweger. Vor gut 1200 Jahren brachten Wikinger die Tiere auf ihren Schiffen mit zu der damals unbewohnten Insel. Hier fanden Mensch und Tier ein neues Zuhause.Die Siedler waren in besonderer Weise auf die Pferde angewiesen: Nur zu Ross gelang es ihnen, das weitläufige Land zu erschließen und ihre Schafe zu treiben.

Auch in Religion und nordischer Mythologie, in Sagen und Liedern der Wikinger spielen Pferde eine große Rolle. Viele Jahrhunderte verehrte man sie als heilige Tiere, als Symbol für Kraft und Fruchtbarkeit. Pferdeamulette wurden als Talisman getragen und sollten ihrem Besitzer Macht verleihen.

An ihrer immensen Beliebtheit hat sich bis heute nichts geändert: Jeder vierte Insulaner ist Besitzer eines Islandpferdes. Da es auf der Insel bis ins 20. Jahrhundert hinein kaum Infrastruktur gab, waren Pferde das Hauptfortbewegungsmittel. "Besonders stolz sind Isländer auf die 1000-jährige Reinzucht der Tiere", sagt Swantje Renken. Bereits um das Jahr 930 soll laut Legende ein Importverbot beschlossen worden sein – aus Angst vor Tierseuchen.

Erlassen wurde ein solches Gesetz tatsächlich, aber erst 1909. Die Einhaltung wird streng kontrolliert. Renken: "Ein Pferd, das die Insel einmal verlassen hat, darf nie mehr zurückkommen." Sportreiter verzichten mitunter auf eine Teilnahme an Welt- oder Europameisterschaften. Lokale Turniere aber sind auf der Insel ein Volkssport.

"Immenhof"-Filme machten Islandpferde auch in Deutschland bekannt

Im Sommer leben die Islandpferde drei Monate lang in grenzenloser Freiheit. In den Weiten des Hochlands verbringen sie die Zeit im Herdenverband. Einzig Flüsse, Gletscher und Felswände begrenzen ihr Territorium. Im September versammeln sich die Bauern der Region dann zum Abtrieb. Die Tiere sind weit verstreut, nur gemeinsam stemmen die Menschen diese Aufgabe.

Der Abtrieb markiert das Ende des Sommers und ist ein richtiger Festtag – diese Tradition gibt es schon seit der Wikingerzeit. Alle sind gespannt, wie sich die Fohlen den Sommer über entwickelt haben. Wenn sie im Tal ihren Höfen zugeordnet werden, hilft die ganze Familie mit. Die Bauern erkennen ihre Tiere an Brandzeichen, aber auch an ihrem Charakter oder ihrer Färbung, die vielfältig sein kann. Es gibt Schimmel, Rappen, Erdfarbene.

Dem Leben im Herdenverband und der vielen Bewegung verdanken die Pferde ihr freundliches Gemüt. Hier lernen sie auch, sich durchzusetzen. Durch die natürliche, urspüngliche Haltung sind sie weit weniger schreckhaft als Tiere, die hauptsächlich in einer Box stehen, so Expertin Swantje Renken. "Sie sind selbstbewusst, stolz und mutig. Isländerpferde geraten nicht so schnell in Panik und lassen sich auch nicht so einfach beeindrucken."

Islandpferde sind Familienpferde

Isländer-Fans aus der ganzen Welt reisen jedes Jahr auf die Insel, um das Ursprungsland der Tiere zu erkunden. Viele Bauern bieten Wanderritte an. In Deutschland wurde die Rasse durch die "Immenhof"-Filmreihe Ende der 1950er-Jahre bekannt. Rund 65.000 Islandpferde werden heute bei uns gehalten.

Abseits der Zucht sind sie vor allem als Familientier gefragt – für große und kleine Hobbyreiter. Denn wie schon zu Wikingertagen gilt: Ein Reiter im Sattel eines Isländers kann sich blind auf sein Ross verlassen.

Autor: Jasmin Henning