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Hannes Jaenicke: Im Einsatz für die Elefanten im ZDF

In Kenia nahm Hannes Jaenicke die Spur der Elfenbeinmafia auf.
Foto: ZDF / Guido Ohlenbostel

Der Elfenbeinmafia auf der Spur

Im TV: "Hannes Jaenicke: Im Einsatz für die Elefanten"

Seit Jahren engagiert sich Hannes Jaenicke für den Schutz bedrohter Tiere. In Kenia nahm der Schauspieler die Spur der Elfenbeinmafia auf.

Die erste Begegnung war durchaus furchteinflößend. Daran kann sich Hannes Jaenicke noch sehr gut er­innern: "Als die Elefanten vor mir standen, bekam ich schon einen Schreck: Jeder einzelne von ihnen ist so groß und so schwer wie ein Lkw. Glücklicherweise sind sie friedliche Naturen und überhaupt nicht angriffslustig."

Der Schauspieler kennt sich aus mit großen Tieren, schließlich engagiert er sich seit Jahren für den Schutz gefähr­deter Arten und hat bereits mehrere Doku­mentationen zum Thema gedreht. Für den TV-­Film "Hannes Jaenicke im Einsatz für Elefanten" reiste er nun nach Kenia, um sich vor Ort selbst ein Bild von der Situation der grauen Riesen zu machen.


TV-Tipp

Do, 31.7.: "Hannes Jaenicke: Im Einsatz für die Elefanten" - Der Elfenbeinmafia auf der Spur; ZDF, 22.15 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts)


Bedroht von der Elfenbeinmafia

Bedroht sind die Elefanten durch die zu­nehmende Zerstörung ihrer Lebensräume. Die größte Gefahr aber geht von der Elfen­beinmafia aus. Die mächtigen Stoßzähne der Kolosse heißen nicht umsonst "Weißes Gold": Schon in der Steinzeit wurden aus ihnen kleine Figuren geschnitzt, heute sind sie nach wie vor heiß begehrt. Bis auf wenige, sehr seltene Ausnahmen ist der Handel mit Elfenbein zwar offiziell weltweit verboten, doch ausgerechnet die strengen Artenschutzgesetze haben eine fatale Folge: Nie war die Gewinnspanne für Wilderer und Schmuggler so hoch wie heute.

Kunden in Asien etwa geben Unsummen für Kunstgegenstände oder iPhone­-Hüllen aus Elfenbein aus, berichtet Jaenicke. "Rei­che Chinesen essen lieber mit Stäbchen aus Weißem Gold als mit denen aus Holz. In Vietnam glaubt man, Elfenbein heile Krebs, und auf den Philippinen, dass die Gebete vor Marienstatuen nur dann erhört werden, wenn die Figuren aus Elfenbein gefertigt sind." Auch in Europa nehme man es nicht immer so genau mit dem Tierschutz, sagt Jaenicke: "Der Vatikan etwa betreibt bis heute eine eigene Elfenbeinschnitzerei."

Beliefert wird der globale Markt von Wil­derern. Um an das kostbare Gut zu kom­men, schlachten sie jährlich rund 40.000 Tiere ab. In ganz Afrika gab es im Jahr 2012 Schätzungen zufolge nur noch 420.000 bis 660.000 Elefanten, vor gut drei Jahrzehnten sollen es noch 1,2 Millionen gewesen sein. In Asien leben laut WWF ungefähr 30.000 Tiere, auch sie gelten als stark gefährdet.

Folgen der Wilderei

Die Massentötungen haben dramatische Folgen: Da sich Elefanten sehr langsam fortpflanzen, fehlt allmählich der Nach­wuchs. Elefantenkühe sind 22 Monate trächtig, Jungtiere werden nach der Geburt rund zwei Jahre gestillt. Bullen sind frü­hestens mit zehn Jahren geschlechtsreif und meist erst mit 20 stark genug, um sich gegen ältere Konkurrenten durchzusetzen. "Jeder Erstklässler", so Jaenicke, "kann sich leicht ausrechnen, wie lange es noch Ele­fanten geben wird, wenn keine ausreichende Nachfolgegeneration heranwächst."

Sei­ner Meinung nach setzt die Politik falsche Prioritäten: "Artenschutz taugt nun mal nicht als Wahlkampfthema. Und für Politiker ist das Wichtigste ihre Wiederwahl."

Waisenhaus für Elefanten

Eine der beeindruckendsten Stationen auf Jaenickes Keniareise war das Elefanten­waisenhaus des David Sheldrick Wildlife Trust im Nairobi Nationalpark. "Dort habe ich Kamok getroffen, mein fünf Monate altes 'Patenkind'. Das war ein sehr emotio­naler Moment", sagt der Umweltaktivist. In der Rettungsstation päppeln Pfleger die elternlosen Jungen auf. "Jeder von ihnen investiert unendlich viel Zeit und Liebe in seine 'Adoptivkinder'", so Jaenicke.

Ziel ist es, die ausgewachsenen Tiere später in Nationalparks auszuwildern. Ein riskantes Unterfangen. Die Betreuer plagt die Angst, dass ihre Schützlinge dort von Wilderern getötet werden könnten. "Diese Sorge ist durchaus berechtigt", weiß Hannes Jaeni­cke. Umso größer ist die Freude der Pfleger, wenn einzelne Tiere zu wahren Kämpfer­naturen werden und sich auch in freier Wildbahn behaupten. Solche glücklichen Momente motivieren auch den renommier­ten Elefantenforscher Iain Douglas Hamil­ton, seine schwierige Arbeit als Leiter des Waisenhauses fortzusetzen. "Iain opfert einen Großteil seiner Lebenszeit, um die Ausrottung der Elefanten zu stoppen", sagt Jaenicke. "Doch leider führt er einen fast aussichtslosen Kampf gegen die Wilderei."

Um sich ein umfassendes Bild von der Situation zu machen, traf Jaenicke in Kenia sogar einen ehemaligen Wilderer, der die Seiten gewechselt hat und heute als Berater der Tierschützer arbeitet. "Er erzählte, dass manche Wilderer mit Waffen aus Bundes­wehrbeständen auf Elefantenjagd gehen. Und dass islamistische Terrorgruppen wie die somalischen Al­-Shabaab-­Milizen ihre Waffenkäufe zum Großteil mit den Ge­winnen aus dem illegalen Elfenbeinhandel finanzieren. Auch darum müssen Politiker den Elfenbeinhandel radikal unterbinden."

Schleichwege der Schmuggler

Aus dem Land geschmuggelt werden die Stoßzähne über den Flughafen von Kenias Hauptstadt Nairobi, wo inzwischen spezi­elle Hundestaffeln Elfenbein erschnüffeln, und über die Hafenstadt Mombasa. "Kenia ist wunderschön", sagt Hannes Jaenicke nach drei Wochen in Ostafrika. Was den Tierschutz angehe, gebe es aber keinen Grund für Optimismus. "Zwar er­kennen erste Länder inzwischen, dass sich im Tourismus mit lebenden Elefanten mehr Geld verdienen lässt als mit toten. Aber bis sich diese Erkenntnis überall durchgesetzt hat, kann es zu spät sein."

Autor: Mike Powelz